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Kommentar: Kürzere Sommerferien lösen kein Betreuungsproblem

Kommentar

Wer kürzere Sommerferien fordert, denkt nur an sich und nicht an die Kinder

Christina Heller-Beschnitt
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    Sommerferienzeit ist Badezeit. Aber sollte diese freie Zeit kürzer ausfallen? Auf keinen Fall.
    Sommerferienzeit ist Badezeit. Aber sollte diese freie Zeit kürzer ausfallen? Auf keinen Fall. Foto: Christophe Gateau, dpa

    Es stimmt: Sechs Wochen Sommerferien sind lang. Viel zu lang für Eltern. Denn die haben meist nur zwischen 25 und 30 Tage Urlaub im Jahr. Und ihre Kinder kommen im Jahr 2025 auf 65 Ferientage. Das Gros entfällt auf die Sommerferien. Nun muss niemand ein Rechen-Ass sein, um folgende Gleichung aufzustellen: 65 Ferientage-(30+30 Elternurlaubstage)=Betreuungsproblem. Und das, obwohl das Elternpaar im Beispiel schon mehr Urlaub hat, als gesetzlich Pflicht ist und jeden Tag getrennt voneinander nehmen müsste. Nur: Die mathematisch richtige Lösung, nämlich einfach an den Ferientagen zu kürzen, damit die Gleichung aufgeht, ist gesellschaftlich ein Irrweg.

    Das hat inzwischen der Bayerische Elternverband deutlich gemacht. Dieser hat die Debatte um kürzere Sommerferien losgetreten, indem er darauf hingewiesen hatte, dass Eltern ein Betreuungsproblem bekommen. Nun aber sagt der oberste bayerische Elternvertreter, Martin Löwe: „Die Sommerferien haben sich unsere Schülerinnen und Schüler redlich verdient! Wer hier Kürzungen vornehmen möchte, bestraft die Kinder für die Einfallslosigkeit anderer.“ 

    Kinderbetreuung wird zur Zerreißprobe für Eltern – nicht nur in den Sommerferien

    Genau hier liegt das Problem. Ja, Kinderbetreuung in den Sommerferien – und übrigens nicht nur dann – ist schwer zu stemmen. Aber diese Herausforderung zu lösen, wird alleine den Eltern überlassen. Wer Großeltern hat, die auf die Kinder aufpassen, oder genug Geld, um die Kinder ins Feriencamp zu schicken, hat Glück, alle anderen das Nachsehen. Das Problem der Kinderbetreuung zeigt sich in den Sommerferien wie unter einem Brennglas.

    Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird zunehmend zur Zerreißprobe. In immer mehr Familien arbeiten beide Elternteile, entweder, weil sie möchten oder sich das Leben nicht anders leisten können. Dass qualifiziert Frauen arbeiten ist zudem politisch erwünscht. In seiner ersten Regierungserklärung im Mai sagte Kanzler Merz, die Deutschen arbeiteten zu wenig. Und es stimmt: Pro Kopf haben die Deutschen eine niedrigere Wochenarbeitszeit als andere. Das liegt vor allem an der hohen Teilzeitquote unter Müttern. Der finanzielle Druck – durch Inflation und Reallohnverlust – und der gesellschaftliche Druck, zum Wohl des Aufschwungs mehr Zeit in Erwerbsarbeit zu stecken, wächst also. Nur: Wo soll die Zeit herkommen?

    Denn die Betreuungskatastrophe im Land dauert an: Unterrichtsausfälle sind Normalität. In Krippen, Kindergärten und Horten fehlen tausende Fachkräfte. Gerade in den Wintermonaten reiht sich eine Krankheitswelle an die nächste. Notbetreuung wird zur Regel. Das alles bringt Eltern an ihre Belastungsgrenzen. Sie jonglieren Arbeit und Kinder und werden weitgehend alleingelassen. Und jetzt kommen noch die scheinbar nie endenden Sommerferien. Kinderbekommen ist immer wieder Gegenstand öffentlichen Diskussionen. Sei es, wenn Menschen sich darüber beklagen, dass die Geburtenrate wieder sinkt. Oder wenn die Legalisierung von Abtreibung heftige Streits auslöst. Kinderhaben – und der dazugehörige Kraftakt – sind dagegen reine Privatsache.

    Kinder brauchen Raum und Zeit, um die Gesellschaft mitgestalten zu können

    Es gibt vorbildliche Arbeitgeber, die die Not der Eltern erkannt haben. Sie bieten für die Kinder ihrer Belegschaft Ferienprogramme an. Allein, es sind wenige. Und auch einige Kommunen werden kreativ und bieten Ferienprogramme an, um die Betreuungslast von den Eltern zu nehmen.

    Ein Land, das Kinder, Eltern und ihre Belange ernst nimmt, fördert genau solche Ideen. Und denkt nicht, die beste Lösung wäre es, an der Freizeit der Kinder zu kürzen. Die können nämlich am aller wenigsten dafür, dass die Gesellschaft zwar Kinder haben, ihnen aber weder genügend Raum noch ausreichend Zeit einräumen möchte.

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