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Diese zwei mittelständische Traditionsbetriebe aus Schwaben sind insolvent

Konjunktur

Pleite-Lawine rollt: Zwei weitere Mittelständler in der Region sind insolvent

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    Steuerungs-Technik Leuthe aus Bobingen ist in der Automatisierung und Robotik aktiv, trotzdem musste nun Insolvenz angemeldet werden. Im Bild Co-Geschäftsführer Daniel Leuthe.
    Steuerungs-Technik Leuthe aus Bobingen ist in der Automatisierung und Robotik aktiv, trotzdem musste nun Insolvenz angemeldet werden. Im Bild Co-Geschäftsführer Daniel Leuthe. Foto: Elmar Köchel

    Die Zahl der Firmenpleiten hat einen Rekordwert erreicht. Das hat unlängst das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle festgestellt: Die Zahl bewege sich auf dem höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten. Besonders betroffen sei das verarbeitende Gewerbe. Jetzt hat es in dieser Woche abermals zwei Mittelständler getroffen – eines davon aus dem Hightech-Bereich.

    Insolvent ist zum einen die STL Steuerungs-Technik-Leuthe GmbH aus Bobingen im Kreis Augsburg. Das Unternehmen ist auf die Automatisierung von Industrieunternehmen spezialisiert. Es bietet Robotiklösungen an und arbeitet dabei mit dem bekannten Münchner Hersteller Universal Robots zusammen. Das Amtsgericht Augsburg hat dem Insolvenzantrag bereits am Dienstag stattgegeben. Das berichtet die Kanzlei BBL Brockdorf, die auch in Ulm und Augsburg Büros unterhält.

    STL: Geschäftsbetrieb läuft weiter, Investor gesucht

    Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bei der Steuerungs-Technik Leuthe ist Rechtsanwalt Constantin Graf Salm-Hoogstraeten von BBL Brockdorf bestellt worden. Derzeit verschaffe man sich ein Bild von der wirtschaftlichen Situation. Ziel sei es, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und Sanierungsmöglichkeiten zu prüfen. Auch ein Verkauf an Investoren sei denkbar. Der Geschäftsbetrieb werde derzeit uneingeschränkt fortgeführt.

    Betroffen von der Insolvenz von STL sind derzeit rund 15 Mitarbeiter. Das Unternehmen machte zuletzt rund zwei Millionen Euro Umsatz im Jahr. „Grund für den Insolvenzantrag ist insbesondere die anhaltend schwierige wirtschaftliche Entwicklung in Teilen der Industrie sowie eine zurückhaltende Investitionsbereitschaft vieler Kunden im Bereich Automatisierungs- und Produktionstechnik“, teilte die Kanzlei mit.

    Rauscher Pulverbeschichtung aus Thannhausen insolvent

    Insolvenz angemeldet hat auch die Rauscher Pulverbeschichtung GmbH & Co. KG mit Sitz in Thannhausen im Kreis Günzburg. Das Unternehmen ist auf die industrielle Pulverbeschichtung und die Veredelung von Metallbauteilen spezialisiert. Kunden stammen aus dem Maschinen- und Anlagenbau oder der Herstellung von Bau- und Fassadenelementen. Betroffen sind rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde ebenfalls Constantin Graf Salm-Hoogstraeten von der Kanzlei BBL Brockdorff berufen.

    Pulverbeschichtungsanlage der Firma Rauscher zur Veredelung von Metallteilen.
    Pulverbeschichtungsanlage der Firma Rauscher zur Veredelung von Metallteilen. Foto: Hans Bosch

    Auch für Rauscher Pulverbeschichtung sucht die Kanzlei nach einer Lösung für die Zukunft: „Die Unternehmen verfügen über langjährige Kundenbeziehungen und umfangreiche technische Expertise in ihrem Marktsegment“, teilte Insolvenzverwalter Salm-Hoogstraeten mit. „Gemeinsam mit der Geschäftsführung und allen Beteiligten werden wir nun die vorhandenen Fortführungs- und Sanierungsmöglichkeiten prüfen“, sagte er. Die Wurzeln des Traditionsunternehmens liegen im Jahr 1970.

    Schwierige Marktlage: Zahl der Insolvenzen auf Höchststand seit 20 Jahren

    Als Grund für die Insolvenz nennt die Kanzlei auch hier die schwierige Marktlage: „Belastend wirkten insbesondere die schwache Industriekonjunktur, rückläufige Auftragseingänge sowie deutlich gestiegene Energie-, Material- und Personalkosten“, teilte BBL Brockdorff mit. In beiden Fällen – sowohl bei STL Steuerungs-Technik-Leuthe als auch bei der Rauscher Pulverbeschichtung – sind die Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch das Insolvenzgeld bis Ende Juli 2026 gesichert.

    Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland ist im April dieses Jahres auf 1776 gestiegen, berichtet das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Dies seien drei Prozent mehr als im März dieses Jahres und zehn Prozent mehr als im Vorjahr, also im April 2025. „Damit lag die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften im April so hoch wie seit Juni 2005 nicht mehr“, warnen die Forscher.

    Für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft ist die höhere Zahl an Insolvenzen ein „Alarmsignal“ für den Standort: Besonders kritisch sei, dass die Insolvenzen in der Industrie überdurchschnittlich gestiegen seien, warnte unlängst Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

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