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Augsburgs einziges äthiopisches Restaurant: Kassahun Denbi über die Geschichte des „Scheger“

Augsburg

Wenn aus Frust Ideen werden: Wie ein Äthiopier plötzlich Gastronom wurde

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    Kassahun Denbi serviert in seinem Restaurant Scheger äthiopische Gerichte – oft präsentiert in einem Mesob-Korb.
    Kassahun Denbi serviert in seinem Restaurant Scheger äthiopische Gerichte – oft präsentiert in einem Mesob-Korb. Foto: Annette Zoepf

    Weil er von der mangelnden Authentizität anderer äthiopischer Restaurants genervt war, beschloss Kassahun Denbi, sein eigenes zu eröffnen. Bis heute ist das „Scheger“ das einzige äthiopische Restaurant Augsburgs.

    Als Denbi vor fast 30 Jahren aus Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba, in der Sprache Oromo auch „Scheger“ genannt, nach Deutschland kam, war es zunächst nicht sein Plan, ein Restaurant zu eröffnen. Der Wirt lebte und arbeitete die ersten 20 Jahre in Neuburg an der Donau – nicht als Koch, sondern als Logistiker. In dieser Zeit habe er viele äthiopische Restaurants getestet. Ob in München, Frankfurt oder Berlin: Viele davon seien „okay“ gewesen, doch so richtig überzeugen konnte ihn keines. „Ich dachte immer, ich koche zuhause viel besser“, sagt Denbi. Dass sich die Restaurants als authentisch äthiopisch ausgegeben hätten, der Küche aber nicht gerecht geworden seien, habe ihn so sehr genervt, dass er sich entschied, sein eigenes Lokal zu eröffnen.

    Kassahun Denbi betreibt Augsburgs einziges äthiopisches Restaurant

    Eine wichtige Zutat der äthiopischen Küche – zum Beispiel des fermentierten Fladenbrotes Injera – ist das glutenfreie Teff-Mehl, erklärt Denbi. In vielen Restaurants werde es mit anderen Mehlsorten gemischt, um Geld und Zeit zu sparen. So etwas gebe es im Scheger nicht. „Ich investiere lieber mehr Geld und mehr Zeit, passe die Preise an und biete dafür authentische äthiopische Küche“, so Denbi. Das Kochen habe er zum größten Teil bei seiner Mutter gelernt. „Schon als kleines Kind habe ich in ihrer Küche auf einem Hocker gestanden und sie beim Kochen beobachtet“, erinnert er sich. Viele der Gerichte, die heute im Scheger serviert werden, gingen auch auf ihre Rezepte zurück.

    „Nur mit der Schärfe müssen wir immer ein bisschen aufpassen“, schmunzelt der Koch. Da die äthiopische Küche traditionell sehr scharf und aromatisch ist, passt er den Schärfegrad seiner Gerichte nach den Wünschen der Gäste an. „Trotzdem schwitzt man bei uns nicht von der Schärfe. Man soll ja auch noch was vom Essen schmecken und nicht nur scharf“, beschwichtigt er. Es sei denn natürlich, man wünsche es so. Das Scheger bietet Hauptgerichte mit Fleisch, aber auch vegetarische und vegane Teller sowie glutenfreie Optionen an.

    Wegen der Lage des Lokals muss der Gastronom um Gäste kämpfen

    Als Gastronom hat Denbi es nicht immer einfach gehabt. Eigentlich hätte er sein Restaurant gerne in München eröffnet, das sei aber zu teuer gewesen. Kurz nachdem er 2020 das heutige Lokal in Oberhausen angemietet hatte, kam der zweite Corona-Lockdown und riss der Gastronomie den Boden unter den Füßen weg. So zu starten, sei sehr schwierig gewesen, berichtet der Wirt.

    Leider, so sagt er, sei ein großes Problem noch immer die Lage des Restaurants an der Donauwörther Straße. „Wir haben eine 4,9-Sterne-Bewertung auf Google und trotzdem kommen oft nicht genug Leute her.“ Er berichtet von einer heutigen Stammgästin, die eines Tages um Punkt 17 Uhr vor der Tür stand. „Sie kam so früh, weil sie sich nicht getraut hat, als Frau abends allein durch Oberhausen zu laufen“, erklärt Denbi. Warum Oberhausen so einen schlechten Ruf hat, verstehe er nicht. Dennoch wirke sich das enorm auf sein Geschäft aus.

    Denbi übernimmt die meiste Arbeit in seinem Restaurant mit 60 Plätzen selbst. Er erledigt die Einkäufe, kocht und putzt sogar drei Mal in der Woche. Trotz der Unterstützung von drei Aushilfen arbeite er viel. Als Logistiker hätte er mit weniger Aufwand mehr verdient, erzählt er offen. Doch das nimmt er in Kauf: Schließlich sei das Kochen nun mal seine große Leidenschaft.

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