Es rumort am Rudolf-Diesel-Gymnasium: Seit über einem Jahr ist die Dreifachturnhalle der Schule geschlossen, die Schülerinnen und Schüler müssen für den Sportunterricht seitdem zu extra angemieteten Hallen gefahren werden. Das kostet Geld und geht zulasten des Unterrichts. Viele Eltern und Lehrer sind deshalb sauer auf die Stadt, denn die hat die Sanierung mangels Geld nun erst einmal auf die lange Bank geschoben. Schulleiterin Susanne Täufer ist enttäuscht und übt offen Kritik an der Stadt: "Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler werden gleichermaßen darunter leiden. Das ist aus unserer Sicht sehr enttäuschend und bedauerlich. Letztlich sind wir hier von unserem Sachaufwandsträger vor vollendete Tatsachen gestellt worden." Augsburgs Bildungsbürgermeisterin Martina Wild fordert aufgrund des immensen Sanierungsstaus an Schulen ihrerseits Hilfe vom Freistaat. Ohne dessen Förderung sei das Problem kaum noch zu stemmen. Denn auch andere Schulen und Turnhallen müssten dringend saniert werden.
Im Bildungsausschuss steht diesen Donnerstag der von der Schulfamilie des Rudolf-Diesel-Gymnasiums (RDG) dringend erwartete Projektbeschluss über die Sanierung und Erweiterung des Schulgebäudes auf der Tagesordnung. Die Sanierung der Schulturnhalle hat die Stadt dagegen zurückgestellt, weshalb es bei Lehrern, Schülerinnen und Eltern Unmut gibt. Die Stadt argumentiert, ein solches Projekt beziehungsweise ein Neubau seien aufgrund der angespannten Haushaltslage nur schwer zu verwirklichen. Denn auf der einen Seite habe sich nach den Untersuchungen herausgestellt, dass der Schaden größer sei als bei der Planung angenommen, auf der anderen Seite habe die Schulaufsichtsbehörde eine wesentlich höhere Schülerzahl für die kommenden Jahre am RDG prognostiziert. Deshalb sei nun eine Erweiterung auf eine Vierfachturnhalle nötig. Die Schätzungen für die Sanierung der bestehenden Dreifachturnhalle und den Anbau einer zusätzlichen Einfachhalle belaufen sich derzeit auf rund 13,6 Millionen Euro.
"Die Entscheidung, die RDG-Turnhalle nicht zu sanieren, hat gravierende und lang wirkende Folgen für unsere Schule", kritisiert Schulleiterin Susanne Täufer. Elternbeiratsvorsitzende Kathrin Lampe wird noch deutlicher: "Das ist ein Armutszeugnis", sagt sie. Die Kinder müssten die Fahrten zu einer anderen Sporthalle auf sich nehmen. Die Kosten für die Anmietung und die Busfahrten belaufen sich allein für die Schülerinnen und Schüler des RDG jährlich auf 70.000 Euro. "So kann doch gar kein regulärer Sportunterricht stattfinden. Dann gibt es am RDG auch Sportklassen, für die der Lehrplan ohne eigene Halle doch gar nicht erfüllt werden kann", argumentiert sie.
Zudem fehle ein zusätzlicher Raum, was sich vor allem bei der Durchsetzung der Corona-Maßnahmen oder während der Abiturprüfungen bemerkbar gemacht habe. Wenn die Sanierung nun nicht in Angriff genommen wird, würde dies bedeuten, dass mancher Schüler im Verlauf seiner Schulzeit am RDG kein einziges Mal die Sporthalle nützen könnte. "In andere Projekte wie in das Theater können doch auch Millionen reingebuttert werden", ärgert sich die Elternbeiratsvorsitzende. Noch dazu müssten Schülerinnen und Schüler des RDG ohnehin viel hinnehmen. Immerhin sei auch das Dach in der Schulaula undicht. "Darüber hinaus gibt es auch immer noch kein flächendeckendes WLAN", sagt sie.
Zwei Milliarden Euro müssten in Augsburgs Schulen gesteckt werden
Augsburgs Bildungsbürgermeisterin Martina Wild betont, dass für die Sanierung des RDG aktuell knapp 44,4 Millionen Euro eingeplant seien, womit das Schulgebäude komplett saniert und erweitert werden könne. Ursprünglich war die Gesamtsanierung im Mai 2016 mit einem Investitionsvolumen von 30,6 Millionen Euro beschlossen worden. Aufgrund diverser Auflagen, einem Fachplanwechsel, Grundwasserproblematik sowie den derzeit steigenden Baukosten wurde der Betrag bereits das zweite Mal angepasst. Wild schätzt, dass es rund zwei Milliarden Euro bräuchte, um die anstehenden Sanierungsarbeiten an den insgesamt 70 Augsburger Schulen zu stemmen, um den Herausforderungen in den Bereichen Ganztag, Digitalisierung und Sportstätten gerecht zu werden. "Trotz unserer enormen Kraftanstrengungen benötigen wir daher dringend Unterstützung von Bayern- und Bundesebene. Ein Fördertopf für Schulsanierungen für strukturschwache Kommunen wäre zum Beispiel sehr sinnvoll." Immerhin sind derzeit auch die Sporthalle Süd sowie weitere Turnhallen am Jakob-Fugger-Gymnasium und bei der Berufsschule 3 wegen baulicher Mängel geschlossen.
Eine Öffnungsperspektive für diese geschlossenen Turnhallen kann die Bildungsreferentin derzeit nicht geben. Ihr ist bewusst, dass dieser Umstand nicht nur zu massiven Einschränkungen des Schulsports, sondern auch des Sportbetriebes der Vereine führt. Einige Vereine wurden in andere Hallen verlegt, anderen wurden Hallenzeiten gekündigt. Sport- und Bildungsreferat wollen die Situation verbessern: Laut Planung könnte die Nutzung von bestehenden Schulturnhallen zeitlich ausgedehnt werden, um dem Vereinssport mehr Trainingsmöglichkeiten zu ermöglichen.