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Corona-Krise
19.06.2020

Lehrerverbands-Präsident fordert verpflichtende Leistungstests für Schüler

Schulen in Zeiten von Corona: Die Abstandsregel soll an Bayerns Schulen fallen. Wie es mit einer Maskenpflicht ist, muss sich noch zeigen.
Foto: Foto: Vondrou, CTK, dpa

Exklusiv Nach den Ferien soll an Schulen in Bayern Alltag einkehren. Normaler Unterricht ist in Zeiten von Corona kaum möglich. Größte Probleme sind Lehrermangel und Lerndefizite.

Ganz normal in die Schule, jeden Tag, gemeinsam mit den Freunden und mit allen Fächern auf dem Stundenplan: Danach sehnen sich nach mittlerweile drei Monaten coronabedingter Einschränkungen Eltern, Lehrer und sogar viele Schüler. Nach den Sommerferien soll nun wieder regulärer Unterricht stattfinden, wie die Konferenz der deutschen Kultusminister (KMK) am Donnerstagabend bekräftigt hat. Dafür wollen die Minister sogar die Abstandsregel von 1,5 Metern aufheben, sofern die Infektionslage es zulässt.

Öffnung der Schulen in Bayern: Normaler Unterricht noch nicht möglich

Wenn Eltern und Schüler jetzt glauben, dass dann alles so sein wird wie vor Corona, dürften sie sich täuschen. Heinz-Peter Meidinger kann das beurteilen. Er ist als Präsident des Deutschen Lehrerverbands Interessensvertreter von rund 165.000 deutschen Lehrkräften und selbst Schulleiter eines Gymnasiums in Deggendorf. „Es wird im nächsten Schuljahr so viele Einschränkungen und Sonderbedingungen geben, dass an normalen Unterricht weiterhin nicht zu denken ist“, sagte Meidinger am Donnerstag unserer Redaktion.

Nicht nur die Hygienevorschriften werden ihm zufolge den Schulalltag verändern. „Es wird Stoffkürzungen geben, der Sportunterricht wird nur reduziert stattfinden können, Schülerfahrten und außerunterrichtliche Aktivitäten werden weiterhin ausfallen.“

 

Lehrerpräsident Meidinger: Kultusminister haben sich dem Druck zu früh gebeugt

Der Lehrerpräsident ist gar nicht glücklich damit, dass die Politik schon so früh eine Rückkehr zum Regelbetrieb versprochen hat. „Natürlich stehen die Kultusminister unter einem wahnsinnigen Druck ihrer Ministerpräsidenten, aber auch der mit zusätzlicher Kinderbetreuung belasteten Eltern und der Wirtschaft. Ich werfe der Kultusministerkonferenz vor, sich diesem Druck zu schnell und ohne eigenes Konzept gebeugt zu haben.“

Meidinger ist sich auch sicher, dass die Zeit ganz ohne Unterricht im Klassenzimmer ihre Spuren hinterlassen hat: „Wir werden auch im nächsten Schuljahr noch damit zu tun haben, die Lücken zu schließen, die das Homeschooling in den Wissensstand der Schüler gerissen hat.“ Schon zu Beginn des Unterrichts daheim Mitte März hatten Bildungsforscher gewarnt, dass die schulischen Leistungen gerade von sozial benachteiligten Kindern weiter abfallen könnten.

Sitzenbleiben vermeiden: Lehrerpräsident ist für Nachhilfe-Pflicht

Um Schüler schnell wieder auf denselben Stand zu bringen, fordert Meidinger, dass nach den Ferien bei jedem Kind der Leistungsstand erhoben wird. „Für Schüler mit starken Defiziten muss es verpflichtende Förderangebote geben, die zum Beispiel am Nachmittag stattfinden können. Dafür brauchen wir mehr Personal.“

Die Personalfrage wird im kommenden Schuljahr besonders brisant. Denn schon vor Corona litten manche Schularten unter einem teils massiven Lehrermangel. Michaela Baumüller, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Schwaben, weiß das aus eigener Erfahrung, sie unterrichtet an einer Mittelschule in Kempten. Bisher hätten die vorhandenen Lehrkräfte den Mangel durch Mehrarbeit ausgeglichen. „Wenn jetzt wegen des Virus auch noch schwangere, chronisch kranke und sicher auch viele ältere Kollegen ausfallen, geht das nicht mehr“, fürchtet sie.

Schätzungen zufolge werden etwa zehn Prozent der gut 154.000 Lehrer im Freistaat zu Hause bleiben müssen. Baumüller fordert deswegen, dass sich der Unterricht nach den Sommerferien auf Kernfächer wie Mathematik und Sprachen konzentriert. Eine Vorgabe dazu gibt es bisher nicht.

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