Die Aussichten fürs Vatertagswochenende sind trüb: kühle Temperaturen, dazu Regen und teils heftige Schauer, in den höheren Lagen sind sogar Schneefälle möglich. Schlecht für alle, die freihaben. Die Natur aber braucht den Regen dringend. Denn seit Monaten ist es viel zu trocken.
Das zeigt auch die Bilanz, die das Landesamt für Umwelt (LfU) für das zurückliegende Winterhalbjahr gezogen hat. Zwischen November und April hat es deutlich zu wenig geregnet und geschneit. Insgesamt kam ein Drittel weniger Niederschlag zusammen als im langjährigen Mittel. Einzige Ausnahme war der Februar, wo sich Schnee und kräftige Regenfälle abwechselten. Alle anderen Monate waren deutlich zu trocken, allem voran das Frühjahr: Im April kamen im bayerischen Durchschnitt nur 17 Liter Regen zusammen, in Augsburg waren es sogar nur sieben. Damit war der April der zweittrockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Eigentlich sollten die Grundwasserspeicher gefüllt sein, bevor der Sommer kommt
Die Folgen lassen sich vielerorts beobachten. Vor dem jüngsten Regen waren Felder bisweilen so ausgedörrt wie sonst im Hochsommer, ungewöhnlich früh im Jahr mussten Einsatzkräfte Waldbrände wie am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen bekämpfen. Die Wasserstände in Seen und Flüssen sind niedrig, zum Teil führen Bäche so wenig Wasser wie sonst in heißen, trockenen Sommern, sagt Stefan Ossyssek vom Bund Naturschutz. Mit Blick auf die Grundwasserstände nennt Ossyssek die Lage „besorgniserregend“. In den oberen Erdschichten verzeichneten zwei Drittel der Messstellen zuletzt niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände, in tieferen Lagen galt das für 62 Prozent der Messstellen.
Das Problem ist: Am Ende des Winters sollten die Wasserspeicher vom Regen und der Schneeschmelze eigentlich gefüllt sein, bevor im Sommer weniger Niederschlag fällt und die Pflanzen zudem mehr Wasser benötigen. „Doch die trockenen Winter werden immer häufiger“, sagt Ossyssek. Die Folge: Das Grundwasser schwindet. In der Tiefe wird immer weniger davon neu gebildet, seit 2003 liegt das mittlere Defizit bei jährlich 15 Prozent.
Ob Bayern ein neues Dürrejahr mit extremer Trockenheit droht? Harald Kunstmann, der den Lehrstuhl für regionales Klima und Hydrologie an der Universität Augsburg leitet, rechnet nicht damit. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass es im nächsten halben Jahr in Deutschland überdurchschnittlich trocken werden könnte“, erklärt der Klimaforscher. Die Experten des LfU sprechen von einer „ungünstigen Ausgangslage“ für den Sommer. Ähnlich niedrig war der Grundwasserstand um diese Jahreszeit zuletzt 2020. Was dann folgte, war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und das dritte Dürrejahr in Folge.
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