Flensburg ist für Autofahrer ein Ort, den man gerne meiden möchte. Eigentlich. Hier, im hohen Norden Deutschlands, sitzt das Kraftfahrt-Bundesamt, wo unter anderem das Fahreignungsregister geführt wird. Im weniger förmlichen Duktus würde man sagen: In Flensburg tragen Beamte die Punkte ein, die Autofahrerinnen und -fahrer sammeln, wenn sie rücksichtslos Auto fahren. Wer zu viele Punkte hat, muss zumindest zeitweise auf seinen Führerschein verzichten. Doch es gibt auch einen anderen Eckpunkt in Flensburg, und der wiederum macht die Stadt in Schleswig-Holstein zu einem lohnenswerten Reiseziel für Vielfahrer.
Hier, nicht ganz zehn Kilometer nordwestlich der Hafenstadt, liegt der nördlichste Punkt im deutschen Autobahnnetz. Dort überquert die Autobahn A7 die Landesgrenze zu Dänemark und führt als E45 weiter in Richtung Aarhus. Manch einer wird sich nun fragen, was dieses Asphaltstück so weit oben im Norden nun mit Bayern und Schwaben zu tun hat. Die Antwort liegt in den Extremen: Denn einer der südlichsten Punkte im deutschen Autobahnnetz liegt auf der gleichen Fernstraße, am anderen Ende des Landes, im Regierungsbezirk Schwaben.
Von Flensburg bis Grenztunnel Füssen: Die A7 als längste Autobahn Deutschlands
Kaum verwunderlich also, dass die Strecke zwischen Flensburg und dem Grenztunnel Füssen, der den Übergang zwischen Deutschland und Österreich bildet, gleichbedeutend mit der längsten Autobahn in Deutschland ist. 962 Kilometer ist die A7 lang, passiert große Städte wie Hamburg, Hannover oder Würzburg auf ihrem Weg und durchquert etwa die Lüneburger Heide, die Romantische Straße sowie alle vier Großlandschaften Deutschlands. Der südlichste Teil der Strecke liegt dabei fast vollständig in Bayerisch-Schwaben.
Von Norden aus betrachtet geht es für die A7 erstmals bei Bad Brückenau auf bayerisches Gebiet, hier grenzt der Freistaat an Hessen. Es folgt eine längere Passage durch Franken, bevor sich württembergische und bayerische Abschnitte immer wieder abwechseln. Am Autobahnkreuz Ulm/Elchingen trifft die A7 auf die A8 – und den Regierungsbezirk Schwaben. Dort verläuft sie dann weiter bis Kellmünz im Landkreis Neu-Ulm, wo sie die Iller überquert und wieder auf württembergischem Terrain verläuft. Bei Fellheim und Heimertingen im Unterallgäu führt sie noch zwei Mal kurz wieder über schwäbisches Gebiet, bevor sie nördlich von Memmingen abermals die Iller überquert und ab hier dann den Freistaat nicht mehr verlässt – bis zur Tiroler Grenze bei Füssen.
Seit 2009: Südlichster Abschnitt der A7 fertiggestellt bei Füssen
Der Abschnitt von Memmingen bis zum Grenztunnel Füssen führt dabei an Dietmannsried, Kempten oder Nesselwang vorbei, rund 75 Kilometer lang ist der Abschnitt. Der weiter nördlich gelegene schwäbische Teil der A7 passiert zwischen Elchingen und Kellmünz etwa Neu-Ulm, Senden, Vöhringen oder Illertissen und ist rund 40 Kilometer lang, die beiden kurzen Abschnitte bei Fellheim und Heimertingen haben nur wenige hundert Meter Länge. Insgesamt sind es also etwa 115 Kilometer, die die A7 durch Schwaben verläuft. Immerhin rund zwölf Prozent der A7 sind somit schwäbisch.
Erste Bestandteile der A7 gab es übrigens schon vor rund 100 Jahren, als Teil der Autostraße vom Norden nach Frankfurt am Main – das heute nicht mehr an der A7 liegt. Der südlichste Abschnitt durch Schwaben wurde allerdings erst 2009 fertiggestellt. Die älteste sogenannte Autobahn war übrigens die A555 zwischen Köln und Bonn, die 1932 eröffnet wurde – also fast 80 Jahre vor dem A7-Ausbau in Südbayern.
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