Kreuze, Türme, Löwen, Bären, Bäume oder Sterne: Einige Motive entdeckt man immer wieder, wenn man sich die Wappen der Region ansieht. Und manches ergibt sofort Sinn: Etwa, dass in der alten Reichsstadt Donauwörth der Reichsadler zu sehen ist, in Neu-Ulm die Farben Ulms und Bayerns, in Aichach ein Eichenblatt oder in Biberbach ein Biber. Aber dann gibt es auch die Motive, die spontan für Irritationen oder einen Schmunzler sorgen. Wir haben uns in Schwaben umgesehen und einige merkwürdige Stadt- und Gemeindewappen gesammelt.
Blindheim
Ein Kreuz und eine Hellebarde – also eine mittelalterliche Waffe, die an einen Spieß mit einer Axt erinnert – soweit sind die Bestandteile des Wappens von Blindheim im Landkreis Dillingen noch recht üblich. Doch wer die Waffe hält, ist zumindest im weit vom Meer entfernten südlichen Bayern recht ungewöhnlich: ein an die Götter Neptun oder Poseidon erinnernder Wassermann mit einer Krone auf dem Kopf. Tatsächlich ist man hier in der Region offenbar dem Wasser verbunden. Als Verweis auf die Brunnenfelder im Gebiet des Ortsteils Unterglauheim hat es der Wassermann ins Wappen geschafft.
Zusamaltheim
Wieder Landkreis Dillingen, wieder ein Fabelwesen aus dem Meer: Das Wappen von Zusamaltheim ziert eine Meerjungfrau. Wobei, nicht ganz: Offiziell heißt das Wesen, das auf dem Wappen dargestellt ist, Melusine oder Fischweibchen. Schon der Ortsname weist auf die Verbundenheit zum Wasser hin, ist er doch nach der durch die Gemeinde fließenden Zusam benannt. Allerdings fand die Figur nach Angaben des Hauses der bayerischen Geschichte deshalb ihren Weg auf das Zusamaltheimer Gemeindewappen, weil sie auch auf dem Schild der Herren von Bocksberg dargestellt ist – ein Ortsteil, durch das jedoch das Flüsschen Laugna fließt. Was die Bocksberger wiederum mit einem Wasserfabelwesen verbindet, bleibt unklar.
Gundremmingen
Wir bleiben im nordwestlichen Schwaben, wo es ein Gemeindewappen gibt, das überhaupt nicht mysteriös ist – und trotzdem sehr skurril. Oft verweisen Wappen auf uralte Begebenheiten, zeigen die lange Geschichte einer Siedlung und erinnern an längst vergangene Zeiten. Zugegeben: Vergangen ist der Grund für ein besonderes Element auf dem Gundremminger Wappen inzwischen auch. Ende 2021 wurde das Kernkraftwerk Gundremmingen abgeschaltet, 2025 die Kühlturme gesprengt. Doch schon lange zuvor nahm die Gemeinde im Landkreis Günzburg ein Atomsymbol ins Wappen auf. Ein bemerkenswertes Bekenntnis zur Atomkraft, wurde die Energieform doch wegen potentieller Gefahren und ungelöster Probleme – etwa der Frage, was mit dem Atommüll passiert – kontrovers diskutiert. Doch dem Ort brachte das Kraftwerk auch einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Lauingen
Noch deutlich umstrittener – aber aus ganz anderen Gründen – ist der Lauinger Mohr. Er findet sich im Wappen der Stadt Lauingen und ist eine recht stereotype Darstellung einer afrikanischen Person, versehen mit krausem Haar und markanten Lippen, trägt Goldschmuck und eine Krone. Wieso die Figur das Stadtwappen ziert, dazu gibt es viele Theorien, manche entspringen Sagen, einer anderen zufolge soll das Wappen Kaiser Friedrich I. zeigen – der jedoch in anderen Abbildern weiß und mit rotem Bart gezeigt wird, was auf italienisch „Barba rossa“ heißt und zum Beinamen des Kaisers wurde. Inzwischen gilt vielen die Darstellung des Lauinger Mohren als rassistisch, aus ähnlichen Gründen änderte etwa das Augsburger Hotel „Drei Mohren“ seinen Namen in „Maximilian‘s“. Den Rassismusvorwurf weist man in Lauingen hingegen zurück. Die Stadt und ihr kurioses Wappen liegen übrigens – wie so viele Gemeinden in dieser Liste – im Landkreis Dillingen.
Affing
Wir schauen in einen anderen Teil Schwabens – zumindest bedingt. Denn wie auch Blindheim und Zusamaltheim hat auch Affing im Landkreis Aichach-Friedberg ein Fabelwesen im Wappen. Dieses lebt allerdings zu Land. Oder besser gesagt: Es würde zu Land leben, wenn es überhaupt leben würde: ein Einhorn. Den Landkreis Dillingen hätte man für diese Beobachtung aber gar nicht verlassen müssen: Auch die dort gelegenen Gemeinden Bachhagel und Finningen haben ein Einhorn im Wappen, genauso wie unter anderem Schondorf am Ammersee im oberbayerischen Landkreis Landsberg. Ein beliebtes Motiv also, in Affing fand es offenbar Eingang ins Wappen, weil es den Freiherren von Gravenreuth gefallen hat.
Augsburg
Das Augsburger Stadtwappen ist sicher eines der bekannteren in Schwaben und Bayern, und sicher auch darüber hinaus vielen geläufig – vor allem Fußballfans, ist doch das Logo des FC Augsburg sehr ähnlich zu dem der Stadt. Und Dinge, die man etwas besser kennt, werden schnell zur Gewohnheit. Insofern überrascht es vielleicht, das Augsburger Stadtwappen „merkwürdig“ zu nennen, doch wenn man einmal genau darüber nachdenkt, fällt schon auf: Bäume oder Blätter gibt es durchaus in dem ein oder anderen Wappen, so manche Pflanze kann ikonisch oder prägend für einen Ort sein.
Aber eine Nuss? Zumal die Zirbelnuss, die im Stadtwappen zu sehen ist, in Augsburg gar nicht wächst. Hinzu kommt noch, dass die als Zapfen der Zirbelkiefer bekannten Zirbelnüsse gar keine Nüsse, sondern Samen sind. Als „Fruchtbarkeits- und Unsterblichkeitssymbol“ haben sie es ins Stadtwappen geschafft, weil es in der Region römische Grabmäler zierte, schreibt das Haus der bayerischen Geschichte.
Monheim (Schwaben)
Das Monheimer Stadtwappen ist definitiv einzigartig und unverwechselbar – zumindest fast. Und genau dieser Umstand macht es so auffällig. Gerade Fußballfans werden beim Wappen der Stadt im Landkreis Donau-Ries stark an ein anderes Symbol erinnert: das des englischen Fußballvereins FC Portsmouth und der dortigen Stadt. Zu sehen ist jeweils ein nach oben geöffneter gelber Halbmond mit einem gelben Sternsymbol darüber auf einem blauen Hintergrund.
Die Ähnlichkeit ist umso frappierender, da offenbar zwischen der Entstehungsgeschichte der Wappen keine Verbindung besteht. Die Monheimer Symbolik erinnert an die Grafen von Cimbern, ein Adelshaus aus der Region am Neckar, während Portsmouth an den Schild von Richard Löwenherz erinnert. Sonst halten sich die Ähnlichkeiten zwischen Portsmouth und Monheim ebenfalls in Grenzen: Anders als die englische Hafenstadt mit über 200.000 Einwohnern liegt die Kleinstadt Monheim in den bewaldeten Hügeln der Fränkischen Alb.
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