Nicht einmal 300 Einwohnerinnen und Einwohner zu haben und trotzdem Stadt zu sein – das muss man erst einmal schaffen. Gelungen ist das dem Dorf Arnis in Schleswig-Holstein. Gelegen am Meeresarm Schlei, nur ein paar Dutzend Kilometer südlich der dänischen Grenze, ist es die kleinste Stadt Deutschlands, während es in anderen Kommunen wohl nicht einmal ein eigenständiger Ortsteil sein könnte. Die kleinste Stadt Schwabens wirkt dagegen wie eine Metropole. Und sie hält auch noch mindestens einen weiteren Rekord.
Die Rede ist von Oettingen, das im Ries rund 15 Kilometer von Nördlingen entfernt liegt. Hier lebten laut Landesamt für Statistik am 30. Juni 2025 5214 Menschen, die kleinste Zahl im Regierungsbezirk Schwaben. Und das, obwohl Oettingen seit Jahren sukzessive wächst: 2011 lebten hier noch 5024 Einwohnerinnen und Einwohner, in fast allen Jahren bis heute erlebte die Kommune einen Zuzug.
Oettinger-Brauerei macht kleinste Stadt Schwabens deutschlandweit bekannt
Insgesamt blickt Oettingen auf eine über 1200-jährige Geschichte zurück. Erstmals urkundlich im neunten Jahrhundert erwähnt, war die Stadt Sitz der Grafen und späteren Fürsten zu Oettingen. Über Jahrhunderte war sie konfessionell geteilt in ein katholisches und ein evangelisches Oettingen – eine Besonderheit in Europa. Die Altstadt ist immer noch gut erhalten und deshalb auch ein beliebtes Reiseziel für Touristen, zumal die Stadt nicht weit entfernt von der Romantischen Straße liegt. Vor Ort zeigt sich auch, dass Oettingen durchaus auch größere politische Bedeutung in der Region hatte, vor allem in Mittelalter und früher Neuzeit.
Der Wettstreit um die kleinste Stadt Schwabens ist übrigens enorm umkämpft – und das vor allem in der Region selbst. In der Oettinger Nachbarschaft befinden sich gleich mehrere Kommunen, die ebenfalls das Stadtrecht haben, und kaum größer sind als Oettingen: So leben etwa in Monheim 5430 Menschen, in Harburg 5570 Menschen und in Wemding 5738 Menschen. Alle Ortschaften liegen ebenfalls im Landkreis Donau-Ries – und zumindest zwei davon dürfen nicht mit ihren deutlich größeren Namensvettern verwechselt werden: So hat der Hamburger Stadtteil Harburg fast 30.000 Einwohner und Monheim am Rhein gar über 40.000 gemeldete Personen.
In Schwaben ist Oettingen hingegen – das im französischen Lothringen auch einen Namensvetter hat – auch mit seiner Lage ein Rekordhalter. Die Stadt im Ries ist nicht nur die kleinste, sondern auch die nördlichste Stadt des Regierungsbezirks. Bundesweit bekannt ist sie aber für einen anderen vermeintlichen Rekord: Das Bier der Oettinger-Brauerei zählt zu den meistgekauften deutschen Bieren. Für viele dürfte es auch als das billigste Bier Deutschlands gelten. Einen offiziellen Rekordhalter gibt es hier aber nicht. Wer sich dazu ein Urteil bilden möchte, sollte wohl am besten ins nächstgelegene Supermarktregal blicken.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text zählt bei unseren Leserinnen und Lesern zu den beliebtesten Stücken und wird deshalb immer wieder ausgespielt.
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