Diese Ankündigung hat alle überrascht: Alfons Schuhbeck hat in Haft ein neues Kochbuch verfasst. So jedenfalls erzählte es der 76-Jährige im Juni bei seinem Geständnis am Landgericht München I: „Ich habe ein neues Kochbuch geschrieben, damit die Einnahmen durch den Verkauf an den Insolvenzverwalter gehen können. Ein zweites Buch ist fast fertig.“
Insolvenzen verschleppt, Coronahilfen illegal bezogen und zweckentfremdet: Was Schuhbeck verbrochen hat, ist hinreichend bekannt. Vier Jahre und drei Monate muss er dafür in Haft, eine frühere Strafe wegen Steuerhinterziehung eingerechnet. Wie sein Insolvenzverwalter Max Liebig vor der Münchner Wirtschaftsstrafkammer berichtete, hat der einstige Großunternehmer einen Schuldenberg von 27 Millionen Euro angehäuft, die Summe könne sich allerdings noch ändern. Die verbleibenden Insolvenzverfahren dürften Liebig zufolge erst Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Neues Kochbuch: Sein Verlag steht weiter in gutem Kontakt zu Schuhbeck
„Den angerichteten Schaden und die Sorgen und Nöte meiner Gläubiger bedauere ich zutiefst“, sagte Schuhbeck. „Wenn es möglich ist, will ich versuchen, den Schaden wiedergutzumachen.“ Die Einnahmen aus dem neuen Buch soll der Verwalter an die Gläubiger weiterreichen. Darunter sind viele Handwerker, die durch den fehlenden Lohn selbst geschäftlich in Schieflage gerieten.
Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte der „Gewürzpapst“ dutzende Bücher, darunter sein Opus Magnum „Meine bayerische Küche“. Anspruchsvolle Hobbyköchinnen und -köche schwören bis heute auf sein Rezept für knusprigen Schweinebraten aus dem 400-Seiten-Werk. Aber um so ein Buch in den Handel zu bringen, braucht es eine Infrastruktur - allem voran einen Verlag. Ein Großteil von Schuhbecks Werken erschien im ZS Verlag. Der wiederum ist Teil der Münchner Edel-Gruppe. Auf die Frage, ob man auch ein neues Schuhbeck-Buch ins Programm nehmen würde, antwortet Verleger Jürgen Brandt persönlich: „Wir stehen in gutem Kontakt zu ihm“, erklärt er gegenüber unserer Redaktion und bittet gleichermaßen um Verständnis, dass man keine Informationen zu zukünftigen Projekten herausgebe.
Aus diesen Sätzen lässt sich mehr herauslesen, als es zunächst scheint. Andere Geschäftspartner hatten sich unmissverständlich von Schuhbeck distanziert, als seine kriminelle Seite bekannt geworden war. Der Bayerische Rundfunk etwa nahm schon 2022 alle Kochsendungen mit ihm aus dem Programm. Auch das ZDF verbannte den Gourmet und Entertainer aus dem TV-Hit „Die Küchenschlacht“. Sein Verlag hält die Beziehung offensichtlich aufrecht.
Man würde gern Alfons Schuhbeck selbst zu seinem neuen Buchprojekt befragen, aber er äußert sich seit Jahren nicht in den Medien. Dass er in der Zelle einige seiner älteren Kochbücher überarbeitet hat, bestätigten Insider unserer Redaktion. Obwohl er seine Strafe längst nicht abgesessen hat, lebt Schuhbeck seit Mai wieder in seiner Wohnung in München, um medizinisch behandelt zu werden, denn er ist unheilbar an Krebs erkrankt.
Heute lebt Alfons Schuhbeck von etwas mehr als 1000 Euro Rente
Schuhbeck war über Jahrzehnte einer der fleißigsten und erfolgreichsten Kochbuchschreiber Deutschlands. Durch seine Misswirtschaft ist von den Einnahmen nichts mehr übrig. „Ich bekomme 1138,76 Euro Rente. Davon lebe ich“, sagte er vor Gericht. Nach Einschätzung seines Insolvenzverwalters dürfte auch nur ein Bruchteil von Schuhbecks Millionenschulden zurückgezahlt werden können. Liebig rechnet mit einer Quote „im niedrigen zweistelligen Bereich“. Dass neue Kochbücher, sollten sie jemals erscheinen, die riesige Finanzlücke annähernd auffüllen können, ist höchst unwahrscheinlich - auch wenn der frühere Gastro-Liebling immer noch viele Fans hat, die ihn wegen seiner Fähigkeiten in der Küche schätzen.
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