Besonders früher Beginn und schwere Verläufe in jeder Altersklasse: Die Grippe-Welle in diesem Jahr hat bereits jetzt viele Menschen erwischt. Influenzaviren sind derzeit für mehr als die Hälfte der Atemwegserkrankungen verantwortlich. Dabei ist besonders die neue Variante, die sogenannte Subklade K, für viele der Influenza-Infektionen verantwortlich. Diese Mutation wurde einerseits bereits im Sommer und damit ungewöhnlich früh nachgewiesen. Andererseits weist sie viele Veränderungen zum vorherigen Virusstamm auf. Das hatte zur Folge, dass die Grippe-Welle früher gestartet ist, „mit einer insgesamt hohen Krankheitslast“, sagt Jörg Schelling, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin sowie Vorstandsmitglied des Bayerischen Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes.
Die registrierten Grippe-Fälle in Bayern aus der Meldewoche drei liegen mit 4121 deutlich über dem Niveau der Vorjahre, das zeigen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 3428. Aufgrund der neuen Virus-Variante gab es Bedenken, ob die Grippe-Impfung in dieser Saison überhaupt effektiv sei. Zum Hintergrund: Die Weltgesundheitsorganisation gibt vor der Grippe-Saison eine Einschätzung ab, welche Influenzaviren voraussichtlich zirkulieren werden. Nach dieser Einschätzung wird anschließend der Impfstoff hergestellt.
Grippe-Welle 2026: Aktuell müssen vor allem Schulkinder ins Krankenhaus
Experte Schelling kann jedoch beruhigen: „Erste Daten zeigen eine nicht herausragende, aber moderate Schutzwirkung. Trotz genetischer Veränderungen der Subklade schützt die Impfung weiterhin gut vor schweren Verläufen“ – beispielsweise also davor, ins Krankenhaus zu müssen. Die Zahl der Hospitalisierungen ist laut dem Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei Schulkindern in der vergangenen Woche stark angestiegen.
Auch das RKI geht von einem ausreichenden Schutz der Impfung aus. Es sei jedoch möglich, „dass in dieser Saison bei Viren der Subklade K der Schutz vor einer Infektion nach der Grippe-Schutzimpfung etwas verkürzt sein könnte, vor allem bei jüngeren Personen.“ Die Impfempfehlung der Stiko für Menschen über 60 und chronisch Kranke gelte weiterhin. Auf Anfrage teilt das RKI außerdem mit, dass Mutationen wie in diesem Jahr gerade bei Grippeviren leicht entstehen können. Die Symptome haben sich indes nicht verändert: plötzliches, hohes Fieber sowie ein starkes Krankheitsgefühl, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost und langanhaltender Husten.
Viele Influenza-Fälle in Deutschland: „Die Praxen sind stark ausgelastet“
Während die Influenza-Situation in den Krankenhäusern auf einem moderaten Niveau ist, sehe das in Praxen der Hausärztinnen und Hausärzte anders aus, sagt Jörg Schelling: „Die Praxen sind stark ausgelastet, mit vielen akuten Atemwegsinfekten und hohem Beratungsbedarf.“ Wann die Grippe-Welle wieder abebbt, lässt sich bislang nicht vorhersagen. In den vergangenen Jahren lag der Höhepunkt der Infektionen meist in der Meldewoche sechs. Experte Schelling teilt auf Anfrage mit: „Voraussichtlich noch mehrere Wochen, mit einem langsamen Abklingen Richtung Spätwinter. Wenn es nochmals sehr kalt wird, kann die Welle auch nochmals zunehmen.“
Immerhin: Bei den Werten für die Influenza A-Viruslast im Abwasser deutet sich ein leichter Rückgang an. Die Atemwegserkrankungen sind aber noch längst nicht ausgestanden. Im RKI-Bericht heißt es weiter: „Die RSV-Last im Abwasser ist weiter gestiegen.“ RS-Viren sind Erreger, die vor allem im Herbst und Winter auftreten und die oberen und unteren Atemwege befallen. Während bei Erwachsenen eine Infektion meist mild verläuft, sind Kleinkinder, Säuglinge sowie Menschen über 75 Jahre stärker gefährdet. An die Grippe-Welle könnte sich also eine RSV-Welle anschließen.
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