Diese Nachricht sorgte für Gesprächsstoff: Mitte Juli nahm das Augsburger Tierheim eine Zwerghamsterfamilie auf, welche glücklicherweise vor einem grausamen Tod am Lechufer gerettet werden konnte. Es gebe noch keine neuen Anhaltspunkte für die Tat, sagt Sabina Gassner, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins. Sie ist sich sicher, dass die fünfköpfige Hamsterfamilie problemlos ein neues Zuhause finden wird. Noch leben die Hamster im Tierheim. Wie auch viele andere Tiere, die dort abgegeben werden. Die Corona-Pandemie hatte auch Auswirkungen auf das Tierheim, berichtet Sabina Gassner.
Junge Hunde landen kaum im Augsburger Tierheim
Dass die Hamsterfamilie gerettet wurde, freut die Geschäftsführerin des Tierschutzvereins: "Mehr Sorgen bereiten mir die schwierigen oder älteren Hunde, die gebissen haben, noch Training brauchen oder Krankheiten entwickelt haben." Das sei ein Riesenproblem und koste eine Menge Geld. Die "schwierigen Hunde", die oft von ihren Besitzern drangsaliert wurden, würden im Tierheim nicht einfacher werden. Junge Hunde hingegen werden kaum in Augsburg abgegeben, sondern eher weiterverkauft. "Menschen, die sich unbedacht einen jungen Hund anschaffen, sind nicht zwingend die schlausten Leute. Sie sehen dann auch kein Problem darin, die Tiere wieder im Internet zu verscherbeln, um daraus Profit zu schlagen", sagt Sabina Gassner. Das sei natürlich verantwortungslos.
Ansonsten werden alle üblichen Haustiere im Tierheim abgegeben. Darunter seien viele Katzen und Kleintiere aller Art wie Hamster, Vögel, Meerschweinchen oder Kaninchen, bei denen die Vermehrung außer Rand und Band gelaufen ist. "In einem durchschnittlichen Jahr werden etwa 1800 Tiere bei uns abgegeben", äußert sich die Leiterin des Augsburger Tierheims.
So hat sich Corona auf die Situation im Augsburger Tierheim ausgewirkt
Corona nahm Einfluss auf die internen Abläufe. "Wir hatten eine Art Corona-Flaute während der Lockdown-Maßnahmen", meint Sabina Gassner. Die Leute hatten währenddessen mehr Zeit gehabt, sich um ihre Haustiere zu kümmern. Deshalb wurden deutlich weniger Tiere abgegeben. Abgesehen von den schwierigen Hunden wurden vor allem verletzte oder hilfsbedürftige Wildtiere ins Tierheim gebracht, welche beim Spazierengehen gefunden wurden. Es seien aber nicht alle hilflos gewesen. "Manchmal wurden übermütige Jungvögel hergebracht, die einfach noch nicht gelernt haben zu fliegen", erklärt Sabina Gassner.
Das Katzenrevier sei während der Lockdowns so gut wie leer gewesen, jetzt gehe es wieder eng zu. "Die Aufnahmezahlen steigen, es werden wieder so viele Tiere abgegeben wie vor der Pandemie", so die Geschäftsführerin. Wenn keine Covid-Maßnahmen gelten, man wieder verreisen könne und eine gewisse Freizeitgestaltung möglich sei, dann würden wieder mehr Tiere ins Tierheim gebracht. "Das gibt uns zu denken, ob die Tiere nicht einfach aus Überdruss abgegeben werden, obwohl behauptet wird, man hätte sie gefunden", sagt Sabina Gassner.
Beim Verein Attis sind derzeit ebenfalls viele Katzen untergebracht
Auch der gemeinnützige Verein Attis, dessen Hauptaufgabe darin besteht, sich um die Katzen zu kümmern, für die es keine Zuständigkeit gibt, ist überfüllt. "Wir haben noch nie so viele Katzen gehabt wie aktuell. Wir sind randvoll, mehr geht nicht mehr und trotzdem haben wir noch weitere Katzen auf der Liste", sagt Vorstandsvorsitzende Sahra Scheffler. Der Verein sorgt überwiegend für verwilderte Katzen und vermittelt den Nachwuchs, den man noch zähmen kann. Außerdem ist Attis noch für Fundtiere in Teilen von Aichach und in Dasing zuständig.
"Wir haben im Moment doppelt so viele Katzen wie letztes Jahr um die gleiche Zeit", äußert sich Scheffler. Sie denkt, es liege daran, dass in den letzten zwei Jahren nicht so viel kastriert wurde. Der Verein kastriert selbst eine Vielzahl an Katzen, aber es reiche schon, wenn nur wenige nicht kastriert seien, damit die Population wieder steige. Außerdem kastrieren viele Privatpersonen ihre Kater nicht und lassen sie frei herumlaufen. Dadurch bekommen Streunerkatzen auf der Straße Nachwuchs. "Dieser muss oft gesund gepflegt und gezähmt werden, was mit enormen Kosten einhergeht", schildert die Vorstandvorsitzende.