Die Nachricht verbreitet sich am Samstag in Windeseile in den sozialen Netzwerken. Fikret Yakaboylu, der beliebte Wirt des Kulturcafés Neruda, ist am Freitag im Alter von 69 Jahren gestorben. Für viele Menschen war er in Augsburg viel mehr als ein Wirt. „Er war ein Friedensbringer und ein Seelentröster“, sagt sein Freund Lothar Roser. Er kümmert sich darum, dass das Neruda nun erst einmal weiter geöffnet ist und ein Ort bleibt, wo sich Freunde und Wegbegleiter von Fikret Yakaboylu treffen können.
Yakaboylu wurde 1956 in Eskisehir in Anatolien geboren. Da er als politischer Kolumnist arbeitete, musste er nach dem Militärputsch 1980 aus seiner Heimat fliehen und kam nach Deutschland. In Freiburg lernte er seine Frau Marita kennen, seit 1988 lebte er als Künstler und Poet in Augsburg. Im Jahr 2010 gründete er zusammen mit Freunden den Kültürverein Augsburg, zu dessen Zielen der Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen gehört. Die Kültürtage sind das größte, wiederkehrende Projekt des Vereins. 2011 eröffnete er das Café Neruda in der Alten Gasse im Domviertel, das nicht nur zu einer Heimat seiner Mitstreiter aus dem Kültürverein wurde.
Die Gesellschaft war für Fikret Yakaboylu wie ein „bunter Baum“
Das Café ist ein Begegnungsort, ein Schmelztiegel für ein urbanes Publikum, das Musik und Kultur eng mit Politik verbindet. Hier gibt es Jamsessions, kulturelle Veranstaltungen, Diskussionen und Spielenachmittage. Solidarität und Nächstenliebe wird in dem Kulturcafé großgeschrieben. Fikret Yakaboylu kam als Einwanderer nach Deutschland und hatte klare Vorstellungen von Integration. Die Gesellschaft sah er, der Geflüchteten engagiert zur Seite stand, als einen „bunten Baum“. Er sei ein „weltoffener Mensch“ gewesen, der auf alle zugegangen sei, beschreibt Lothar Roser seinen Freund. Im Gegenzug kamen auch viele Menschen auf den Wirt und Künstler zu und vertrauten ihm ihre Sorgen an. Fikret Yakaboylu wurde mehrfach ausgezeichnet: Er erhielt unter anderem den Augsburger Pop-Preis Roy, den Zukunftspreis und 2024 auch die Verdienstmedaille der Stadt. „Kulturen und Lebensstile finden dank Yakaboylu in Respekt zueinander, Vorurteile werden aus dem Weg geräumt“, hieß es damals in seiner Laudatio.
Lothar Roser kümmert sich derzeit darum, dass das Café Neruda weiter geöffnet bleiben kann. Am Samstagabend wird dort ein Kondolenzbuch ausgelegt. Fikret Yakaboylu hinterlässt seine Frau, die Töchter Alina und Olivia und eine Enkelin.
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