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Augsburg

14.07.2020

Stolperfalle: Warum sich manche Augsburger über E-Scooter ärgern

Um die 1200 E-Scooter bieten drei Firmen in Augsburg an. Nicht immer sind sie adäquat abgestellt und können deshalb zu Stolperfallen werden. Beispielsweise für Brigitte Walch.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Seit einem Jahr werden in Augsburg E-Scooter angeboten. Die Verleiher sind zufrieden. Doch nicht jeder Augsburger ist angetan von den Rollern.

Brigitte Walch hat nichts gegen E-Scooter. Außer sie stolpert über einen. Das passiert der 61-Jährigen immer dann, wenn die Gefährte rücksichtlos auf Fußwegen oder an unübersichtlichen Ecken abgestellt wurden. Walch hat eine Sehbehinderung. Sie erkennt die E-Scooter oft erst, wenn es zu spät ist. Einmal hat der sehbehinderten Frau das Stolpern über so ein Gerät auf dem Bürgersteig sogar einen Hexenschuss eingebracht.

Beschwerden über E-Scooter in Augsburg nehmen ab

Seit einem Jahr nun verleihen Firmen Elektroroller in Augsburg. Die drei Anbieter Voi, Tier und Dott zeigen sich zufrieden, was man nicht von allen Bürgern behaupten kann. Auch die Stadt wird bisweilen mit Unmut konfrontiert. Wenn Beschwerden über E-Scooter eingingen, so Sprecherin Stella Plazibat, dann darüber, dass die kleinen Roller verkehrsbehindernd oder -gefährdend geparkt wurden. Anfangs sei die Situation in der Tat unbefriedigend gewesen.

„Wir sind jetzt allerdings der Auffassung, dass sich die Zahl solcher Vorfälle spürbar verringert hat.“ Mit den Verleihern habe man einvernehmliche Absprachen getroffen. Demnach dürfen E-Scooter an bestimmten Örtlichkeiten aus stadtgestalterischen oder Platzgründen nicht abgestellt werden. Für das Parken und Fahren gelten grundsätzlich die auch für Fahrräder geltenden Vorschriften.

Voi, Tier und Dott achten selbst darauf, dass die E-Scooter niemanden im öffentlichen Raum behindern. Manchmal sei es etwas schwierig, geeignete Plätze zu finden, sagt Dott-Sprecher Kuffner. Die Roller sollten freilich auch gut sichtbar sein. An einer Stelle würden höchstens nur fünf Stück aufgestellt. Claus Unterkircher von der Firma Voi berichtet, dass die Mitarbeiter falsch abgestellte Geräte lokalisieren und umparken. „Wir bitten alle Nutzer, nach dem Ende jeder Fahrt ein Foto von abgestellten Rollern zu machen. So können wir im Falle des Falles schnell reagieren.“

In Bayern ist man skeptisch gegenüber den E-Scootern

Die Anbieter hätten gerne extra ausgewiesene Parkplätze für E-Scooter, wie es in anderen Städten bereits gehandhabt werde. „Die Stadt Köln etwa hat zwölf Autoparkplätze für E-Scooter umgerüstet“, weiß der Sprecher von Dott. Auch bei Voi würde man gerne eine Parklösung gemeinsam mit der Stadt anbieten. „So wie in Oslo und Stockholm, wo zusätzliche E-Scooter–Parkplätze mit Voi-Ständern vorhanden sind und wir uns am Investment beteiligen“, meint Claus Unterkircher.

Bei der Stadt scheint man offenbar noch nicht hundertprozentig davon überzeugt zu sein, dass E-Scooter dauerhaft eine wichtige Rolle im Verkehr spielen werden. „Ob sie langfristig einen Beitrag zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs in der Stadt leisten können, ist noch offen“, heißt es dort. Die Verleiher sind mit der Nachfrage nach E-Scootern in Augsburg sehr zufrieden, wie sie alle drei betonen. Auch wenn Felix Kuffner von Dott regionale Unterschiede registriert.

„In Bayern müssen die Menschen mehr davon überzeugt werden, dass E-Scooter ein ernst zu nehmendes Verkehrsmittel sind. Im Rheinland fahren gerne auch ältere Menschen damit“, ist seine Beobachtung. Vielleicht liege es daran, dass Bayern eher autogeprägt und traditioneller sei, mutmaßt er.

Tier bietet in Augsburg um die 400 E-Scooter an, Voi rund 300. Die Firma Dott, die erst im Februar auf dem Augsburger Markt dazustieß, betreibt hier rund 500 Elektroroller. In Zeiten des Corona-Lockdowns mussten alle drei einen Umsatzeinbruch wegen der gesunkenen Nachfrage hinnehmen. Jetzt gehe es wieder aufwärts. „Wir rechnen fest damit, dass, solange die Einhaltung von Abstandsempfehlungen die neue Normalität ist, Menschen wohl zunächst Mobilitätsoptionen bevorzugen werden, die ihnen eine individuelle Fortbewegung ermöglichen“, sagt David Krebs von Tier.

In Augsburg fährt man nicht nur in der Innenstadt E-Scooter

Die Verleiher konzentrieren sich längst nicht mehr nur auf das Zentrum Augsburgs. Inzwischen werden auch in den Stadtteilen E-Scooter offeriert. „Bei Pendlerbezirken und weiter außerhalb gelegenen Stadtteilzentren sehen wir mitunter das größte Potenzial für Elektromobilität“, berichtet Voi-Sprecher Unterkircher. Deshalb sei man seit dem Start zunehmend weiter dorthin vorgerückt.

Unter den Konkurrenten werden solche Veränderungen beobachtet. „Wir passen uns der Konkurrenz an und sind jetzt auch in den Außenbezirken vertreten“, räumt Dott-Sprecher Kuffner ein. „Es gibt viele Fahrten etwa von der Innenstadt nach Göggingen und zurück. Aber die meisten verzeichnen wir weiterhin im Zentrum.“ Solange die E-Scooter ordnungsgemäß gefahren und abgestellt werden, sollte das kein Problem sein.

Unlängst musste sich Kuffner mit einem besonderen Vorfall beschäftigen. „Das war so verrückt. So etwas ist uns in ganz Europa noch nicht passiert.“ Der Sprecher der Firma Dott schüttelt jetzt noch den Kopf deswegen. Seit Anfang Juni hatte ein zunächst Unbekannter an sämtlichen E-Rollern des niederländischen Verleihers rund um das Curt-Frenzel-Stadion die linken Griffe abgesägt.

Die Polizei überwachte daraufhin das Gebiet um das Stadion. Als die Einsatzkräfte eines Nachts tatsächlich Sägegeräusche wahrnahmen, schlugen sie zu. Sie ertappten einen 63 Jahre alten Mann auf frischer Tat.

Die Polizei sagte, dass der bis dahin unbescholtene Mann offenbar nicht mit dem gesellschaftlichen Wandel in der heutigen Zeit klarkam.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar unserer Autorin: E-Scooter in Augsburg: Die Aufregung hat sich gelegt

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