Startseite
Icon Pfeil nach unten
Bayern
Icon Pfeil nach unten

Kühltürme gesprengt: Das passiert mit dem Schutt von Gundremmingen

Atomkraftwerk Gundremmingen

Nach der Sprengung der Kühltürme: Wohin mit dem ganzen Schutt?

  • |
  • |
  • |
  • |
    Viele kleine Schuttberge häufen sich rund um die Überbleibsel der Kühltürme, die demnächst mit Baggern abgetragen werden.
    Viele kleine Schuttberge häufen sich rund um die Überbleibsel der Kühltürme, die demnächst mit Baggern abgetragen werden. Foto: Alexander Kaya

    Der Staub hat sich gelegt, zwei Tage nach dem großen Bumm. Schon am Sonntag ragten die Überbleibsel der beiden Kühltürme am ehemaligen Kraftwerk Gundremmingen klar sichtbar in den Himmel. Durch den Regen sind auch die letzten Schmutzpartikel der Sprengung aus der Luft gewaschen.

    Pro Turm sind 28.000 Tonnen Stahlbeton niedergegangen. So viel Schutt bleibt von den zwei Giganten, einst 160 Meter hoch. Innerhalb von vier Jahren gebaut, zusammengefallen in etwa 45 Sekunden. 20 bis 110 Zentimeter dick waren die Betonwände, die nun als Geröll das Gelände auf der Flur von Gundremmingen (Kreis Günzburg) übersäen.

    Transport und Aufbereitung des Schutts dauern ein halbes Jahr

    Was passiert mit all dem Baustoffbruch? Er soll abtransportiert und zu hochwertigem Recycling-Schotter aufbereitet werden. Jan Peter Cirkel, Pressesprecher beim Betreiber RWE, geht davon aus, dass „Aufbereitung und Abtransport sicherlich rund ein halbes Jahr dauern werden“.

    600 Kilogramm Sprengstoff in 1800 Bohrlöchern haben die beiden Kühltürme am Samstag von der Landkarte Schwabens gelöscht. Planmäßig kippte erst der Turm von Block B ein wenig zur Seite und fiel dann in sich zusammen. 15 Sekunden später kollabierte sein Zwilling von Block C. Sie hatten 47 Jahre lang dafür gesorgt, dass die Donau nicht zu stark mit Abwärme aus dem Betrieb des seit Ende 2021 abgeschalteten Kraftwerks belastet wurde. Mit radioaktivem Material waren die Bauten nicht in Kontakt gekommen.

    Die Baustelle ist seit dem Ende der Aktion großflächig mit Zäunen versperrt. Menschen, die sich in den Tagen nach der Sprengung noch einmal auf den Weg zur Rückbauanlage machen, sehen schon von Weitem die etwa 20 Meter hohen Turmruinen. Jenes Fundament, das die Sprengung nicht mitgerissen hat. Es soll demnächst mit Baggern „eingedrückt“ werden, wie Cirkel es beschreibt. Die dunkelgrauen Schutthaufen, die sich wie ein flaches Gebirge über das Areal erstrecken, sind vielleicht fünf, sechs Meter hoch. Dass die einzelnen Schuttberge trotz der unglaublichen Menge an Material so niedrig sind, liegt schlicht an der Größe der Fläche, über die sie sich verteilen. Allein jeder der beiden Kühltürme hatte einen Durchmesser von maximal 139 Metern und damit eine Fläche von mehr als 15.000 Quadratmetern.

    Bislang sei die Baustelle noch gar nicht befahren worden, erklärt Cirkel. Und für die Aufbereitung des Schotters ist RWE zufolge auch noch kein externes Unternehmen beauftragt. Wie viele Lastwagen dafür im Einsatz sein werden, lässt sich bisher also noch nicht beantworten. „Da die Rückbauanlage gut an das übergeordnete Straßennetz angeschlossen ist, erwarten wir keine Belastungen der Gemeinde Gundremmingen durch Lkw“, erklärt der Pressesprecher.

    Material der Kühltürme soll in der Region verkauft werden

    Ziel des Betreibers sei, das Material möglichst regional verwerten zu lassen. Recycling-Schotter ist ein begehrter Baustoff und wird unter anderem als stabiles Fundament bei Pflasterarbeiten, zur Aufschüttung von Schotterwegen und in der Gartengestaltung verwendet.

    Zwischenzeitlich hatte es Spekulationen gegeben, der wiederaufbereitete Sprengschutt werde direkt vor Ort für die nächsten Baumaßnahmen rund um die Rückbauanlage verwendet. Das stimmt aber nur für einen kleinen des Recycling-Schotters. „Der größte Teil soll als gefragter Baustoff am Markt in der Region platziert werden.“

    Der Moment der Spengung: Samstagmittag waren die Türme Geschichte.
    Der Moment der Spengung: Samstagmittag waren die Türme Geschichte. Foto: Alexander Kaya

    Ein bisschen Kraftwerks-Splitt für den eigenen Garten? Warum nicht, denken sich womöglich manche der rund 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die das Sprengstoff-Spektakel am Samstagmittag auf den Hügeln, Wegen und Wiesen rund um die Anlage verfolgt hatten. Für viele waren die „Wolkentürme“, wie sie in der Region oft genannt wurden, ein Stück Heimat. Andere fürchteten die Kernenergie als Gefahr und sind froh, sie überwunden zu sehen.

    Am Energiestandort im Kreis Günzburg soll aus dem Schutt etwas Neues entstehen. Schon am Mittwoch treffen sich RWE-Vertreter und Kommunalpolitiker mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zum Spatenstich für den neuen Batteriespeicher, der mit einer Leistung von 400 Megawatt der größte mindestens in Süddeutschland werden soll. Batteriespeicher sind dafür da, Schwankungen im Stromnetz in Sekundenschnelle auszugleichen. Übers Geröll müssen Söder und Co. aber nicht klettern. Die Schuttberge sind zwar in unmittelbarer Nähe, aber die Sprengungsstelle steht unter dem sogenannten Atomrecht. Pressesprecher Cirkel sagt: „Da kommt man nicht rein.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren