Die Insolvenzwelle hat 2025 einen neuen Rekord aufgestellt: Seit zehn Jahren lag die Gesamtzahl an Firmen, die nicht mehr zahlungsfähig sind und einen entsprechenden Antrag auf Insolvenz gestellt haben, nicht höher als in diesem Jahr. Obwohl im direkten Vergleich zum Vorjahr im Land der Zuwachs der Insolvenzen geringer ausfällt, gibt es im Jahresverlauf insgesamt fast 24.000 Fälle, so viele wie zuletzt 2015. Nur wenige spielen in Schwaben – doch auch hier ist der Trend nachweisbar. Bayern schneidet zwar vergleichsweise glimpflich ab, doch auch im Freistaat rollt die Welle unermüdlich weiter.
Mehr Firmenpleiten: Wie ist die Lage in Schwaben?
Geht es nach aktuellsten Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ist die Lage im Land recht eindeutig: Die Zahl der Firmenpleiten erreicht 2025 ein Zehn-Jahres-Hoch. Dem neuen Bericht nach aber ist der Höhepunkt allerdings noch gar nicht erreicht. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, erklärt, dass allen voran der Mittelstand unter „massivem Druck“ steht. Viele Mittelstandsfirmen können diesem offenbar nicht standhalten. Hantzsch erklärt: „Viele Betriebe sind hoch verschuldet, kommen schwer an neue Kredite und kämpfen mit strukturellen Belastungen wie Energiepreisen oder Regulierung.“
Auch in Schwaben bleiben die Nachrichten über Firmenpleiten nicht aus. Allein der Blick auf die zurückliegenden Monate offenbart, dass die Bandbreite an Branchen groß ist. Beispiele aus der Region gibt es einige. Eine Auswahl an Unternehmen, die ihren Sitz hier haben oder zumindest Filialen unterhalten/unterhielten:
- Finanzierungsrunde gescheitert, Insolvenzverfahren gestartet: Das Augsburger Hightech-Unternehmen German Bionic steckt in der Krise und ist insolvent. Bei der Entwicklung von Exoskeletten gilt die Firma als führend. Das Unternehmen selbst bleibt optimistisch, noch die Kurve zu bekommen.
- Im Landkreis Augsburg hat es Roschmann Stahl und Glas in Gersthofen erwischt: 100 Mitarbeitende werden entlassen, lediglich ein Kernteam bleibt erhalten, das zunächst begonnene Aufträge abarbeitet. Zumindest für einen andere Teil der Roschmann-Gruppe aber wurde ein Investor gefunden.
- Auch vor der Gastronomie macht die Insolvenzwelle keinen Halt: Leidtragender ist so unter anderem Nördlingens Sternekoch: Jockl Kaiser und sein Wirtshaus Meyers Keller befinden sich in der Insolvenz. Der Inhaber möchte einen Neustart wagen.
- Mehrere Hundert Stellen sind gefährdet, auch in der Augsburger Filiale könnten die Konsequenzen zu sehen sein. Die Rede ist vom Unterwäsche-Filialist Herzog & Bräuer. Das Unternehmen hat mehr als 100 Filialen und hat einen Antrag auf Insolvenz gestellt.
- Ähnliche Situation bei Polo Motorrad: Das Motorsportunternehmen hat allein in Schwaben drei Filialen. Seinen Sitz hat das Unternehmen jedoch in Jüchen (Nordrhein-Westfalen).
Das Bayerische Landesamt für Statistik weist allein im ersten Halbjahr 2025 7340 Insolvenzverfahren aus und damit im Vergleich zur zweiten Hälfte 2024 ein Anstieg um sechs Prozent. Im Regierungsbezirk Schwaben gab es sechs Verfahren weniger. Insgesamt, so geht aus der Analyse von Creditreform wiederum hervor, hält sich Bayern im Vergleich der Bundesländer wacker.
Gleichzeitig gibt es in Sachen Unternehmertum auch erfreuliche Nachrichten aus der Region. Allein im November haben in Augsburg gleich mehrere Cafés und Restaurants Neueröffnung gefeiert.
Insolvenzwelle 2025: So schneidet Bayern im Landesvergleich ab
Bernd Bütow, Hauptgeschäftsführer von Creditreform, zeichnet ein düsteres Bild für 2026. „Die deutsche Wirtschaft verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Hohe Kosten, Bürokratie und die anhaltende Konjunkturschwäche werden das Insolvenzgeschehen weiter antreiben“, warnt er. Obwohl die Bundesregierung Milliarden-Investitionen plant und das die Welle schwächen könnte geht Bütow davon aus, dass „zusätzliche strukturelle Maßnahmen“ nötig werden. Als Beispiel wird eine Entlastung bei den Stromkosten genannt, „um die wirtschaftliche Basis wieder zu stabilisieren und den Anstieg zu drosseln“.
Betracht man die Insolvenzquote für die einzelnen Bundesländer fällt allen voran Bayern auf. Der Freistaat rangiert mit von Creditreform geschätzt 55 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen im oberen Bereich Liste und muss vergleichsweise wenig Insolvenzverfahren bestreiten. Am andere Ende liegt beispielsweise Berlin mit einer Quote von 130. Die Insolvenzbetroffenheit unterscheidet sich regional jedoch deutlich. Das Ranking bezüglich der Insolvenzquote 2025 stellt sich demnach wie folgt auf, sortiert von wenigen hin zu vielen Insolvenzen:
- Thüringen: 48 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen
- Bayern und Brandenburg: 55
- Mecklenburg-Vorpommern: 61
- Baden-Württemberg: 64
- Rheinland-Pfalz: 69
- Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: 70
- Sachsen: 72
- Schleswig-Holstein: 76
- Saarland: 77
- Hessen: 79
- Bremen: 97
- Hamburg: 99
- Nordrhein-Westfalen: 100
- Berlin: 130
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