Augsburg ist eine der glücklichsten Städte Deutschlands – das ist zumindest das Ergebnis des Glücksatlas 2025, in dem Augsburg deutschlandweit auf dem vierten Platz landete. In keiner anderen deutschen Stadt leben laut der repräsentativen Studie weniger unzufriedene Menschen, als hier, nämlich nur 1,8 Prozent der Befragten. Zum Vergleich: In München bezeichnen sich rund 12,5 Prozent als unzufrieden.
Also alles perfekt in Augsburg? Ganz so makellos ist die Realität nicht. Während die Stadt in einigen Punkten überzeugt, sehen Bewohnerinnen und Bewohner in anderen Bereichen klaren Verbesserungsbedarf. Im Vorfeld der Kommunalwahl waren wir mit unserem Projekt „Dein Augsburg. Deine Stimme“ in sieben Stadtteilen unterwegs. Wir wollten wissen, was die Menschen bewegt, was im Viertel gut läuft, wo sie Verbesserungsbedarf sehen. Die vier wichtigsten Thesen dazu.
Grünflächen in Augsburg tragen zur Zufriedenheit bei
Dass angrenzende Grünflächen einen entscheidenden Effekt auf das Wohlbefinden der Menschen haben, ist in Studien längst nachgewiesen. Augsburg gilt als eine der grünsten Städte Deutschlands, was die Stadt maßgeblich dem Stadtwald zu verdanken hat. In unserem Stadtteil-Projekt nannten etliche Augsburger zuvorderst die Nähe zu Naherholungsgebieten, Flüssen und Seen. Selbst in Stadtteilen, in denen ansonsten viel Kritik geübt wurde. Im Herrenbach beispielsweise hob der 22-jährige Julius Alpmann die Nähe zum Siebentischwald hervor. „Im Sommer ist es einfach wunderschön, man kann baden gehen, der Kuhsee ist in der Nähe.“ Im Siebentischwald gehe er abends spazieren, um nach einem anstrengenden Tag herunterzukommen, wie er sagt.
Auch Eva-Maria Müller, die seit 40 Jahren in Bergheim wohnt, geht gerne spazieren. Sie liebt die Westlichen Wälder. „Wir haben viele Möglichkeiten, uns in der Natur zu bewegen und gleichzeitig in einer halben Stunde mit dem Fahrrad am Hauptbahnhof zu sein.“ Aber auch in zentrumsnahen Stadtvierteln schätzen die Augsburger das Grün. Johann Beaudoux aus dem Hochfeld bewertet die Grünflächen im Prinz-Karl-Viertel sehr positiv.
Fehlt wiederum das Grün, sinkt in der Regel auch die Zufriedenheit. Manuel Schlauch und Nathalie Kaun leben im Bismarckviertel, für ihren Spaziergang wechseln sie aber ins Antonsviertel, um den Wittelsbacher Park zu nutzen. Das Bismarckviertel gilt nicht als eines der grünen Viertel in Augsburg. Eklatant ist das fehlende Grün jedoch in der Innenstadt. Wie berichtet, versucht die Stadt dem Problem unter anderem mit einem millionenschweren Förderprogramm zu begegnen. Noch aber dominiert die steinerne Stadt. Auch in Gesprächen mit Anwohnern im Wahlmobil kam das Thema vermehrt auf. So wünscht sich unter anderem die 29-jährige Kelly Mendoza, die im Domviertel lebt, mehr Begrünung für die Innenstadt.
Das soziale Umfeld ist entscheidend
Allen von uns befragten Menschen stellten wir die Frage, was sie in ihrem Stadtteil glücklich macht. Eine häufige Antwort war: Freunde und Familie, die in der Nähe wohnen. Der 37-jährige Philipp Eichner sagt etwa: „Ich bin hier komplett aufgewachsen.“ Dieses Phänomen ist natürlich nicht einzigartig in Augsburg, sondern deckt sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Studie „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ von 2024 etwa zeigt, dass Einsamkeit mit zentralen Aspekten des Wohlbefindens junger Menschen zusammenhängt. Eine andere Studie des Deutschen Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen hat nachgewiesen, dass demente Menschen, die in ihrem gewohnten Umfeld betreut werden und sozial eingebunden sind, bessere Krankheitsverläufe haben. Freunde und Familie wirken sich also in allen Lebensphasen positiv auf das persönliche Wohlergehen aus.
Ein Augsburger hob im Gespräch mit uns das gemeinschaftliche Mehrgenerationenhaus, in dem er lebt, positiv hervor. „Beim ehemaligen Römertor“ leben junge Familien, Senioren und Alleinstehende unter einem Dach und teilen sich eine Dachterrasse, die als Treffpunkt dient. Von solchen alternativen Wohnprojekten gibt es in der Stadt mehrere. Die meisten Menschen in Augsburg leben jedoch alleine, nämlich in knapp 58 Prozent aller Haushalte – deutlich mehr als durchschnittlich in deutschen Großstädten. Das kann die Lebenszufriedenheit auf Dauer negativ beeinflussen und erhöht das Risiko für Einsamkeit und soziale Isolation. Wenn man den im Rahmen des Wahlprojektes befragten Personen glauben mag, scheint das zumindest in Augsburg ein geringfügiges Problem zu sein.
Augsburger kritisieren Müll und Verwahrlosung
Müll und Verwahrlosung stellte sich bei vielen Augsburgerinnen und Augsburgern als wunder Punkt dar. „Beim maroden Parkhaus am Hotelturm geht seit Jahren nichts voran“, kritisiert etwa Eva-Maria Müller. Seit Jahren beharken sich bekanntlich Mehrheitseigentümer Bernhard Spielberger und Minderheitseigentümer Jürgen Wowra zur Zukunft des Standorts. Die Stadt wirkt machtlos. Verwahrlost sei laut Müller zudem die Unterführung, welche unter der Gögginger Straße verläuft. „Für alte Menschen ist das völlig unzugänglich“, so Müller.
Philipp Eichner aus Pfersee macht auf eine aus seiner Sicht starke Vermüllung der Augsburger Straßen aufmerksam. „Vor allem als Fahrradfahrer fällt mir auf, dass immer etwas herumliegt. Tonnen sind überfüllt, Gebüsche sind vermüllt“, sagt er. Mit seinen Beobachtungen ist er nicht alleine. Viele Leserinnen und Leser meldeten sich im Verlauf der vergangenen Monate bei uns, um auf das Müllproblem aufmerksam zu machen. Besonders gravierend: die Vermüllung der Wertstoffstationen. Fast täglich wird dort illegal Müll abgestellt, den der Abfallwirtschaftsbetrieb Augsburg letztlich entsorgen muss. Die Arbeitszeit, die dort hineingesteckt werden muss, fehlt logischerweise an anderen Stellen in der Stadt. Eine Lösung für das Problem gibt es bisher nicht.
Steigende Mieten und Immobilienpreise drücken das Lebensniveau
Die steigenden Mieten sind das größte Problem in Augsburg. Das war das Ergebnis der jüngsten städtischen Bürgerumfrage (wie berichtet). Das Problem ist nicht neu: Beim Heimat-Check, den unsere Zeitung vor wenigen Jahren durchführte, wurden ebenfalls die hohen Immobilien- und Mietpreise als drängendstes Problem genannt. Bei den Kaufpreisen für Immobilien sorgte die Zinswende für einen vorübergehenden Umschwung, die Mietproblematik bleibt.
Auch an unser Wahlmobil traten Menschen heran, die sich wegen mangelnden Wohnraums sorgten. Nun sind in der Regel vor allem junge Menschen und Familien davon betroffen. Manuel Kaun und Nathalie Kaun aus dem besonders beliebten Bismarckviertel wünschen sich von einer künftigen Stadtregierung, dass sie mehr bezahlbaren Wohnraum schafft. Aber nicht nur junge Menschen sind betroffen. Eva Kerig ist 78 Jahre alt und lebt in Pfersee. Sie möchte aus ihrem Haus in eine kleinere Wohnung ziehen. „Es ist wahnsinnig schwer, ich bemühe mich schon die ganze Zeit.“ Aber es müsse ja auch passen für einen älteren Menschen.
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