Am Dienstagvormittag sollen die Ergebnisse eines Reihen-Tests vorliegen, der bei Patienten und Mitarbeitern des Buchloer Krankenhauses St. Josef durchgeführt wurde. Dort wird ein Patient behandelt, der offenbar eine Mutation des Corona-Virus in sich trägt. Seit dem Wochenende schottet sich das Buchloer Krankenhaus deshalb komplett ab: keine Neuaufnahmen, keine Entlassungen. Ein Besuchsverbot gilt in der Klinik bereits seit Mitte Dezember. Zwischenzeitlich ist auch eine Virus-Mutation im Landkreis Augsburg aufgetaucht.
Infiziertem geht es "den Umständen entsprechend gut"
"Dem 29-jährigen Patienten geht es aktuell – den Umständen entsprechend – gut, er hat jetzt nur noch milde Symptome", sagte Gabriele Apfelbacher, Pressesprecherin der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, am Montag. Der Asylbewerber aus dem Kreis Landsberg leidet unter einer mittelschweren Lungenentzündung.
Seit Beginn der Behandlung in der Buchloer Klinik ist er isoliert. Der 29-Jährige lebt mit acht Mitbewohnern in einer Unterkunft in Landsberg. Nach Angaben des dortigen Landratsamtes wurden alle neun Personen positiv auf Corona getestet. Sie befinden sich bereits seit 20. Januar in Quarantäne. Bei allen besteht laut Landratsamt der Verdacht, dass sie sich mit einem mutierten Virus infiziert haben. Dies werde derzeit in einem Labor untersucht. Mit Ergebnissen ist nach Angaben der Behörde im Laufe der Woche zu rechnen.
Nachdem sich die Symptome bei dem 29-Jährigen verstärkt hatten, wurde er von der zuständigen Rettungsleitstelle nach Buchloe überwiesen – ein Vorgang, der laut Klinikleiter Ralf Kratel nicht ungewöhnlich ist: "Es kommt öfter vor, dass Notfälle oder auch Covid-19-Patienten in Nachbar-Krankenhäuser gebracht werden. Wenn die Kliniken nah beieinanderliegen, hilft man sich gegenseitig." Bei der ersten Laboranalyse wurde bei dem 29-Jährigen das SARS-Spike-Protein 501 Y nachgewiesen, das auf die südafrikanische oder brasilianische Mutation des Coronavirus hindeutet, teilte das Ostallgäuer Landratsamt mit. Mit einem endgültigen Ergebnis rechnet die Behörde erst gegen Ende der Woche. Die Schutz- und Hygienemaßnahmen für die weiteren 31 Patienten sowie die Beschäftigten am Krankenhaus St. Josef seien indes nochmals verstärkt worden.
Corona-Mutation: "Gezielt danach suchen"
Ob ein Patient mit einer Covid-Mutation infiziert ist, lässt sich laut Dr. Matthias Lapatschek vom AllgäuLab in Kempten mit dem herkömmlichen PCR-Labortest feststellen. Lapatschek ist Labormediziner und Virologe. "Ist die Mutante, wie in diesem Fall 501 Y schon bekannt, kann man gezielt danach suchen. Dieser Nachweis geht relativ schnell", sagt er. Etwa zehn Tage dauert hingegen eine sogenannte Sequenzierung, denn diese ist wesentlich aufwendiger. Dabei werden sämtliche Gene des Virus untersucht. "Die Bayerische Staatsregierung müsste längst veranlassen, dass jeder positive Corona-Test ein umfängliches Screening auf Mutationen erhält", fordert der Kemptener Landtagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der FDP, Dominik Spitzer.
Mutationen verbreiten sich schneller
Die Mutationen aus Brasilien, Südafrika und England sind deshalb so gefährlich, weil sie sich deutlich schneller verbreiten als der normale Covid-19-Virus. Ob Mutationen aber einen schwereren Krankheitsverlauf auslösen, kann Virologe Lapatschek nicht beurteilen. "Es gibt Hinweise darauf, dass Mutationen vermehrt jüngere Menschen treffen. Deren Immunität ist nach einer Erkrankung angeblich nicht so gut." Die gefährlichen Mutationen sind nach Ministerpräsident der Hauptgrund dafür, dass er kein Ende des Lockdowns bis Mitte Februar sieht.
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