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Augsburg: Rechtsextremist heiratet in Wallfahrtskirche Violau – Bistum prüft Trauung

Augsburg

Bekannter Rechtsextremist heiratet mit Segen der Kirche: Bistum Augsburg prüft Trauung in Wallfahrtskirche

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    Nach der Hochzeit des Rechtsextremisten Maximilian Märkl im Wallfahrtsort Violau hat das Bistum Augsburg eine Prüfung eingeleitet.
    Nach der Hochzeit des Rechtsextremisten Maximilian Märkl im Wallfahrtsort Violau hat das Bistum Augsburg eine Prüfung eingeleitet. Foto: Marcus Merk (2)

    Erhaben thront die Kirche St. Michael an diesem Mittag auf ihrer Anhöhe. Oben reckt sie sich in den makellos blauen Himmel, unten ziehen zwei Pferde eine festlich geschmückte Kutsche heran. Ein bayerisch-schwäbisches Idyll, umgeben von Wäldern, fast kitschig, jedenfalls ein perfekter Rahmen für zwei Ja-Worte. Im beschaulichen Wallfahrtsort Violau sind solche Szenen Gewohnheit. Doch diese Hochzeit ist außergewöhnlich. Sie verläuft nach dem Ritus der „Alten Messe“ auf Latein. Und sie wird zum Treffen von Rechtsextremisten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. So wird sie auch eine Veranstaltung, die für das Bistum Augsburg grundsätzliche Fragen aufwirft.

    Rechtsextremist Maximilian Märkl heiratet in Violau

    Der Mann, der seine Hochzeit in Violau später im sozialen Netzwerk X selbst bekanntgibt, heißt Maximilian Märkl. Der Augsburger hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren zu einer der bedeutendsten Figuren im deutschen Rechtsextremismus aufgeschwungen. Er ist Anführer der Identitären Bewegung (IB) in Deutschland – einer Gruppierung von Aktivisten, die sich als ideologische Vorreiter der AfD verstehen. Zwar gilt in der Partei offiziell ein Unvereinbarkeitsbeschluss mit der rechtsextremen IB. Doch längst stehen sich Akteure beider Seiten sehr nahe – nicht nur politisch, sondern auch persönlich. Das zeigte sich auch in Violau.

    Einige Hochzeitsgäste – darunter zahlreiche IB-Aktivisten – hatten offenbar beachtliche Strecken hinter sich gebracht, um an der Trauung im Landkreis Augsburg teilnehmen zu können. Das war an den Autokennzeichen unschwer abzulesen. Deutlich kürzer war da der Weg eines weiteren Gasts: Franz Schmid.

    AfD-Politiker Franz Schmid Arm in Arm mit Rechtsextremist Martin Sellner

    Der schwäbische AfD-Politiker und Landtagsabgeordnete, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird, gilt als zentraler Akteur in der Vernetzung zwischen Partei und IB. Am Tag nach der Hochzeit verbreitete Schmid ein Bild im sozialen Netzwerk X, offenbar von der Feier. Es zeigt ihn selbst in Tracht, wie er seinen rechten Arm um einen anderen Mann legt – den österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner. „Ein Abend unter Freunden – für Heimat und Remigration“ steht dabei. Die Formulierung ruft auch den bayerischen Verfassungsschutz auf den Plan. Er teilt mit, es sei in diesem Zusammenhang davon „auszugehen, dass der Begriff ‚Remigration‘ im Sinne Sellners verwendet wird“. Das Bundesverwaltungsgericht habe das „Remigrationskonzept“ des Rechtsextremisten als in Teilen „menschenwürdewidrig“ bezeichnet.

    Sellner ist Kopf und bekanntestes Gesicht der IB. Bei der Hochzeit war er als eine Art Ehrengast eingeladen, nach Recherchen unserer Redaktion soll er am Brauttisch Platz genommen haben. Seine Anreise verlief aber offenbar recht turbulent. Dem Vernehmen nach traf Sellner später als zunächst geplant ein. Ob dies mit einer möglichen Kontrolle zusammenhängt, kommentiert die zuständige Bundespolizei auf Anfrage nicht.

    Maximilian Märkl, Sprecher der Identitären Bewegung, bei einem vom Rechtsextremisten Martin Sellner organisierten „Podium zur Remigration“.
    Maximilian Märkl, Sprecher der Identitären Bewegung, bei einem vom Rechtsextremisten Martin Sellner organisierten „Podium zur Remigration“. Foto: Frank Hammerschmidt, dpa

    Etwa zwei Wochen nach der Hochzeit verbreitet Märkl auf X ein Bild, das ihn von hinten neben seiner Braut zeigt. Im Hintergrund ist der Altar von St. Michael in Violau zu sehen, darüber der Kommentar: „Heiratet, Leute!“. Sonst sollte von diesem Tag offenbar nichts Unerwünschtes nach außen dringen. Teilen der Hochzeitsgesellschaft soll untersagt worden sein, Smartphones dabei zu haben.

    Hochzeit in Wallfahrtsort: Bistum Augsburg distanziert sich von Extremisten

    Abseits solcher Nebengeräusche wirft die Hochzeit auch grundsätzliche Fragen zum Umgang der katholischen Kirche mit Rechtsextremisten auf. Im Februar 2024 verabschiedete die Deutsche Bischofskonferenz in Augsburg die Erklärung „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“. Gleich zu Beginn wird darin auf das sogenannte „Potsdamer Treffen“ Bezug genommen – eine Zusammenkunft rechter bis rechtsextremer Akteure im November 2023, darunter Martin Sellner. Der stellte dort sein „Remigrationskonzept“ vor.

    Das Bekanntwerden des Treffens löste Anfang 2024 eine bundesweite Protestwelle aus. Die Bischöfe griffen beides auf und unterstützten die Protestbewegung ausdrücklich. Doch Extremisten zu trauen, ist das damit vereinbar? Ein Sprecher des Bistums Augsburg, in dessen Zuständigkeitsbereich Violau liegt, teilt auf Anfrage mit, man bedaure „außerordentlich, dass angesichts der kirchlichen Eheschließung einer politisch extrem exponierten Person Fragen aufgetreten sind, welche das Verhältnis von Kirche und Politik betreffen“. Das Bistum mache sich „in keinster Weise“ mit politischen Positionen rechts- wie linksextremer Parteien gemein und stehe vollumfänglich hinter der 2024 verabschiedeten Erklärung.

    Zugleich verweist er darauf, dass die Hürden, einem Katholiken den Empfang des Ehesakraments zu verwehren, hoch seien. Im sogenannten Brautexamensprotokoll würden ausnahmslos kirchenrechtliche Hinderungsgründe abgefragt, also etwa eine bereits gültige Eheschließung. „Grundsätzliche Fragen zur Übereinstimmung der Brautleute mit katholischen Glaubensinhalten und damit auch zu ihrer Zustimmung zum jüdisch-christlichen Menschenbild sind nicht Gegenstand.“

    Im vergangenen Jahr nahm Maximilian Märkl an einer Demo der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) in Wien teil.
    Im vergangenen Jahr nahm Maximilian Märkl an einer Demo der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) in Wien teil. Foto: Markus Sulzbacher, derStandard.at

    Nach Informationen unserer Redaktion, die das Bistum direkt und Märkl auf X indirekt bestätigte, fand die Trauung nach „altem“ Ritus statt. Solche Trauungen sind selten – Paare müssen sich gezielt nach Geistlichen umsehen, die ihn beherrschen. In Violau nahm die Trauung nicht der zuständige Pfarrer vor, sondern ein Pater der Priesterbruderschaft St. Petrus, die dem Heiligen Stuhl in Rom und nicht dem Ortsbischof untersteht. Der Bistumssprecher erklärt mit Bezug auf Märkls Hochzeit und die anwesenden weiteren Rechtsextremisten: „Wie es dazu kam, dass ein überregional bekannter Wallfahrtsort im Bistum Augsburg als Eheschließungsort zur Verfügung gestellt wurde, ist noch Gegenstand der Prüfung.“ Künftig werde „strikt darauf geachtet, dass bei vergleichbaren Anfragen auch die Kompatibilität des Charakters des Trauungsortes mit dem Ansinnen der Brautleute angemessen Berücksichtigung findet“.

    Petrusbruder nahm Trauung des Chefs der Identitären Bewegung (IB) vor

    Die Petrusbrüder beantworten einen Fragenkatalog mit dem Hinweis auf ein „geistliches Geschehen“ und „einen sehr persönlichen Bereich“ knapp: Man äußere sich „grundsätzlich nicht zu einzelnen Sakramentenspendungen und deren näheren Umständen“, versichere jedoch, dass das Vorgehen des Augsburger Petrusbruders „in vollem Umfang seinem seelsorglichen Auftrag sowie den kirchenrechtlichen Vorgaben entsprach“.

    Der bekannte Kirchenhistoriker Prof. Dr. Dr. Jörg Ernesti von der Universität Augsburg weist darauf hin, dass eine Trauung nicht verweigert werden könne, wenn alle kirchenrechtlichen Bedingungen erfüllt seien und zumindest ein Partner katholisch sei. Dies sei schon einmal anders gewesen: Vor 1933 habe man etwa NSDAP-Mitgliedern und SA-Leuten in Uniform den Sakramentenempfang versagt.

    Kurz nach seiner Hochzeit wollte Märkl nach Porto reisen, um an einem internationalen Vernetzungstreffen rechtsextremer Akteure teilzunehmen. Am Münchner Flughafen untersagte ihm die Bundespolizei allerdings die Ausreise, wie er auf X selbst bekanntgab. Märkl fuhr daraufhin mit dem Auto in die portugiesische Stadt und inszenierte sich dort als politisch Verfolgter – wie schon häufiger, nun aber mit Ehering.

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