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Kriminalität von Kindern und Jugendlichen bereitet weiter Sorgen

Kriminalität in Augsburg

Nach Hammer-Attacke von Pfersee: Jugendkriminalität in Augsburg bereitet Sorgen

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    Dass die Polizei wegen Kindern und von ihnen verübten Straftaten ausrückt, kommt  in Augsburg zuweilen vor. Hier ein Einsatz aus dem September 2023 am Familienbad. Damals hatte ein 13-Jähriger eine Axt mit ins Freibad genommen.
    Dass die Polizei wegen Kindern und von ihnen verübten Straftaten ausrückt, kommt in Augsburg zuweilen vor. Hier ein Einsatz aus dem September 2023 am Familienbad. Damals hatte ein 13-Jähriger eine Axt mit ins Freibad genommen. Foto: Annette Zoepf (Archiv)

    Der Jugendliche soll einen Brand im Oberhauser Bahnhof gelegt haben. Es war ein Tag Anfang Dezember, als Passanten kurz vor Mitternacht bemerkten, dass Rauch und Feuer aus dem Keller des Gebäudes drangen. Die Feuerwehr löschte den Brand, es wurde niemand verletzt. Ein schlimmerer Schaden entstand nicht, man könnte den Vorfall schnell vergessen, gäbe es nicht eine Besonderheit: das enorm junge Alter des Verdächtigen. 14 Jahre alt ist der Augsburger gerade einmal, den die Kriminalpolizei inzwischen als Beschuldigten ausgemacht hat. Eine weitere aufsehenerregende Straftat in Augsburg soll ebenfalls von einem anderen, gleichaltrigen Jugendlichen begangen worden sein. Insgesamt, so sagt es die Polizei, nahm die Kriminalität, die von Kindern und Jugendlichen in der Stadt verübt wurde, aber zuletzt ab.

    Verfolgt man nur die Meldungen der Polizei in den vergangenen Wochen, könnte man freilich einen anderen Eindruck gewinnen. Neben dem mutmaßlichen Brandstifter, der gerade erst ein Alter erreicht hat, in dem er für seine mögliche Straftat juristisch belangt werden kann, wurde offenbar auch eine massive Gewalttat in Pfersee von einem zur Tatzeit 14-Jährigen verübt. Er soll, wie mehrfach berichtet, im Schlösslepark in Pfersee einem anderen Jugendlichen mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen und sein Opfer schwer verletzt haben. Der Beschuldigte, inzwischen 15 Jahre alt, sitzt deswegen sogar in Untersuchungshaft und wartet im Gefängnis auf seinen Prozess.

    Zahl der Straftaten in Augsburg, die von Kindern und Jugendlichen verübt werden, sinkt

    Zwei gravierende Delikte innerhalb eines kurzen Zeitraums, beide womöglich begangen von Teenagern – ein Indiz für eine gesunkene Hemmschwelle von Kindern und Jugendlichen in Augsburg sind die Beispiele wohl dennoch nicht. Einer, der sich auskennt mit Jugendlichen, die in Augsburg in kriminelle Aktivitäten verstrickt sind, ist Erwin Schletterer, Leiter des Vereins „Die Brücke“, der mit jungen Straffälligen arbeitet. Der Verein bietet unter anderem Anti-Gewalt-Trainings an, die Teilnehmer werden von den Gerichten vermittelt, aber auch von Schulen.

    Es habe Zeiten gegeben, sagt Schletterer, da habe man mehrere solcher Kurse pro Woche abgehalten, das sei derzeit aber nicht so. Ihn sorge, in welchem Ausmaß noch strafunmündige Kinder teils kriminell würden, aber einen gravierenden Anstieg bei Gewalttaten von Jugendlichen könne er derzeit nicht erkennen. Wenn Delikte wie die Brandstiftung oder die Hammerattacke in verhältnismäßig kurzem Abstand zueinander verübt würden, könne dies den Eindruck erwecken, dass es öfter solche mutmaßlichen Straftaten von Jugendlichen gäbe – das sei ja aber nicht der Fall.

    Hammerattacke in Pfersee und die Brandstiftung in Oberhausen sind Ausnahmefälle

    Schletterers Einschätzungen werden auch von den Zahlen der Polizei gedeckt. 2024, heißt es von der Polizei, sei bei Kinder- und Jugendelikte eine „sinkende Tendenz erkennbar“ gewesen. Allerdings lohnt es sich, die Daten differenziert zu analysieren. Im Jahr 2023, sagt Johanna Kruger vom Polizeipräsidium, seien im Stadtbereich insgesamt 641 Straftaten erfasst worden, die von Kindern bis 13 Jahren verübt wurden. Das ist ein enorm hoher Wert, betrachtet man die jüngere Vergangenheit. 2022 etwa waren in Augsburg 577 Straftaten von Kindern verübt worden, was damals schon eine Steigerung von fast 55 Prozent gegenüber 2021 bedeutet hatte; in dem Jahr waren es 373 solcher Delikte gewesen.

    Nun ist 2021 aus vielerlei Gründen kein besonders repräsentatives Jahr, stand doch das öffentliche Leben aufgrund der Einschränkungen während der Corona-Pandemie monatelang still. Doch auch gegenüber 2019 ist ein erheblicher Anstieg erkennbar. Damals hatten die Polizisten in Augsburg 417 Straftaten von Kindern notiert. Wenn die Zahlen für 2024 sinken sollten, wäre dies eine Trendumkehr, aber wohl immer noch auf recht hohem Niveau. Genaue Daten für das vergangene Jahr gibt die Polizei mit der Veröffentlichung der Kriminalstatistik im Frühjahr heraus. Auch bei der Kriminalität von Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren gab es in der vergangenen Zeit einen Anstieg, von 1431 dieser Delikte in 2022 zu 1543 Straftaten in 2023. Im vergangenen Jahr ging die Zahl aber offenbar wieder etwas zurück. Hammerattacken oder Brandstiftungen sind in Augsburg ohnehin die Ausnahme: Bei der Mehrheit der Straftaten handelt es sich um Diebstähle oder sogenannte Rohheitsdelikte wie einfache Körperverletzungen oder Bedrohungen.

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