Am Freitag gab es Zwischenzeugnisse für bayerische Schülerinnen und Schüler – Anlass zur Freude ist das nicht unbedingt immer. Für Grundschüler in der vierten Klasse spielt das Zwischenzeugnis eine besonders wichtige Rolle, denn es entscheidet darüber, ob es künftig an Gymnasium, Real- oder Mittelschule weitergeht. Eine Sorge, die viele Eltern beschäftigt: Seit Sommer 2024 wirken sich Orthografiefehler nicht nur im Deutschunterricht, sondern auch in allen anderen Fächern auf die Note aus.
Ein inhaltlicher und ein Rechtschreibfehler also, und futsch ist die Note eins? Der Übertritt gefährdet? Wir haben unsere Leserinnen und Leser auf Facebook gefragt, ob die Regelung zu streng ist. Die Meinungen sind gespalten: Während viele einen Punktabzug bei Rechtschreibung für angemessen und sogar für notwendig halten, plädieren andere für Milde.
Contra Punktabzug wegen Rechtschreibung: Hoher Druck an Grundschulen beim Thema Übertritt
Vor allem der Tatsache, dass der Punktabzug Schülerinnen und Schüler demotiviert, wenn sie nicht ohnehin schon mit Rechtschreibung Probleme haben, stimmen viele Menschen zu. Ein Nutzer schreibt dazu, dass sich betroffene Kinder Erfolgserlebnisse außerhalb des Fachs Deutsch holen würden. „Wenn nun diese positiven Erfahrungen auch noch ausbleiben, wie soll ein Grundschüler die Freude am Lernen aufrechterhalten?“, kommentiert er. Es werde ohnehin viel Druck auf die Kinder ausgeübt, gerade, wenn es um das Thema Übertritt an weiterführende Schulen gehe.
Andere kritisieren, dass Rechtschreibung dadurch zu sehr im Fokus der Benotung liege. „Wenn ein Schüler in Mathe sehr gut ist, aber Probleme mit der Rechtschreibung hat, dann kann es nicht angehen, dass er deswegen in Mathe eine schlechtere Note bekommt“, schreibt ein Nutzer. Viele empfinden es zudem als ungerecht, dass „Bayern gegen den Strom schwimmt“: „Vor allem ist es unfair, dass hier scheinbar nur Bayern so streng ist, während andere Bundesländer das deutlich lockerer sehen.“ Ein anderer kommentiert dazu: „Da muss ein bundesweiter Standard gelten!“
Pro Punktabzug: Wie lernen Grundschüler Rechtschreibung sonst?
Besonders ältere Nutzerinnen und Nutzer merken jedoch an, dass ihnen Strenge bei der Benotung während der eigenen Schulzeit gutgetan habe und auch heute notwendig sei: „Mein erwachsener Sohn sagt heute noch, wie dankbar er wäre, dass ich ihn gezwungen habe, anständiges Deutsch zu schreiben.“ Nutzer Benjamin Kübler schreibt in unserer Kommentarfunktion auf der Website: „Ich beobachte es bei meiner Arbeit immer häufiger, dass insbesondere junge Kollegen, die einen Studienabschluss haben, nicht einmal in der Lage sind, eine E-Mail fehlerfrei zu formulieren. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass das Niveau von Bildungsabschlüssen stark nachgelassen hat.“
Man lerne schließlich durch Korrektur, sagt ein anderer – und es bringe nichts, sich vier Jahre lang in der Grundschule falsche Rechtschreibung einzuprägen und ab der weiterführenden Schule dann auf die Nase zu fallen.
Einige Kommentierende finden, dass man Nachsicht walten lassen sollte: „Man sollte nicht immer davon ausgehen, dass es Kindern grundsätzlich egal ist, wie sie schreiben. Leider haben viele Kinder massive Schwierigkeiten beim Schreiben. Man sollte lieber schauen, woran es liegt, statt nur zu bestrafen.“ Und: „Die Schule ist ein Ort des Lernens und nicht ein Ort des Könnens.“
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