Die Grippe geht um in Augsburg. Die Influenza-Fälle haben zuletzt deutlich zugenommen – zu einem frühen Zeitpunkt, wie Experten einhellig betonen. Aktuelle Daten aus dem Abwasser-Monitoring bestätigen die Einschätzungen. Zum Stichtag 17. Dezember wurde die Virusaktivität beim Influenzavirus des Typs A im Abwasser der Stadt Augsburg mit „hoch“ eingestuft, knapp unterhalb der höchsten Kategorie „sehr hoch“. Diese dürfte mittlerweile erreicht worden sein. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag der Wert zum selben Zeitpunkt im moderaten Bereich. Experten wenden sich nun mit einem Rat an Risikogruppen.
RSV beschäftigt Augsburger Kinderkliniken im Winter
In der KJF Klinik Josefinum werden Säuglinge, Kinder und Jugendliche behandelt. Unter der jungen Bevölkerungsgruppe griffen die Grippe-Erkrankungen zuletzt um sich. „Es werden aktuell drei bis vier Kinder mit Influenza A behandelt, ähnlich liegt die Zahl bei RSV“, erklärte Christoph Schick, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Mitte vergangener Woche auf Anfrage. „Beides hat innerhalb der letzten zwei bis drei Wochen deutlich zugenommen.“
In der Zwischenzeit dürften sich die Zahlen aufgrund der Dynamik nochmals erhöht haben. Laut Schick müssen die meisten Kinder aufgrund von langanhaltendem Fieber oder nicht ausreichendem Trinkverhalten zur Flüssigkeitsinfusion aufgenommen werden. Schwere intensivpflichtige Verläufe habe es in dieser Saison aber noch nicht gegeben.
Uniklinik (UKA): Anstieg an Influenza-Infektionen seit Anfang Dezember
Im vergangenen Jahr sei die Influenza später und geringer gekommen, ergänzt Schick. Gleichzeitig betont der Mediziner, dass der aktuelle Verlauf eher dem typischen Verlauf einer Grippe-Saison vor der Corona-Pandemie entspreche – mit einem Anstieg der Infektionen vor Weihnachten, einer gewissen Beruhigung über die Feiertage und anschließend einem erneuten Anstieg mit „Höhepunkt“ im Februar.
Ähnlich gestaltet sich die Situation derzeit am Universitätsklinikum Augsburg (UKA). Laut Selin Temizel, Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin, lässt sich aus den statistischen Erfassungen am UKA ablesen, dass es bei den Infektionen mit Influenza, aber auch mit dem Coronavirus, seit der ersten Dezemberwoche einen Anstieg gegeben hat. Aktuell könne man aber nicht von einer „Welle“ sprechen, so Temizel. Verglichen mit dem Vorjahr sehe man leicht mehr Influenza-Nachweise, meist sei der Anstieg erst mit dem Jahreswechsel gestartet. Im Direktvergleich mit 2023/24 seien es aber deutlich weniger, sagt Temizel.
Grippe-Impfquote bei Menschen über 60 Jahren so niedrig wie lange nicht
Die meisten, die von den Atemwegserkrankungen Influenza oder RSV betroffen sind, haben keinen derartig schwerwiegenden Verlauf, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Sie behelfen sich mit Medikamenten aus der Apotheke. Nach Auskunft von Bernhard Koczian, Inhaber der Apotheke im Pfersee-Park, ist die Nachfrage nach Präparaten, die die Symptome einer Grippe-Erkrankung bekämpfen, zuletzt gestiegen. Fiebersenkende Mittel wie Paracetamol, aber auch von Ärzten verschriebene Antibiotika würden nachgefragt. Aus Sicht von Koczian stiegen die Infektionen früher an als üblich. Ob es zu einer Grippewelle kommen könnte, sei jedoch zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu prognostizieren.
Ob die frühzeitige Zunahme an Grippefällen in Augsburg damit zusammenhängt, dass sich das Influenzavirus verändert hat, ist indes unklar. Der sogenannte „Subtyp“ H3N2 befindet sich auf dem Vormarsch und hat zuletzt unter anderem in Großbritannien und Japan zu einem deutlichen Anstieg von Infektionen geführt. Zudem trifft die Grippe auf eine nach der Corona-Pandemie zunehmend impfmüde Gesellschaft. Die bundesweite Impfquote bei Menschen über 60 Jahren liegt aktuell auf dem niedrigsten Niveau seit mindestens 17 Jahren. Nur 34 Prozent sind in dieser Altersgruppe gegen schwere Grippeverläufe geimpft.
Apotheken spüren mehr Nachfrage nach Medikamenten
Mediziner raten deshalb Risikogruppen – Menschen über 60 Jahren, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Schwangeren, Säuglingen/Kleinkindern sowie Rauchern oder stark Übergewichtigen – eindringlich, sich impfen zu lassen. Dringend notwendig ist eine rechtzeitige Anmeldung beim Hausarzt, da es zuletzt wieder Engpässe beim Grippe-Impfstoff gegeben habe, so Apotheker Bernhard Koczian. Auch die Hausärzte hätten zu wenig Präparate vorbestellt.
Darüber hinaus empfiehlt Selin Temizel vom UKA vor allem Menschen mit vulnerablen Personengruppen im direkten Umfeld, vorsichtig zu sein. „Eigenschutz gelingt am besten durch das Vermeiden großer Menschenmassen“, so Temizel. Auch das Tragen einer Maske könne helfen, beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr zu Hauptverkehrszeiten.
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