Bayern will es – mal wieder – besser machen als der Bund. Und besser heißt in diesem Fall vor allem: schneller. Bis 2040 soll der Freistaat klimaneutral sein, das ist das hehre Ziel. Die Bundesregierung indes will sich in Deutschland damit bis 2045 Zeit lassen. Doch das rasante Tempo, das Bayern da anstrebt, hat seinen Preis. Einer Studie zufolge sind dafür Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe notwendig. Das Prognos-Institut schätzt die Summe auf satte 167 Milliarden Euro.
Noch nie wurde wohl so viel und so hitzig über das Thema Klimaschutz gesprochen wie in den vergangenen Monaten. Freilich, für die Fridays-for-Future-Bewegung gehen Jugendliche schon seit Jahren auf die Straße – so richtig greifbar wurde die sich zuspitzende Dramatik der Klima-Lage für viele Menschen aber erst, als das rheinland-pfälzische Ahrtal im Sommer 2021 von einer verheerenden Flutkatastrophe heimgesucht wurde.
Mehr als 25.000 Menschen haben beim Heimat-Check mitgemacht
Auch in der Region debattieren die Menschen über das Thema Klimaschutz. Im großen „Heimat-Check“ unserer Zeitung, an dem mehr als 25.000 Menschen teilgenommen haben, wollten wir von den Bürgerinnen und Bürgern wissen, wie sie das Engagement in Sachen Klimaschutz in ihrem Wohnort bewerten. Gleichzeitig haben wir die Menschen gefragt, wie es mit der Digitalisierung in ihrer Gemeinde aussieht. Die beiden Aspekte passen durchaus zusammen – eine Studie des Digitalverbands Bitkom hat ergeben: Die Digitalisierung kann eine zentrale Rolle beim Klimaschutz einnehmen.
Das Ergebnis in der Kategorie Klimaschutz & Digitalisierung ist durchwachsen. Die Menschen in der Region vergeben im Schnitt aller Landkreise gerade einmal 5,2 Punkte. Am besten schneidet der Landkreis Dillingen an der Donau mit 5,6 Punkten ab, am schlechtesten der Landkreis Günzburg mit 4,7. Die Landkreise Neuburg-Schrobenhausen und Unterallgäu zählen ebenfalls zu den Gebieten, in denen es den Bürgern zufolge am meisten Nachholbedarf gibt.
Augsburger kritisieren das Klima-Camp
Wo hakt es beim Klimaschutz? Ein Umfrage-Teilnehmer aus dem Kreis Günzburg sagt, dass er sich generell mehr Aktivitäten in diese Richtung wünsche. Auch andere Bürger klagen, dass es zu wenig Umwelt- und Klimaschutz gebe und dass auch das Thema Nachhaltigkeit bisher oft noch ein Nischendasein friste. Ein Teilnehmer aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen kritisiert: „In Neuburg müsste viel mehr für den Umweltschutz getan werden. Leider werden alle Vorschläge abgeschmettert.“ Ein anderer wünscht sich, dass weniger Straßen gebaut würden und weniger Bauland erschlossen würde – stattdessen sollten Blühflächen erweitert und mehr Bäume gepflanzt werden. Ein Bürger aus dem Kreis Donau-Ries formuliert eine ganz deutliche Forderung: „Mehr Mut zum Klimaschutz.“
In der Stadt Augsburg erhält die Kategorie 5,1 Punkte. Zwar wird auch hier bemängelt, dass Konzepte für einen besseren Klimaschutz fehlen – viele Bürgerinnen und Bürger ärgern sich aber über etwas ganz anderes: das Klima-Camp. Seit mehr als zwei Jahren halten die Klimaschützer mit ihrem Protest in der Augsburger Innenstadt nun schon die Stellung – polarisiert hat das Lager aus Paletten und Zeltplanen von Anfang an. Ein Bürger sagt im „Heimat-Check“: „Die Stadt lässt sich von Klimaaktivisten gängeln.“ Ein Weiterer fordert: „Klima-Camp endlich schließen!“ Das Camp würde eher einem Schutthaufen gleichen und den Augsburger Rathausplatz massiv verunstalten, schimpfen andere. Die Aktivisten sollten deshalb endlich verschwinden. Das wird aber wohl nicht passieren. Die Stadt, die auch keine Dauer-Demo neben dem Rathaus wollte, scheiterte in zwei Instanzen vor Gericht. Um das Camp loszuwerden, unternimmt sie nun nichts mehr.
Mangelhafte Digitalisierung an Schulen
Unmut herrscht auch beim Thema Digitalisierung. Ein „Heimat-Check“-Teilnehmer aus dem Landkreis Dillingen etwa sagt: „Leider hängen auch wir mehrere Jahre in der Digitalisierung hinterher.“ Aus dem Landkreis Aichach-Friedberg gibt es Kritik an der mangelnden Digitalisierung der Schulen – ein Problem, das während der Hochphase der Corona-Pandemie, als die Schulen geschlossen waren und Kinder von zuhause unterrichtet werden musste, landauf landab ins Auge stach.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, für die die Digitalisierung mehr Fluch denn Segen ist. „Immer mehr Menschen fühlen sich durch die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags überfordert und vereinsamt“, sagt ein Mann aus Augsburg.
Insgesamt liegt der Bereich Klimaschutz & Digitalisierung im Mittelfeld des Heimatchecks. Eine Übersicht über alle Kategorien zeigt, womit die Menschen besonders zufrieden sind – und womit nicht. Demnach sind es vor allem die Themen Sauberkeit, Lebensqualität und Vereinsleben, die mit jeweils mehr als sieben Punkten besonders gut abschneiden. Die hinteren Plätze belegen die Gesundheitsversorgung, Kultur und Freizeit sowie der öffentliche Personennahverkehr.