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Ein Feuerwerk des Italo-Schlagers: Roy Bianco in der Augsburger WWK-Arena

Konzertkritik

Ein Stadion erfüllt von „Amore“: Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys rocken die Augsburger WWK-Arena

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    Roy Bianco & die Abbrunzati Boys rocken die WWK-Arena.
    Roy Bianco & die Abbrunzati Boys rocken die WWK-Arena. Foto: Peter Fastl

    „Ciao!“ und „Arrivederci!“? Die Pfingstferien sind ausgebrochen – aber die Hauptschlagader nach Italien steht still. Große Demo auf der Brennerautobahn: Einheimische Tiroler wehren sich gegen den Massenverkehr zur Urlaubszeit. Eine Blaskapelle marschiert über den Asphalt und bläst zum Protest. Und wer nun an diesem Samstag einen Weg nach Italien sucht? Der kann stattdessen die B17 nehmen, zur WWK-Arena in Augsburg. Dort stehen in dieser Nacht sechs Männer auf der Konzertbühne und schmettern Lieder von einer Welt ohne Staumeldung: „Auf der Brennerautobahn seh‘ ich uns nach Süden fahren ... auf der Autostrada Richtung Modena“.

    Eine ganze Arena singt „Bella Napoli“ mit Roy Bianco

    Sie tragen Anzüge in cremeweißen Übergrößen und Schnauzbärte wie aus den 80ern. Im Publikum? Wedeln ihre Fans mit italienischen Fußballschals und grün-weiß-roten Flaggen. Auf ihren Trikots steht das Schnaps-Logo von Ramazzotti gedruckt. So feiert die Band Roy Bianco und die Abbrunzati Boys ein gigantisches Heimspiel: Die Schlager-Satire-Gruppe, die aus Augsburg stammt, aber auf Italienisch macht, krönt in der Arena ihre Laufbahn. Die Männer spielen ihr erstes Stadionkonzert und 25.000 singen mit. Es ist das erste Popkonzert überhaupt im Fußballstadion des FC Augsburg. Eine Arena erfüllt von „Amore“. Fragt sich nur: Ist das noch Schlager, Klischee und Nonsens – oder tatsächlich Liebe?

    So feierten die Besucher bei Roy Bianco & die Abbrunzati Boys

    Roy Bianco & die Abbrunzati Boys rocken die WWK-Arena
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    Roy Bianco & die Abbrunzati Boys rocken die WWK-Arena.

    „Ein herzliches Grüß Gott und ein feuriges Buongiorno!“, ruft Roy Bianco, der Chef der Band, in die Menge. „Das ist das größte Konzert, das Augsburg jemals erlebt hat!“ Und damit könnte Bianco recht haben: Auf dem Spielfeld und in den ausverkauften Rängen brodelt ein Geräuschpegel, den ein Bundesligaspiel kaum erreicht. Grölen, Klatschen und beim Refrain singen alle mit: „Quanto costa“, was kostet die Liebe? Roy Bianco lächelt dazu mit dem Charme eines Gebrauchtwagenhändlers. So kennt man ihn und seine Kollegen: die Abbrunzati Boys, Eisensepp, Ralph Rubin, Bungo Jonas und Blechkofler – so heißen sie in ihren Spaß-Rollen, die sie seit 2016 spielen. Aber die Satire nehmen sie ernst: „Wir haben uns einen Triumphbogen gebaut“, sagt Bianco. Denn über dem Bühnenbild von antiken Säulen biegt sich ein Schriftzug: „Sic transit gloria mundi“, wie der Römer sagt, „So vergeht der Ruhm der Welt“. Der Sänger erklärt: „Damit wir nie vergessen, woher wir kommen ...“

    Die Fans tanzen den „Schlagerstrudel“ im Stadion des FCA

    Die Fans haben für ihre Band sogar einen Tanz erfunden: den „Schlagerstrudel“. Dabei hüpfen die Zuschauer im Stadion gemeinsam im Kreis. Ein friedlicher Tornado von erwachsenen Menschen, die sich an die Schultern fassen und Polonaise tanzen. „Bella Napoli!“, sie brüllen den größten Hit der Band und tragen Trikots mit Nummer „82“. Eine Reminiszenz an das Gründungsjahr der Gruppe. Denn die Musiker mögen aussehen wie kaum 30 Jahre alt, und sie sind es auch. Doch laut ihrer eigenen – völlig unglaubwürdigen – Legende fanden sie schon 1982 zusammen. Es war in Sirmione, die Sterne funkelten. Roy Bianco traf auf den Gitarristen, der sich selbst im Plural „Die Abbrunzati Boys“ nennt. Dann begann laut dem Märchen ihre Karriere voll Glitter, Ruhm und Abstürzen.

    Nicht weniger absurd klingt die echte, wahre Geschichte der Gruppe: 2016 gründete sich die Spaßband. Die Männer trafen sich im „Hallo Werner“, einer Augsburger Kiezkneipe, und entwickelten ihre Rollen als Hobbyitaliener. Eine Lachnummer? Mit zwei Alben konnten sie auf Platz eins der deutschen Charts landen. Sie spielten bei Rock im Park und nahmen Songs in den Abbey Road Studios auf, wo schon die Beatles am Mikro standen. Die Nacht im FCA-Stadion gerät zum vorläufigen Höhepunkt ihres unwahrscheinlichen Aufstiegs.

    Die Show der Band schafft ein Flair von Frieden und Weltvergessenheit. Italo-Romantik und Kitsch, bis es trieft: Schumis schönste Momente im Ferrari fetzen über die Leinwand. Zu „Freude schöner Götterfunken“ spazieren die Musiker mit Fackeln durch die römischen Rundbögen. Aber wie viel Ironie und Schlager steckt wirklich in ihren Nummern: „Ponte di rialto“ könnte von den Zillertaler Schürzenjägern komponiert sein. Doch „Sophia Loren“ klingt fast wie Indie-Pop. Wenn das noch Satire ist, warum hämmert das Schlagzeug so laut und ehrlich? Und die Balladen rühren selbst in Stadion-Lautstärke.

    Roy Bianco und die Abbrunzati Boys in der WWK-Arena

    Viele Abbrunzati-Fans schwören, dass sie mit echtem, ernsten Schlager ja überhaupt nichts anfangen können. Eine Schutzbehauptung? Weil die aktuelle Weltlage nur mit Ironie zu ertragen ist? Zumindest lieben sie diesen viel zu schönen Fiebertraum von Italien. In dieser Schnulzen- und Fantasiewelt darf man noch Teutone sein, ein Bayer in Birkenstocks, dem die Tränen kommen, wenn er auf den Gardasee blickt. Das Stadionkonzert gelingt der Band so laut wie rührend, getüncht in Rot, Grün und Weiß. Es sind die Farben der Stadt Augsburg und die Farben Italiens.

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