Ärger am Parkplatz vor dem Bärenkellerbad: Am Wochenende kassierten mehrere Autofahrer einen Strafzettel. Sie müssen 20 Euro zahlen, weil sie keine Parkscheibe im Fahrzeug hinterlegt hatten. Die Regelung ist nicht ganz neu, sie sorgt aber jetzt für jede Menge Gesprächsstoff. Ein Ortstermin am Montagvormittag zeigt, dass viele Badegäste, die mit dem Auto kommen, die Hinweisschilder übersehen. In einer zugeparkten Reihe am vollbesetzten Parkplatz lagen Parkscheiben in 16 Autos, sieben Fahrzeuge standen ohne Parkschein in der Sonne. Die Stadt Augsburg erläutert, warum sie die Regelung angepasst hat. In einem zweiten Freibad gilt am Parkplatz ein ähnliches Prinzip.
Martin Overzier nutzt den Ferientag, um mit seinen Kindern Pauline (sieben Jahre) und Oskar (neun) das städtische Freibad im Bärenkeller zu besuchen. Unweit vor dem Eingang des Bades steht ein kleines Schild mit Hinweis auf die Parkscheibe: Haben Sie daran gedacht? Overzier registriert es nicht. Auf die neue Regelung wird er von unserer Redaktion angesprochen, der Familienvater bedankt sich und geht zurück zum Auto. Er räumt ein, dass er das etwas größere Hinweisschild im Zufahrtsbereich zum Parkplatz nicht wahrgenommen habe. Er sagt: „Wenn der Parkplatz voll ist und viele Menschen unterwegs sind, schaue ich eher auf die Verkehrssituation.“
Auch Anita Funk aus der Firnhaberau steuert am Montag mit Tochter Julia den Parkplatz am Bärenkellerbad an. Die beiden seien schon länger nicht mehr da gewesen, sagt Funk. Badesachen werden aus dem Kofferraum geholt, es soll losgehen in Richtung Freibad. Die Autotüren sind verschlossen. Die Parkscheibe fehlt jedoch. Anita Funk bedankt sich für den Hinweis. „Ich meine, ich habe das Schild an der Zufahrt noch gesehen und dann wohl wieder vergessen.“ Acht Stunden mit Parkscheibe sind erlaubt. Das Parken ist kostenlos.
Wenn Mitarbeiter der städtischen Verkehrsüberwachung kontrollieren und die Parkscheibe fehlt, werden 20 Euro fällig. Ein verärgerter Badegast hat sich an unsere Redaktion gewandt: „Ich empfinde das Vorgehen der Stadt Augsburg und auch des Ordnungsamtes als modernes Raubrittertum“, schreibt die 52-jährige Frau, die in Augsburg lebt.
Sie erkenne an, so die Frau, dass die Stadt Augsburg den Besuch ihrer Freibäder attraktiv mache. Es sei erfreulich, dass Kinder und Jugendliche in den Ferien freien Eintritt haben. Allerdings würden aus ihrer Sicht die parkenden Eltern „abgezockt“. Wer rechne damit, dass auf einem Parkplatz neben einem Freibad das Parken nur eingeschränkt erlaubt ist. Zudem könne das Schild leicht übersehen werden.
Seit Ende Mai werden Autofahrer zur Kasse gebeten
Auf Anfrage informiert die Stadt, dass die geänderte Regelung seit Anfang März gilt. Allerdings geriet sie jetzt erst ins Bewusstsein der Autofahrer, da das Freibad aufgrund der Witterung sehr gut besucht ist. Die Stadt argumentiert, dass sie die Parksituation speziell für Badegäste verbessern wolle: „Den Parkplatz nutzten zuletzt vermehrt Wohnmobile, Busse, Lastwagen und Anhänger für mehrtägiges und teilweise sogar mehrwöchiges Abstellen der Fahrzeuge.“
Bis Ende Mai wurden Verstöße am Parkplatz des Bärenkellerbads gebührenfrei verwarnt. Die betroffenen Halter seien in diesem Zuge über die Parkscheibenpflicht informiert worden. Man habe sie darauf hingewiesen, dass künftig gebührenpflichtig verwarnt werde, so die Stadt. Die Sportverwaltung sei beauftragt worden, auf die geltende Parkscheibenpflicht gut sichtbar hinzuweisen. Dieses Vorgehen habe sich aus Sicht des Ordnungsamtes bewährt. Nicht jeder Autofahrer ist bereit, die 20 Euro zu zahlen. „Insgesamt sind elf Beschwerden aktenkundig“, so die Stadt.
Am Fribbe-Freibad gilt eine vergleichbare Parkregelung
350 Parkplätze stehen vor dem Bärenkellerbad zur Verfügung, am Spickelbad und Fribbe nahe der Friedberger Straße sind es 200 Parkplätze. Es gilt aber auch hier eine Höchstparkdauer von acht Stunden. Keine zeitlichen Beschränkungen gibt es für 800 Parkplätze am Plärrergelände. Hier können Gäste vom Familienbad parken. Allerdings müssen Autofahrer zurückstehen, wenn der Plärrer läuft. Das Gelände ist für Auf- und Abbau sowie das Volksfest zweimal im Jahr länger gesperrt. In der Vorweihnachtszeit werden Parkgebühren erhoben, das Gelände ist dann bewacht.
Seit dem Jahr 1986 überwacht die Stadt Augsburg ihren Parkraum. Mehr als 40 Mitarbeiter sind im Schichtdienst im Einsatz. Sie sorgen dafür, dass Rettungswege, Ladezonen und Zufahrten frei bleiben, dass keiner sein Auto unberechtigterweise auf Behinderten- oder Bewohner-Parkplätzen abstellt, dass Fußwege und Radwege nicht zugeparkt werden und dass Kurzzeitparkplätze nicht durch Dauerparker blockiert werden.
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