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Die spektakulärsten Mordfälle in Schwaben und Bayern

Mordfälle

Grausame Verbrechen in der Region: Fünf Morde, die bis heute bewegen

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    Am 4. November 1990 wurde auf dem Münsterplatz der Student Rafael Blumenstock ermordet. Das Entsetzen über die Bluttat mitten in der Stadt war damals groß.
    Am 4. November 1990 wurde auf dem Münsterplatz der Student Rafael Blumenstock ermordet. Das Entsetzen über die Bluttat mitten in der Stadt war damals groß. Foto: Horst Hörger (Archiv)

    Einer der rätselhaftesten Morde in unserer Region ist sicher der Tötungsdelikt an Rafael Blumenstock, der im November 1990 auf dem Ulmer Münsterplatz tot aufgefunden wurde. Bis heute ist das Verbrechen ungeklärt, in der Juli-Ausgabe von Aktenzeichen XY ungelöst wurde der Fall nun noch einmal vorgestellt. Die Ulmer Polizei erhofft sich davon Hinweise, die den grausamen Mord nach fast 35 Jahren doch noch aufklären könnten.

    Doch auch andere Morde in der Region sind im kollektiven Gedächtnis verankert. Wir stellen Ihnen fünf davon vor.

    Der Augsburger Polizistenmord

    Einer der aufsehenerregendsten Morde der jüngeren Augsburger Geschichte ist der Polizistenmord von 2011. Damals wurde der 41-Jährige Polizist Mathias Vieth während eines Einsatzes erschossen. Er und seine Kollegin wollten gegen 2.50 Uhr in der Nacht auf einem Parkplatz am Kuhsee zwei Männer kontrollieren, die eine schwarze Tasche bei sich trugen.

    Die Männer flüchteten auf einem Motorrad, die beiden Polizisten verfolgten sie über den Hochablass bis in den Siebentischwald. Dort fanden die Polizeibeamten das Motorrad auf dem Weg liegend, von den Männern keine Spur. Die Beamten verließen das Fahrzeug, da sie einen Unfall vermuteten. Daraufhin wurde das Feuer auf sie eröffnet. Die Polizistin wurde verletzt, Mathias Vieth starb.

    Die Polizistenmörder Rudolf Rebarczyk und Raimund Mayr vor Gericht.
    Die Polizistenmörder Rudolf Rebarczyk und Raimund Mayr vor Gericht. Foto: Fred Schöllhorn (Archivbild)

    Den entscheidenden Hinweis auf die Täter gab es noch in der Nacht – Streifenpolizisten fiel ein silberner Mitsubishi Colt mit warmer Motorhaube rund 200 Meter entfernt vom Ort der beginnenden Verfolgungsjagd auf. Doch der Hinweis ging zunächst unter. Erst einen Monat später erfuhr auch die Soko von dem Fahrzeug. Die Ermittler befragten den Halter, einen Mann aus München, der erklärte, er habe den Wagen einem Verwandten geliehen.

    Dieser Verwandte ist Rudolf Rebarczyk und für die Augsburger Polizei kein Unbekannter. 1975 hatte er schon einmal einen Polizisten erschossen. Zwei Monate nach dem Mord an Mathias Vieth nimmt die Polizei Rebarczyk und seinen Bruder Raimund Mayr fest, nachdem sie akribisch überwacht wurden. Im Prozess werden beide Männer zu lebenslanger Haft verurteilt, eine besondere Schwere der Schuld wird festgestellt.

    Mord an der Ehefrau in Friedberg

    Im November 2015 tötete der 53-jährige Horst K. seine 37-jährige Ehefrau Grace. Er erschlug sie im Schlaf mit einem zwei Kilogramm schweren Hammer, stülpte ihr anschließend eine Plastiktüte über den Kopf um sie zu ersticken. Nach ihrem Tod zerstückelte er sie, verpackte die Leichenteile in mehrere Kisten und deponierte sie in einer Lagerhalle in Augsburg.

    Horst K. geriet schnell unter Tatverdacht, nachdem Grace als vermisst gemeldet worden war und die Friedberger Polizei die ersten Ermittlungen aufnahm. Als die Frau, die von den Philippinen stammte, nicht gefunden wurde, übernahm die Augsburger Kripo den Fall. Horst K. war nach dem Mord nach Thailand gereist, um dort Sex mit anderen Frauen zu haben, so jedenfalls lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Freunden schrieb er in dieser Zeit noch, seine Frau habe ihn verlassen und er sei ihr nachgereist, um sie zurückzugewinnen.

    In diesem Lagerhaus versteckte Horst K. die Leiche seiner Frau.
    In diesem Lagerhaus versteckte Horst K. die Leiche seiner Frau. Foto: Augsburger Allgemeine (Archivbild)

    Als er am neunten Januar 2016 nach Deutschland zurückkehrte, wurde er festgenommen. Die Tat gestand er gleich zum Prozessauftakt. Auch, dass der Mord akribisch geplant war, bestritt Horst K. nicht. Als Motiv jedoch nannte er, er habe Selbstmord begehen wollen und wollte seiner Frau die Trauer über seinen Tod ersparen.

    Horst K. wurde nach Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld zu lebenslanger Haft verurteilt. Frei kommen kann er also frühestens 2036.

    Der tote Landwirt von Neuburg

    Aufsehen erregte auch der Tod von Rudolf Rupp aus dem Neuburger Stadtteil Heinrichsheim, der im Oktober 2001 nach einem Wirtshausbesuch spurlos verschwand. Was daraufhin folgte, ist einer der bizarrsten Kriminalfälle der Region.

    Nachdem Rupp um Mitternacht betrunken in seinen Mercedes gestiegen war, hat ihn niemand mehr lebend gesehen. Am folgenden Tag gab seine Frau eine Vermisstenanzeige auf. Die Neuburger Polizei startete eine groß angelegte Suchaktion nach dem Landwirt, auch in seinem eigenen Haus. Doch Rupp blieb verschwunden.

    In der Nachbarschaft der Rupps entstanden schnell Gerüchte. Man habe nachts einen Menschen gesehen, der einen abgetrennten Kopf in einem Eimer über den Hof getragen hat, sagten manche. Andere berichteten, die Familie habe Rudolf Rupp ermordet, zerstückelt und an die Hunde verfüttert. Auch die Polizei – inzwischen ermittelten die Kripo Ingolstadt und die Staatsanwaltschaft– ging diesen Theorien nach.

    Der Todesfall Rudolf Rupp gehört zu den spektakulärsten Rechtsfällen Deutschlands.
    Der Todesfall Rudolf Rupp gehört zu den spektakulärsten Rechtsfällen Deutschlands. Foto: Swr, Honorarfrei (Archivbild)

    Im Januar 2004 schließlich wurden die Ehefrau, die beiden Töchter sowie der Freund der älteren Tochter aufs Präsidium gebracht. Zunächst wurden die Vier nur als Zeugen befragt, doch schnell wurden sie zu Beschuldigten. Stundenlang wurde die Familie von Polizisten verhört. Und gestehen schließlich, Rudolf Rupp getötet und zerstückelt zu haben. Dabei widersprachen sich die Angehörigen jedoch immer wieder. Später wurden Vorwürfe laut, die Beamten haben zu viel Druck ausgeübt und den intellektuell eingeschränkten Beschuldigten Suggestivfragen gestellt, bis diese gestanden hatten.

    Im Dezember 2004 begann der Prozess gegen die Familie. Der Freund der Tochter so wie die Mutter werden zu jeweils achteinhalb Jahren Haft verurteilt, die beiden Töchter zu drei beziehungsweise zweieinhalb Jahren. Die spektakuläre Wendung im Fall kam 2009: Bei Arbeiten an der Staustufe Bergheim wurden zwei Autos auf dem Grund der Donau gefunden. Eines davon war der Mercedes von Rudolf Rupp. Hinter dem Steuer: Die Leiche des Landwirts.

    2011 wurden die Angehörigen Rupps schließlich freigesprochen. Das Gericht war jedoch weiterhin von der Schuld der Familie überzeugt und schließt einen Selbstmord des Landwirts bis heute aus. Die Wahrheit wird womöglich nie ans Licht kommen.

    Mafia-Mord in Aichach

    Diverse Morde im Umkreis von Augsburg und Aichach beging in den frühen neunziger Jahren die sogenannte Disco-Mafia. Diese Bande an Kriminellen wollte in den 90er-Jahren die Führung der schwäbischen Nachtleben-Szene übernehmen und schreckte dabei auch vor Mord nicht zurück. Drei davon sind bekannt: Das erste Opfer war selbst Mitglied der Disco-Mafia. Josef H. verschwand im März 1993. Polizisten fanden die Leiche des Wertinger „Automatenkönigs“ in einem Waldstück bei Aichach unter zwei Lagen Zement, nachdem ein Polizeihund den Leichnam erschnüffelt hatte. Zuvor war der 41-jährige Besitzer von bis zu 20 Lokalen bereits mit ebenso vielen Haftbefehlen gesucht worden. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Disco-Mafia beging Josef H. diverse Verbrechen: Schutzgelderpressungen, Betrug, Brandstiftung und geplante Morde gehen auf sein Konto. Am Ende wurden aus Geschäftspartnern Feinde: Josef H. hat hohe Schulden bei anderen Mitgliedern der Mafia. Schließlich wurde er von zwei von ihnen ermordet und im Wald entsorgt. Heute erinnert nur noch sein Grab in Münster an ihn.

    Am 28. August 1993 wurde die 16-jährige Christiane G. Zufallsopfer der Verbrecher. Sie besuchte mit Freunden die Disco „SuperMäx“ in Dasing und wurde dort auf der Veranda erschossen. Der Grund für den Mord: Muthana S., vermeintlicher Kopf der Bande, wollte die Konkurrenz einschüchtern und deren Geschäft zum Erliegen bringen.

    Das dritte Mordopfer war Lothar W. aus Aichach. Der Hähnchenbrater hatte die Disco-Mafia erpresst und wurde im Januar 1995 im Pumpenhäuschen des Radersdorfer Baggersees einbetoniert gefunden. Der 30-Jährige war mit einem Kopfschuss getötet worden.

    Auf die Spur der Verbrecher kam die Polizei, als ein Discobesitzer aus Burgau schwerverletzt seinen Entführern entkommen kann – Mitgliedern der Disco-Mafia. Muthana S. wurde bereits 1994 festgenommen, gab sich jedoch als jemand anderes aus und schaffte es, die Polizei zu narren. Er kam daher zunächst wieder auf freien Fuß. Nach dem Mord an Christiane G. rückte er wieder ins Visier der Fahnder und wurde erneut festgenommen. In der JVA Straubing beging der Iraker 1995 Suizid. Einer seiner Komplizen, Michael S., wurde 1997 zu lebenslanger Haft verurteilt. Wo er heute ist, ist unbekannt.

    Der mordende Chemielehrer aus Ulm

    Der sogenannte Brombeermöder von Ulm galt 1977 als weltweit erster Mordfall, in dem Nitrosodimethylamin (kurz Nitrosamin) zum Einsatz kam. Siegfried R. war damals 48 Jahre alt und Oberstudienrat am Schubart-Gymnasium in Ulm. Er war verheiratet, hatte zwei Kinder und führte ein scheinbar gut bürgerliches Leben. Doch hinter der Fassade bröckelte es gewaltig. Die Ehe mit Ingeborg war längst gescheitert, sie hatte eine Affäre mit ihrem Hausarzt, bis dieser bei einem Unfall ums Leben kam. Danach versuchte das Paar, die Ehe zu reparieren. Der Versuch scheiterte. Eine Scheidung aber kam für Siegfried R. nicht infrage. Ingeborg sollte sterben.

    Und so besorgte sich der Lehrer für Chemie Nitrosamin über den Schuletat. Die Substanz ist stark krebserregend und war in den siebziger Jahren kaum nachweisbar. Der Tod kann sich über viele Jahre ziehen, kein Arzt hätte damals Verdacht geschöpft, wenn bei Ingeborg Krebs diagnostiziert worden wäre. Ab 1975 verabreichte Siegfried R. seiner Frau kleine Mengen im Essen. Ihr ging es zunehmend schlechter, doch die Ärzte fanden nichts. Schließlich wurde der Ulmer ungeduldig und mischte seiner Frau eine tödliche Dosis Nitrosamin in ein Brombeerkompott. Danach brachte er sie eigens ins Krankenhaus, spielte den besorgten Ehemann.

    2022 gab es Amokalarm am Schubart-Gymnasium in Ulm. 1977 wurde dort ein Mörder verhaftet.
    2022 gab es Amokalarm am Schubart-Gymnasium in Ulm. 1977 wurde dort ein Mörder verhaftet. Foto: Alexander Kaya (Archivbild)

    Doch er beging einen entscheidenden Fehler: Immer wieder fragte er seine Frau, ob sie das Kompott gegessen habe und wie es ihr ging. Die Familie wurde misstrauisch, ließ eine Probe untersuchen. Ein finaler Versuch schließlich brachte die Fassade zum Einsturz. Rechtsmediziner verfütterten das Kompott an Tiere. Alle waren am nächsten Morgen tot.

    1977 schließlich wurde Siegfried R. an der Schule verhaftet und ihm der Prozess gemacht. Er wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt – obwohl Ingeborg zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Noch nie zuvor war ein Täter in Deutschland für einen Mord verurteilt worden, solange das Opfer noch am Leben war. Ingeborg starb wenige Monate danach.

    Siegfried R. selbst saß sechs Jahre im Gefängnis. Im Oktober 1984 starb er – an Magenkrebs.

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