Augsburg: Augsburger Klimaaktivisten demonstrieren und kritisieren die Justiz
Augsburg
Augsburger Klimaaktivisten demonstrieren und kritisieren die Justiz
Protest vor dem Strafjustizzentrum im Augsburger Stadtteil Göggingen: Nach einem Haftbefehl äußern Aktivisten aus dem Umfeld des Klimacamps scharfe Kritik.
Von Theodor Döbler|23.06.23 - aktualisiert:
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Vor dem Strafjustizzentrum haben rund 60 Klimaaktivisten gegen einen Strafbefehl demonstriert, der gegen zwei Mitstreiter verhängt worden war.Foto: Peter Fastl
Rund 60 Klimaaktivistinnen und -aktivisten haben am Freitag vor dem Strafjustizzentrum in Augsburg demonstriert. Anlass war ein Haftbefehl gegen zwei Aktivisten, die nicht zu einem Gerichtstermin erschienen waren. Die 21-jährige Charlie Kiehne und der 20-jährige Samuel Bosch hatten im vergangenen Oktober gegen eine Abholzaktion für die Erweiterung der Lech-Stahlwerke in Meitingen (Kreis Augsburg) protestiert. Eine Aktion am Gebäude der Regierung von Schwaben sorgte für Aufsehen und eine Anklage wegen übler Nachrede und Hausfriedensbruch.
Die Sache sollte am vergangenen Dienstag verhandelt werden. Die Angeklagten erschienen jedoch nicht zum Gerichtstermin, da ihr Verteidiger wegen eines anderen Prozesses verhindert war. Die zuständige Jugendrichterin erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen bundesweiten Haftbefehl – die härtestmögliche Maßnahme in einem solchen Fall.
So protestierte das Klimcamp 2022 in Augsburg gegen Meitinger Lohwaldabholzung
Klimacamper protestierten im Herbst 2022 gegen die Abholzung des Meitinger Lohwalds am Stahlwerk Meitingen. Am Gebäude der Regierung von Schwaben in Augsburg seilte sich eine Demonstrantin ab.
Augsburger Klimacamp-Aktivisten kritisieren Haftbefehl gegen Mitstreiter
Die Aktivisten werfen den Beteiligten nun Unverhältnismäßigkeit und politische Färbung vor. Rund 60 Demonstrierende versammelten sich am Freitagnachmittag vor dem Strafjustizzentrum in Göggingen und zogen mit Parolen wie "Klimaschützen ist kein Verbrechen" über die Gögginger Straße in die Innenstadt. Demonstrantin Teresa Lukaschik äußerte sich besorgt: "Ich habe Angst, dass wegen der anstehenden Wahl Klimaaktivisten verstärkt in die Kriminalität gedrängt werden."
Bisher sind die beiden Angeklagten auf freiem Fuß und wollen sich offenbar weiterhin an Protestaktionen beteiligen – auch wenn eine Festnahme drohe, berichtet Ingo Blechschmidt, Mitinitiator der Demonstration. Der Aktivist wurde in derselben Sache bereits zu 140 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt und stand zuletzt aufgrund der Razzia gegen "Die Letzte Generation" in der Öffentlichkeit.