Es ist höchste Zeit, die Gesundheitsversorgung besser zu schützen und für Patientinnen und Patienten sicherer zu machen: Das ist die Kernbotschaft des Safety Camps, des großen auch mit internationalen Experten besetzten Kongresses, auf dem sich Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin, Wirtschaft und Politik in Augsburg vernetzt haben, um gemeinsam diese Aufgabe zu lösen. Auf der Veranstaltung, einer Kooperation des Universitätsklinikums Augsburg mit der Augsburger Allgemeinen, wurde deutlich, warum die medizinische Versorgung so dringend optimiert werden muss. Wir stellen exemplarisch fünf wichtige Forderungen vor:
- „Frauen haben vermeidbare Nachteile, wir müssen Frauen besser schützen“: Das ist die Forderung von Professor Dr. Kai Zacharowski. Bei Frauen wirken, wie der Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Frankfurt, erklärte, nicht nur oft Medikamente anders als bei Männern, Frauen bräuchten beispielsweise auch eine andere Schmerztherapie. Doch Frauen seien in medizinischen Studien unterrepräsentiert. Besonders hob der Mediziner die aus seiner Sicht stark unterschätzte Gefahr von Blutarmut und deren schwerwiegenden Folgen hervor. Davon seien Frauen wesentlich häufiger betroffen als Männer, was wiederum zu einem erhöhten Risiko von Komplikationen gerade bei Operationen führen könne und sogar das Risiko für die Sterblichkeit erhöhe. Daher setzt sich Zacharowski dafür ein, dass besonders bei Frauen vor jeder planbaren Operation geprüft wird, ob eine Blutarmut vorliegt und diese vor dem Eingriff behandelt wird.
- Professor Ronni Gamzu, ehemaliger CEO des Tel Aviv Medical Centers und Generaldirektor des israelischen Gesundheitsministeriums, forderte beim Safety Camp vor allem eines: eine bessere Vorbereitung. Wie wichtig das sei, könnten andere Länder von Israel und dessen Erfahrungen – etwa beim Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 – lernen. „Wir müssen uns alle weiterentwickeln, Notfälle werde immer multidimensionaler und reichen von Kriegssituationen über Terror- und Cyberangriffe bis hin zu Pandemien. Man brauche, so Gamzu, eine klare Führung, die dann die Beteiligten an einen Tisch bringe. „Die Vorbereitung beginnt auf Regierungsebene, nicht in den Kliniken“, sagte Gamzu. Das Ziel sei, dass die Gesundheitseinrichtungen während Krisen funktionieren – und nicht nur davor oder danach. Für derlei Fälle brauche man etwa unterirdische Kliniken. Zudem müssten die Menschen für den Ernstfall vorbereitet werden. „Sie müssen trainieren, verschiedene Szenarien müssen simuliert werden.“ Außerdem, so Gamzu weiter, müsse man Daten sammeln. „Man muss genau wissen, was in jedem Krankenhaus, auf jeder Intensivstation passiert. Das hilft später in Krisensituationen, die man nicht managen kann, wenn man nur fragmentarische Daten hat.“
- Bayerns Digitalminister Fabian Mehring setzt auf mehr digitale Resilienz und betonte angesichts der aktuellen Entwicklungen die Bedeutung von Veranstaltungen, die sich das Thema auf die Fahnen schreiben. „Das Augsburger Safety Camp hat das Potenzial, zur Münchner Sicherheitskonferenz der internationalen Medizin zu werden“, sagte Mehring im Vorfeld der Konferenz unserer Redaktion. „Digitale Zukunftstechnologien sind längst kein Science-Fiction-Schreckgespenst aus der Zukunft mehr, sondern integrales Werkzeug moderner Medizin. KI und Co. retten schon heute täglich Leben.“ Zeitgleich seien gezielte Cyberangriffe auf die Kliniken weiter auf hohem Niveau, somit entscheide die Resilienz digitaler Infrastruktur im Ernstfall über Leben und Tod. „Moderne Krankenhäuser müssen demnach heute nicht nur heilen können, sondern auch an der Spitze des digitalen Fortschritts stehen, hochsensible Patientendaten schützen und ihre organisatorischen Strukturen wirksam gegen Cyber-Attacken verteidigen können“, betonte Mehring. „Unsere Lehre aus den geopolitischen Abhängigkeiten der Vergangenheit muss dabei lauten: maximale Innovationskraft, mehr digitale Souveränität, ausreichend Vorsorge und bedeutend mehr Resilienz.“
- Joe Kiani, Gründer der „Global Patient Safety Movement Foundation“, plädierte für eine bessere strategische Planung. Dazu gehöre, dass die verschiedenen Bereiche des Gesundheitssystems enorm eng vernetzt sein müssten, also etwa Kliniken, die Hersteller von Medizintechnik, politische Entscheidungsträger oder Patientenvertreter. Dabei müsse zwingend auf evidenzbasierte Praktiken gesetzt werden, Daten müssten intensiv genutzt werden – und das alles müsse sehr transparent passieren. Medizinische Fehler könnten massiv reduziert werden, sagte Kiani. Man müsse entsprechende Programme in den Kliniken implementieren und vor allem standardisieren, um sicherzustellen, dass menschliche Fehler vermieden werden. „Das kann tausende Leben retten.“
- „Wir brauchen einen hippokratischen Eid der KI“: Das forderte der IT-Experte und Journalist Richard Gutjahr auf dem Safety Camp gerade mit Blick auf die kommende Super-Intelligenz. Auf diese „gigantische Waffe“ sei keine Demokratie der Welt vorbereitet. Da wir alle mit unseren Daten die Munition lieferten, ist es für Gutjahr entscheidend, dass jeder in seinem eigenen Nutzungsverhalten der Sozialen Medien stärker „sein Herz, seinen Geist, sein Gewissen“ erforsche, „damit wir uns nicht schon bald alle gegenseitig umbringen“. Gutjahr betonte, dass neue Technologien gerade in der Medizin wichtig seien, gleichzeitig sei es dringender denn je, den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen und die Menschenwürde zu achten und zu schützen.
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