Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten
Innenstadt
Icon Pfeil nach unten

Augsburg: Corona stoppt den Bevölkerungszuwachs in Augsburg

Augsburg

Corona stoppt den Bevölkerungszuwachs in Augsburg

  • |
  • |
  • |
    Die Augsburger Bevölkerung ist rückläufig. Zählte die Stadt im November 2019 schon einmal mehr als 300.000 Einwohner, so sank die Zahl auf 298.000 Bürger im Mai diesen Jahres.
    Die Augsburger Bevölkerung ist rückläufig. Zählte die Stadt im November 2019 schon einmal mehr als 300.000 Einwohner, so sank die Zahl auf 298.000 Bürger im Mai diesen Jahres. Foto: Silvio Wyszengrad

    Die Corona-Pandemie hat in der ersten Hälfte des Jahres 2020 für einen Rückgang der Augsburger Bevölkerung gesorgt. Stand Mai lebten 298.000 Bürger in Augsburg, nachdem die Stadt im November 2019 schon einmal die 300.000-Einwohner-Marke geknackt hatte. Zwar gibt es im Jahresverlauf immer wieder Schwankungen bei der Zahl der Bevölkerung, aber der Rückgang zwischen Anfang Januar und Ende Mai 2020 um 1500 Bürger ist überdeutlich. Hintergrund dürfte sein, dass Corona-Shutdown und drohende Rezession den Zuzug von außen bremsten.

    In den Vergleichszeiträumen der Vorjahre von Januar bis Mai waren jeweils Zuwächse von bis zu 1300 Neu-Augsburgern zu verzeichnen. In den vergangenen Jahren wuchs Augsburg jährlich um bis zu 5000 Einwohner, wobei diese Entwicklung zuletzt stark abflachte. Gezählt wird die sogenannte wohnberechtigte Bevölkerung, also zum Beispiel auch Bürger mit Zweitwohnsitz wie Studenten.

    Das sagen Augsburgs Statistiker zur sinkenden Einwohnerzahl

    Augsburgs Statistiker hatten zwar schon vor der Corona-Krise ein Abflauen der massiven Bevölkerungszunahme vorhergesagt, gingen aber weiterhin von einem moderaten Wachstum aus. Für Ende des Jahres 2020 war ein Plus um 2500 Bürger vorhergesagt, für das Jahr 2038 wurde mit 325.000 Bürgern gerechnet. Inwieweit diese Prognose angesichts von Corona noch Gültigkeit hat, ist offen.

    Die Bevölkerungsprognosen fußten auf Entwicklungen der Vergangenheit und demografischen Entwicklungen, so Sebastian Schneid vom Statistikamt. „Unvorhersehbare Ereignisse wie plötzliche Flüchtlingsströme oder Pandemien können nicht in die Prognose einfließen“, sagt Schneid. Man könne heute noch nicht einmal seriös abschätzen, wo die Bevölkerungszahl zum Ende des Jahres 2020 liegen werde. Frühestens auf dieser Basis könne man über weitere Prognosen nachdenken.

    Augsburgs Bevölkerung könnte langfristig wieder wachsen

    Der für die Stadtentwicklung zuständige Baureferent Gerd Merkle (CSU) geht aber mittel- bis langfristig weiterhin von mehr Augsburgern aus. „Trotz Pandemie wird der Zuzug in die Großstädte, dort wo sich die Arbeitsplätze befinden, anhalten. Deshalb stellen wir uns auch künftig auf Wachstum ein und werden deshalb weitere Bauflächen ausweisen, auf denen preisgünstiger Wohnungsbau für die Bevölkerung angeboten wird.“ Von diesem Trend gingen auch Kollegen in anderen Großstädten aus. Sich nun von Langfrist-Projekten wie Haunstetten Südwest zu verabschieden, wäre der falsche Schritt. Das neue Viertel, das einmal Heimat für 10.000 Menschen sein soll, brauche noch einige Jahre Planungsvorlauf. Zudem lasse sich die Fläche nach und nach je nach Bedarf entwickeln. Stadtentwicklung müsse aber in langen zeitlichen Dimensionen denken.

    Das Bevölkerungswachstum in den vergangenen Jahren wurde durch steigende Geburtenzahlen ausgelöst, die den Schwund durch Sterbefälle bremsten. 2019 wurden wie in den Vorjahren etwa 3150 Augsburger geboren, 3200 Augsburger starben. Vor allem aber waren es Zuzüge von außen, die die Bevölkerungszahl nach oben schnellen ließen. Rund 22.500 neu zugezogene Augsburger gab es im vergangenen Jahr (bei 21.000 Wegzügen). In diesem Bereich dürfte auch die Ursache für den jetzt stattfindenden Schwund zu suchen sein. Detailliertere Daten zu den Wanderungsbewegungen will das Statistikamt zur Jahresmitte hin veröffentlichen.

    So wirkt sich Corona auf die Einwohnerzahl in Augsburg aus

    Wahrscheinlich ist aber: Corona dürfte Zu- und Wegzüge gehemmt haben, schon allein wegen der Probleme, einen Umzug mit den im März/April geltenden Ausgangsbeschränkungen in Einklang zu bringen. Eine Rolle könnte auch spielen, dass sich der Zuzug nach Augsburg in den vergangenen Jahren stark aus Zuwanderung aus dem Ausland speiste, was durch die Grenzschließungen vorübergehend unmöglich wurde. Ob sich mit der Grenzöffnung etwas ändert, ist ungewiss: Die jetzt absehbare Rezession gepaart mit steigender Arbeitslosenquote könnte den Zuzug nach Augsburg weiterhin stagnieren lassen. Die Zahl der arbeitslosen Ausländer, häufig in gering qualifizierten Bereichen beschäftigt, stieg in Augsburg im Mai 2020 im Vergleich zum Vorjahres-Mai um 40 Prozent.

    In den vergangenen Jahren waren es vor allem Rumänen und Kroaten, die im Rahmen der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit in Augsburg Arbeit suchten und fanden. Die Zahl der Rumänen stieg in den vergangenen zehn Jahren um rund 7000 auf 8300 im vergangenen Jahr. Allerdings, sagt Beate Weinrich, die in der Migrationsberatung der Caritas unter anderem rumänische Zuwanderer betreut, seien Arbeitslosigkeit oder Rückkehr-Gedanken in ihren Beratungsgesprächen bisher keine großen Themen. Es gebe lediglich eine Familie aus Moldawien, die sich mit Rückkehr-Gedanken trägt. „Ansonsten spielt das bisher keine große Rolle“, so Weinrich, die aber auch betont, keine vollumfängliche Statistik zu haben. Es müsse sich ja niemand bei ihr melden, wenn er arbeitslos werde. Spürbar sei eine generelle Unsicherheit, aber die treffe momentan wohl ziemlich viele Menschen.

    Lesen Sie auch:

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden