Kurt Späth, 76 Jahre alt, Rentner
"Was? 1000 Tage sind die schon da? Jeder Tag ist einer zu viel." Dass Kurt Späth keine Sympathie für das Klimacamp hegt, ist bekannt. Schließlich demonstriert der Rentner, der noch als Busfahrer aktiv ist, seit Monaten gegen das Lager, das er nur noch "Jugendcamp" nennt. Wie er beobachtet haben will, hielten dort meist nur noch diejenigen Stellung, die ohnehin kein Dach über dem Kopf hätten. "Gewisse Vertreter des Klimacamps sind nur vor Ort präsent, wenn die Presse kommt." In erster Linie hatte sich Späth immer am Erscheinungsbild gestört. "Ein Schandfleck", schimpft er.
Das Anliegen der jungen Menschen habe er indes verstanden. Doch seit dem Protest in Lützerath, an dem auch Augsburger Aktivisten teilgenommen hatten, sei Schluss mit seinem Verständnis. Als er gesehen habe, wie Demonstranten dort gegen Polizisten vorgingen, "da war es bei mir aus". Dabei hätten sich Augsburger Klimaaktivisten sogar erkundigt, ob nicht Kurt Späth selbst sie mit einem Bus nach Lützerath fahren könne. "Bevor ich da einen Zündschlüssel umdrehe, gehe ich barfuß bei Eiseskälte mit einer zentnerschweren Kerze nach Altötting", echauffiert er sich und konstatiert: "Fürs Klima machen die doch gar nichts. Was haben sie denn bislang in Augsburg erreicht außer Anzeigen und Gerichtsverhandlungen? Nichts."
Das Klimacamp steht genau vor einem kleinen Lokal
Oliver Ganteför, 51 Jahre alt, Gastronom
Inzwischen habe er sich an das Klimacamp gewöhnt. Er nehme es eigentlich schon gar nicht mehr wahr, sagt Oliver Ganteför, der am Augsburger Rathaus den Ratskeller betreibt. "Ich kann es ohnehin nicht beeinflussen. Deshalb beschäftige ich mich damit gar nicht", meint der Gastronom. Nur seine Gäste würden sich gelegentlich erstaunt zeigen. "Was, sind die immer noch da?", höre er dann. Anfangs fand Ganteför das Erscheinungsbild des Klimacamps als störend.
Inzwischen aber sei es aufgeräumter und ansehnlicher geworden. Ganteför sagt, das Klimacamp tue ihm nicht weh. Für eine Person aber zeige er Mitgefühl. "Mir tut die Wirtin des Perlachstübles leid. Ihre Gäste sitzen draußen vor einer Bretterwand." Das Klimacamp steht genau vor dem kleinen Lokal, das die Wirtin seit über 40 Jahren betreibt. Gegenüber unserer Redaktion will sich die Dame nicht dazu äußern. Nur so viel: Begeisterung sieht anders aus.
Martin Ziegelmayr, 68 Jahre alt, St. Peter am Perlach
Als Verwalter des Bürgervereins der Kirche St. Peter am Perlach, die sich am Fischmarkt befindet, wird Martin Ziegelmayr oft mit dem Klimacamp konfrontiert. Er selbst stört sich nicht daran. Dafür aber einige Kirchenbesucher. "Sie stoßen sich an dem Verhau." Er könne den jungen Menschen nur raten, das Camp schöner zu gestalten. "Es sieht schon primitiv aus." Dabei habe es mal geheißen, dass sich die Fachhochschule mit einem Professor der Gestaltung annehme, aber viel sei seitdem nicht passiert, findet Ziegelmayr. Er selbst pflege einen guten Umgang mit den Campern. "Wenn wir einen Gottesdienst haben und Ruhe brauchen, nehmen sie Rücksicht."
Das Klimacamp in Augsburg hat nicht nur Befürworter
Angestellter, der mitunter für Anlieferungen im Rathaus zuständig ist
Seinen Namen will er aus Rücksicht auf seinen Arbeitgeber nicht nennen. Aber eine klare Meinung hat der Mann zum Klimacamp. Durch seinen Job hat er immer wieder mit dem Protestlager zu tun und ärgert sich dann. Bei Veranstaltungen im Rathaus sei es seit dem Klimacamp für Caterer oder andere Dienstleister schwierig, über den Fischmarkt die nötigen Sachen anzuliefern, berichtet der Augsburger. Es sei schon vorgekommen, dass Klimacamper die Polizei riefen, wenn dort ein Lkw zum Ausladen stehe. Ohne das Klimacamp, konstatiert er, wäre vieles leichter. "Wer es schafft, dass das Klimacamp verschwindet, dem gebe ich eine Flasche Sekt aus."
Simon Crauser, 42 Jahre alt, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Mitte
Bei der Polizeiinspektion Augsburg-Mitte hat man täglich mit dem Klimacamp zu tun. Die Camper müssen bei der Behörde immer ihre Schichtwechsel melden. Laut Simon Crauser, stellvertretender Inspektionsleiter, geht es für die Polizei darum, stets einen aktuellen Ansprechpartner des Camps zu haben. Die Klimacamp-Teilnehmenden meldeten sich deshalb telefonisch auf der Wache. "Die Angaben werden bei uns dokumentiert." Zum Teil wechselten die Versammlungsleitungen mehrfach täglich. Dieses Prozedere sei nötig.
Denn das Versammlungsgesetz bestimme, dass der Leiter einer Versammlung zur Wahrung seiner Rechte und Pflichten während der Versammlung anwesend sein muss und er sich gemäß Versammlungsbescheid der Stadt Augsburg bei der Polizei zu melden habe. Für die Polizei halte sich der Aufwand in Grenzen. "Die notwendigen Prozesse haben sich im täglichen Dienst eingespielt", meint Crauser. Im vergangenen Jahr habe das Klimacamp zweimal die Polizei informiert, dass Fahrzeuge am Fischmarkt in der Feuerwehranfahrtszone parkten. "Bis unsere Streife eintraf, waren die Fahrzeuge bereits weg."