Wenn ein Elektroauto vorbeifährt, hat man als Fußgänger manchmal gar nicht mitbekommen, dass es sich genähert hatte. Die Tatsache, dass Fahrzeuge mit einem Elektromotor deutlich weniger Lärm machen als Autos mit Verbrennungsmotor, ist zwar für Anwohner eine gute Nachricht, kann für Teilnehmer des Straßenverkehrs allerdings zur Gefahr werden. Vor allem Fußgänger und Radfahrer bemerken E-Autos häufig erst im letzten Moment, oder zu spät. Um das zu ändern, sollen Elektroautos künftig mit künstlichen Fahrgeräuschen unterwegs sein. Eine Forschungsgruppe hat nun entsprechende Warngeräusche getestet.
Forschungsteam geht Frage nach: Wie hört sich ein gutes Warnsignal für Elektroautos an?
Hinter der jüngsten Entwicklung eines passenden Warngeräusches für E-Autos steht die japanische Akustikforscherin Mei Suzuki. Zusammen mit einem Team begann sie Anfang 2025 damit, künstliche Fahrgeräusche zu testen und nach dem „perfekten Brummen“ für E-Autos zu suchen. Ihre Arbeit stellte Suzuki Anfang Dezember 2025 bei einem Kongress der Acoustical Society of America (ASA) in Honolulu auf Hawaii vor.
Suzukis und ihr Forschungsteam spielten Testpersonen unterschiedliche Geräusche in einem Labor und im Straßenverkehr vor. Die Teilnehmenden sollten das Gehörte in Kategorien einordnen. Beispielsweise konnten sie angeben, dass das Geräusch ein „Gefühl der Dringlichkeit“ vermittle oder „leicht zu erkennen“ sei. Anhand des Feedbacks ordneten die Forschenden die Geräusche in eine Rangliste ein, wie Suzuki in einer Mitteilung der ASA erklärte.
Die Erkenntnis: Tiefe Frequenzen schnitten am besten ab. Eine Variante des sogenannten rosa Rauschens soll der Testsieger sein.
Geräusch soll vor E-Autos warnen: Tiefe Frequenzen werden besser gehört
Beim rosa Rauschen handelt es sich laut dem Spiegel um eine spezielle Geräuschform, bei der sich die tieffrequenten Anteile dominant zeigen. Mit steigender Frequenz nimmt die Leistung um rund drei Dezibel pro Oktave ab. Hohe Töne klingen dadurch leiser, tiefe Töne sind präsent. Das Ergebnis ist ein warmes Geräusch, das realen Klängen wie Wind, Regen oder dem Rauschen des Meeres ähnelt.
„Der Grund, warum dieser Klangreiz am höchsten bewertet wurde, waren seine starken Niederfrequenzkomponenten und seine Ähnlichkeit mit dem Fahrgeräusch von Autos“, wurde Suzuki in der ASA-Mitteilung zitiert. Das rosa Rauschen sei wegen ihrer Niederfrequenz-Geräuschverteilung weniger anfällig dafür, von anderen Umgebungsgeräuschen übertönt zu werden. Das Geräusch konnte unter allen getesteten Bedingungen gut gehört werden und eigne sich daher gut, um Unfälle von Elektroautos mit Fußgängern und Radfahrern zu verhindern, stellte Suzuki klar.
Das Team um Suzuki möchte an die Forschungen anknüpfen und auch passende Warnsignale für E-Bikes und E-Scooter suchen. Dieser Bereich ist bislang weitgehend unerforscht. Mit den Ergebnissen möchten die Forschenden „zur Sicherheit im urbanen Raum beitragen“, wie es Suzuki ausdrückte. Um ein Warngeräusch für Elektroautos auf den Weg zu bringen, bräuchte es zunächst einen gesetzlichen Rahmen, der beispielsweise in der Europäischen Union (EU) Gültigkeit besitzt.
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