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Augsburg: Neun Orte, an denen die Zeit stillzustehen scheint

Die Zeit steht bekanntlich nicht still. Und doch - an manchen Stellen in Augsburg scheint die Vergangenheit zum Greifen nah.
Foto: Wolfgang Diekamp/ Wolfgang Diekamp/ Fred Schöllhorn
Stadtgeschichte

Neun Orte in Augsburg, an denen die Zeit stillzustehen scheint

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    Eigentlich ist immer etwas los in Augsburg. Tagsüber wuseln tausende Menschen geschäftig durch die Stadt, nachts rücken die Nachtschwärmer aus zum Feiern. Und doch es gibt sie noch: Orte, an denen die Zeit etwas langsamer zu ticken scheint. Die an Tage erinnern, als noch Kutschen über den Rathausplatz rollten und alles ein bisschen ruhiger zuging. Unsere Redaktion hat einige von ihnen besucht.

    1. Andächtig innehalten in der Goldschmiedekapelle St. Anna

    Direkt in der Fußgängerzone und nicht weit vom Königsplatz entfernt ruht die Kirche Sankt Anna. Der Eingang leicht versteckt, bietet die alte Kirche einen Ruhepol für Menschen, die dem hektischen Treiben einen Moment entkommen möchten. Über den Annahof gelangt man in die Annakirche. Aus ihrem Kirchenschiff geht die Goldschmiedekapelle ab. Anders, als ihr Name vermuten lässt, ist die einstige Zunftkapelle der Goldschmiede schlicht gehalten. Das wenige Licht schafft eine sanfte Dämmerstimmung. Wer danach wieder ans Tageslicht tritt, hat das Gefühl, in einer anderen Welt gelandet zu sei. 

    Blick in die Vergangenheit: Der Goldschmied über dem Brunnen auf dem Martin-Luther-Platz in Augsburg wacht schon seit 1912 über den Martin-Luther-Platz. 1971 wandelte dieser sich vom Parkplatz in eine Fußgängerzone. Während die Umgebung der Annakirche stetigem Wandel unterworfen war, erstrahlt die Goldschmiedekapelle jedoch noch heute in altem Glanz.
    Blick in die Vergangenheit: Der Goldschmied über dem Brunnen auf dem Martin-Luther-Platz in Augsburg wacht schon seit 1912 über den Martin-Luther-Platz. 1971 wandelte dieser sich vom Parkplatz in eine Fußgängerzone. Während die Umgebung der Annakirche stetigem Wandel unterworfen war, erstrahlt die Goldschmiedekapelle jedoch noch heute in altem Glanz. Foto: Foto links: Sammlung Häußler/Foto rechts: Silvio Wyszengrad

    Öffnungszeiten: Montag 12 bis 17 Uhr, Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr, an den Feiertagen möglicherweise abweichend. Sonntags sind um 10 und um 11.30 Uhr Gottesdienste, auch von 14 bis 16 Uhr ist die Kirche für Gottesdienstbesuche geöffnet. Es gibt auch kostenlose Führungen.

    2. Schwimmen wie vor 100 Jahren im Alten Stadtbad

    Elegant geschwungene goldene Duschen, bunte Glasfenster, verzierte Geländer und eine hohe gewölbte Decke: Das alte Stadtbad in Augsburg nahe der Innenstadt ist im Jugendstil gehalten und besitzt einen unverkennbaren Charme. Schon zu seiner Eröffnung Anfang des 20. Jahrhunderts war es eine "Sehenswürdigkeit ersten Ranges" und gilt heute als zweitältestes Hallenbad in Bayern. Ein wenig Glück gehört dazu, dass es nicht zu voll im Becken ist. Dann können, umgeben vom meditativen Wasserrauschen, in Ruhe Bahnen gezogen und in Gedanken abgetaucht werden. 

    Blick in die Vergangenheit: Das Alte Stadtbad hat einige Renovierungsarbeiten hinter sich. Heute kommt es ein wenig moderner, aber im Großen und Ganzen noch wie früher daher.
    Blick in die Vergangenheit: Das Alte Stadtbad hat einige Renovierungsarbeiten hinter sich. Heute kommt es ein wenig moderner, aber im Großen und Ganzen noch wie früher daher. Foto: Linkes Bild: Fred Schöllhorn/ Rechtes Bild: Silvio Wyszengrad

    Leonhardsberg 15, 86150 Augsburg. Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 8 bis 19 Uhr, Mittwoch bis Freitag 8 bis 21 Uhr, am Wochenende und feiertags 10 bis 18 Uhr.

    3. Ein Hauch von Ewigkeit im Augsburger Dom

    Prominent prägt der Augsburger Dom seit je her das Augsburger Stadtbild. Viele Touristen kommen hier her, doch aller Lärm geht unter in dem riesigen Kirchenschiff, in dem selbst Kirchenferne unwillkürlich beginnen, zu flüstern. Hinten geht es zur Krypta unter dem Westchor. Dort ist es selbst am heißesten Sommertag kühl, schummrig und ruhig. Angenehmer ist es im Innenhof des Doms – wenn er begehbar ist, denn aktuell befindet er sich im Umbau. Hier summen Bienen und umgeben vom Kreuzgang des Doms fühlt man sich wie in einem geheimen Garten - ein friedlicher Platz inmitten der alten Gemäuer.

    Blick in die Vergangenheit: Das linke Bild zeigt die Neugestaltung des Domvorplatzes mit Pflastersteinen. Rechts sieht man den Dom von oben - inklusive eines Blicks auf den vom Kreuzgang umgebenen Innenhof.
    Blick in die Vergangenheit: Das linke Bild zeigt die Neugestaltung des Domvorplatzes mit Pflastersteinen. Rechts sieht man den Dom von oben - inklusive eines Blicks auf den vom Kreuzgang umgebenen Innenhof. Foto: linkes Bild: Fred Schöllhorn/ Rechtes Bild: Ulrich Wagner

    Frauentorstraße 1, 86152 Augsburg. Öffnungszeiten: ganzjährig von 7 bis 18 Uhr.

    4. Italienische Renaissance erleben im Damenhof

    Über den Zofenhof in der Maximilianstraße gelangt man zum Damenhof. Der schmucke Innenhof ist im Stil der italienischen Renaissance gebaut. Mit seinen eleganten Arkadeneingängen, den bemalten Bögen und dem Wasserbassin in der Mitte gilt der Damenhof als einer der schönsten Innenhöfe Deutschlands. Erworben wurden die Häuser neben dem heutigen Hotel Maximilian's im 16. Jahrhundert von Jakob Fugger, der diese in eine Residenz für seine Familie umbauen ließ. Noch immer gehört die Anlage mitsamt des Damenhofs der Fuggerfamilie. Heute befindet sich eine Weinbar darin. 

    Blick in die Vergangenheit: Eine Postkarte aus dem Jahr 1930 zeigt den Damenhof in seiner ursprünglichen Form. Heute hat ein Schwimmbecken in der Mitte Platz gefunden, und der Innenhof erfreut sich als Ort des geselligen Beisammenseins großer Beliebtheit.
    Blick in die Vergangenheit: Eine Postkarte aus dem Jahr 1930 zeigt den Damenhof in seiner ursprünglichen Form. Heute hat ein Schwimmbecken in der Mitte Platz gefunden, und der Innenhof erfreut sich als Ort des geselligen Beisammenseins großer Beliebtheit. Foto: linkes Bild: Postkarte von 1930/ Rechtes Bild: Michael Hörmann

    Maximilianstraße 36, 86150 Augsburg. Öffnungszeiten (von April bis Oktober): Montags bis mittwochs 17 bis 0 Uhr, Donnerstag bis Samstag 17 bis 1 Uhr, sonntags 17 bis 23 Uhr.

    5. Sonnenpause machen und schmökern im Hofgarten

    Nicht weit vom Dom befindet sich der Augsburger Hofgarten. Er wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegt und ist Teil der ehemaligen Fürstbischöflichen Residenz. Wer den Garten über die runden Steinstufen durch das schmiedeeiserne Tor betritt, wird empfangen von einer idyllischen Gartenanlage mit Brunnen und Seerosenteich, die aufwändig gepflegt wird und rundherum durch Hecken geschützt ist. Ein offener Bücherschrank bietet Lektüre und es gibt einige Sitzgelegenheiten. Wer gerne einige Menschen um sich hat, ohne großartig gestört zu werden, ist hier richtig. 

    Blick in die Vergangenheit: Das Bild zeigt Hofgärtner Egon Altmann, der zu diesem Zeitpunkt im Jahr 1993 schon seit 22 Jahren für den Garten sorgte. Noch heute erfreuen die Menschen sich an dem schönen Garten.
    Blick in die Vergangenheit: Das Bild zeigt Hofgärtner Egon Altmann, der zu diesem Zeitpunkt im Jahr 1993 schon seit 22 Jahren für den Garten sorgte. Noch heute erfreuen die Menschen sich an dem schönen Garten. Foto: linkes Bild: Wolfgang Diekamp, rechtes Bild: Silvio Wyszengrad

    Fronhof 8, 86152 Augsburg. Öffnungszeiten: Von April bis Oktober tagsüber von 8 bis 21 Uhr.

    6. Kaffeehausatmosphäre im Café Dichtl

    Bereits seit 1936 ist die Augsburger Familie Dichtl im Bäckerei- und Konditoreigeschäft aktiv: zuerst in der Rosenaustraße in Augsburg, später auch in der Maximilianstraße. Kronleuchter, elegante Holzmöbel mit rotem Polster und ein spiegelglatter Parkettboden sorgen für eine stilvolle Atmosphäre. Hier kann man gepflegt einen Kaffee trinken, eine Torte genießen oder eine Schokoladenkreation probieren. 

    Blick in die Vergangenheit: Das linke Bild zeigt Brot-Verkaufskarren auf dem Brotmarkt zwischen Moritzplatz und Rathaus. Kein Brot, aber viele leckere süße Kreationen gibt es noch heute im Café Dichtl am beinah gleichen Ort zu kaufen.
    Blick in die Vergangenheit: Das linke Bild zeigt Brot-Verkaufskarren auf dem Brotmarkt zwischen Moritzplatz und Rathaus. Kein Brot, aber viele leckere süße Kreationen gibt es noch heute im Café Dichtl am beinah gleichen Ort zu kaufen. Foto: Linkes Bild: Sammlung Häußler/ Rechtes Bild: Anna Mohl

    Maxstraße 18, 86150 Augsburg. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 9 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertage 9.30 bis 18 Uhr.

    7. Zeit haben im Antiquariat Hartmut R. Schreyer

    Weiter hinten in der Maximilianstraße befindet sich in einem Hinterhof das Antiquariat von Hartmut Schreyer. Viele Bücher reihen sich in den Regalen aneinander, der Raum besitzt durch die hohen Decken Weite. Neben den Büchern gibt es auch anderes zu entdecken - alte Landkarten etwa, oder gerahmte Bilder. Inhaber Hartmut Schreyer begibt sich bei Wünschen gerne auf die Suche, die auch mal etwas länger dauern kann. Warum auch nicht – Zeit ist an diesem Ort kein Luxusgut. 

    Blick in die Vergangenheit: Das Bild zeigt eine Momentaufnahme vom Kornmarkt auf dem Ulrichsplatz im Jahr 1819. In Hartmut Schreyers Antiquitätenladen ist die Vergangenheit noch lebendig.
    Blick in die Vergangenheit: Das Bild zeigt eine Momentaufnahme vom Kornmarkt auf dem Ulrichsplatz im Jahr 1819. In Hartmut Schreyers Antiquitätenladen ist die Vergangenheit noch lebendig. Foto: Linkes Bild: Sammlung Häußler/ Rechtes Bild: Ulrich Wagner

    Maximilianstraße 65, 86150 Augsburg,. Öffnungszeiten: Dienstags bis freitags von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr.

    8. Friedliche Stille auf dem protestantischen Friedhof Augsburg

    Schon 1534 wurde der Protestantische Friedhof in Augsburg-Haunstetten von der Stadt Augsburg angelegt. Er ist der älteste Friedhof Augsburgs, auf dem Bestattungen durchgeführt werden. In den über 9000 Grabstellen sind einige bekannte Persönlichkeiten bestattet worden: Stadtbaumeister Elias Holl etwa, MAN-Gründer Carl Buz oder auch Bertolt Brecht Eltern. Der Friedhof soll nicht nur als Ort der Ruhe, sondern auch als Raum für Erholung und sozialer Begegnung dienen. Wer sich eine Weile auf eine der Bänke setzt, wird merken: Hier ist viel Leben zu finden. Mit zahlreichen verschiedenen Pflanzen ist der Friedhof insektenfreundlich angelegt und erfreut sich großer Artenvielfalt und Biodiversität.

    Blick in die Vergangenheit: Diese Leichenkalesche wurde in Augsburg wieder eingesetzt, um ein alte Tradition in Erinnerung zu rufen. Der Friedhof ist heute noch ein Ort für Erinnerung und Stille.
    Blick in die Vergangenheit: Diese Leichenkalesche wurde in Augsburg wieder eingesetzt, um ein alte Tradition in Erinnerung zu rufen. Der Friedhof ist heute noch ein Ort für Erinnerung und Stille. Foto: linkes Bild: Fred Schöllhorn /Rechtes Bild: Michael Eichhammer

    Haunstetter Straße 36, 86161 Augsburg. Öffnungszeiten: von März bis April 7 bis 18 Uhr, Mai bis September 07 bis 19 Uhr, Oktober 8 bis 18 Uhr, November bis Februar 8 bis 17 Uhr.

    9. Am Ende der Welt an der Wolfzahnau

    Wer sich danach sehnt, der Zivilisation für eine Weile zu entfliehen, kann sich zur Wolfzahnau aufmachen. Der Weg führt entlang des Proviantbachs, der herrlich grün-türkis hier entlangfließt. An seinem Ende befindet sich das Wasserkraftwerk, ein eindrucksvolles Gebäude, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Stromerzeugung für die Baumwollspinnerei gebaut wurde und heute UNESCO-Weltkulturerbe ist.

    Rechts führt ein schmaler Pfad zu der Stelle, an welcher Lech, Auslaufkanal und Wertach zusammenfließen. Verhältnismäßig wenige verirren sich im Sommer in diese Ecke, um zu baden oder die Ruhe zu genießen. Doch Obacht: Die Wolfzahnau ist ein Landschaftsschutzgebiet und hier gelten verschiedene Regelungen, die etwa beim Baden und Betreten beachtet werden sollten. 

    Blick in die Vergangenheit: Ein „Wintermärchen in der Wolfzahnau“ betitelte Anne Wall ihr 1998 geschossenes Bild. Seitdem hat sich optisch hier nur wenig verändert. Spannender ist der Blick ins Innere: Das Bild stammt vom vergangenen Sommer und zeigt das Innenleben des Unesco-Weltkulturerbes.
    Blick in die Vergangenheit: Ein „Wintermärchen in der Wolfzahnau“ betitelte Anne Wall ihr 1998 geschossenes Bild. Seitdem hat sich optisch hier nur wenig verändert. Spannender ist der Blick ins Innere: Das Bild stammt vom vergangenen Sommer und zeigt das Innenleben des Unesco-Weltkulturerbes. Foto: linkes Bild: Anne Wall, rechtes Bild: Silvio Wyszengrad

    Auslaufkanal, Augsburg. Das Kraftwerk ist nicht öffentlich zugänglich.

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