Illegale Camper? Das steckt hinter den vielen Wohnwagen am Augsburger Messezentrum
Augsburg
Illegale Camper? Das steckt hinter den vielen Wohnwagen am Augsburger Messezentrum
Auf einer freien Fläche im Univiertel nahe der Augsburger Messe stehen regelmäßig dutzende Wohnwagen. Wer dort lebt und was die Stadt zu der Nutzung sagt.
Auf einem Parkplatz nahe der Augsburger Messe stehen regelmäßig viele Wohnwagen, darin leben hauptsächlich Familien. Die Polizei kontrolliert immer wieder.Foto: Annette Zoepf
Zwei Kinder spielen auf dem großen Kiesplatz, um sie herum stehen etwa 30 Wohnwägen. Eine Polizeistreife fährt über den Platz, die Beamten scheinen sich die Kennzeichen zu notieren, welche aus Frankreich, Italien oder Deutschland stammen. Die Menschen, die hier übergangsweise wohnen, sind skeptisch. Ihre Namen möchten sie nicht sagen, Fotografieren ist erst recht nicht erwünscht. Für einige Wochen findet ihr Leben hier statt, auf einem Parkplatz neben dem Messezentrum bzw. der Universität.
Die meisten Familien sind mit ihren Wohnwagen auf der Durchreise
Ein Mann steht vor seinem Wohnwagen, fragt, wieso Fotos gemacht werden. Er ist freundlich, bietet einen Kaffee an, aber Aufmerksamkeit möchte man hier nicht erregen, das ist spürbar. Er kommt aus Frankreich und ist Pastor, erzählt er. Mit seiner Familie ist er auf der Durchreise, ihr Ziel ist Dachau. „Wir bleiben etwa zwei Wochen hier“, sagt er. Einige Meter weiter steht ein Container für Abfälle. Es gebe auch mal unangenehme Situationen, als etwa vor einigen Tagen Autofahrer auf den Platz gefahren seien und gedriftet hätten.
Überwiegend Familien aus Frankreich leben in den Wohnwagen nahe der Augsburger Messe.Foto: Annette Zoepf
Auf der anderen Seite des Platzes lackiert ein Mann Fensterläden. Auch er kommt aus Frankreich, ist auf Durchreise nach Berlin. Mit seiner Familie bleibt er etwa einen Monat auf dem Platz nahe der Messe. „Ich nehme jede Arbeit an, die ich kriegen kann“, sagt er. Man komme gut zurecht. Wasser und Sanitäranlagen haben er und seine Familie im Wohnwagen. Auch einen Stromerzeuger hat er dabei, mit dem er seine Lackiermaschine betreibt. Wenn etwas ausgeht, tanken sie am Wohnmobilplatz nach. Die meisten Familien hier kämen laut ihm aus Frankreich. Die Kinder werden von den Eltern in zwei Wohnwagen unterrichtet: Einer für die Mädchen, einer für die Jungen, so erzählt es der Pastor.
Stadt Augsburg duldet die Nutzung, solange es keine Beeinträchtigungen gibt
Der Stadt Augsburg ist die Nutzung der Fläche am Messezentrum bekannt. Ein Sprecher des Tiefbauamtes teilt auf Anfrage mit: „Bei der betreffenden Fläche handelt es sich um keine öffentlich gewidmete Verkehrsfläche, sondern eine private Fläche in Eigentum des Mobilitäts- und Tiefbauamtes der Stadt Augsburg. Einzelne Aufenthalte von Reisegruppen wurden bereits in der Vergangenheit zeitlich begrenzt geduldet, solange keine Beeinträchtigungen der Fläche oder des laufenden Betriebs vorlagen.“ Da derzeit keine Beeinträchtigung vorliege, bestehe aus städtischer Sicht kein Handlungsbedarf. Illegales Campieren spiele im Augsburger Stadtgebiet grundsätzlich keine nennenswerte Rolle.
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