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Warum viele Herzinfarkte nicht erkannt werden

Gesundheit

Warum viele Herzinfarkte nicht erkannt werden

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    Auch Rückenschmerzen können ein Anzeichen für einen Herzinfarkt sein. Bei Verdacht sollte in jedem Fall schnell gehandelt werden.
    Auch Rückenschmerzen können ein Anzeichen für einen Herzinfarkt sein. Bei Verdacht sollte in jedem Fall schnell gehandelt werden. Foto: picture alliance/dpa (Symbolbild)

    Es waren heftige Rückenschmerzen, die Ellen Hrabak eines Nachts aus dem Schlaf rissen. „Habe ich mich verlegt?“, fragte sie sich, nahm ein Ibuprofen und schlief weiter. Doch im Lauf des nächsten Tages kehrten die Schmerzen umso heftiger zurück. Was war bloß los? „Ich kann doch nicht wegen so was die 112 anrufen!“, ging es ihr durch den Kopf. Als die Beschwerden unerträglich wurden, rang sich die 76-jährige Münchnerin doch dazu durch, den Notruf zu wählen. Es war ihre Rettung.

    Sie hatte heftige Rückenschmerzen - und wählte zum Glück den Notruf

    Der Notarzt machte ein EKG, erkannte Anzeichen eines Herzinfarkts und ließ sie sofort in das TUM Klinikum Deutsches Herzzentrum bringen. Dort wurde das verschlossene Herzkranzgefäß geweitet und durch einen Stent - ein kleines Röhrchen – gestützt. „Ich muss jetzt regelmäßig Medikamente nehmen. Ansonsten geht es mir aber richtig gut“, sagt Hrabak. „Ich hatte viel Glück im Unglück.“

    Nur, weil Ellen Hrabak den Notruf wählte, konnte sie gerettet werden. Ursache ihrer starken Rückenschmerzen war ein Herzinfarkt.
    Nur, weil Ellen Hrabak den Notruf wählte, konnte sie gerettet werden. Ursache ihrer starken Rückenschmerzen war ein Herzinfarkt. Foto: Ellen Hrabak

    Meistens macht sich ein Herzinfarkt durch Druck und beengende oder brennende Schmerzen im Brustkorb bemerkbar. Doch gerade bei Frauen kann es auch unspezifische Symptome geben, etwa Atemnot, Schweißausbrüche, Übelkeit – und in seltenen Fällen eben Rückenschmerzen. „Mir war das nicht bewusst. Deshalb habe ich auch gar nicht an einen Infarkt gedacht“, erzählt Hrabak. Ihre Geschichte macht deutlich, wie wichtig Aufklärung ist. So stehen die Koronare Herzkrankheit und der Herzinfarkt im Mittelpunkt der „Herzwochen“, die am 1. November beginnen. Bei dieser Aufklärungskampagne der Deutschen Herzstiftung werden in Bayern sowie im gesamten Bundesgebiet Info-Veranstaltungen stattfinden. 

    Vor allem Menschen, die familiär vorbelastet sind, sollten sich informieren

    Hrabak kann anderen Menschen nur raten, sich über die Symptome zu informieren – insbesondere dann, wenn sie familiär vorbelastet sind wie sie selbst. „Mutter, Vater, Tante, Onkel, Großeltern – alle sind sie an einem Herzinfarkt gestorben“, berichtet sie. „Ich habe das aber nur zur Kenntnis genommen und fröhlich vor mich hingelebt.“ Alles ging gut, bis Hrabak nach dem Tod ihres Mannes in eine schwere Krise geriet. „Auf einmal kam ein Tsunami von Aufgaben auf mich zu. Außerdem habe ich mich wenig bewegt, mich nicht gesund ernährt und war depressiv verstimmt.“ Rückblickend ist ihr klar, wie gefährlich die Situation war. Überhaupt weiß sie heute über Herzgesundheit gut Bescheid, insbesondere was Infarkte bei Frauen anbetrifft.

    Dabei sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht so groß wie häufig angenommen. „Die typischen Herzinfarkt-Symptome sind bei Männern und Frauen eigentlich gleich. Allerdings kommen ungewöhnliche Beschwerden bei Frauen etwas häufiger vor – warum, weiß man nicht“, sagt Stephan Achenbach, Direktor der Kardiologie am Universitätsklinikum Erlangen und Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. „Deshalb muss man bei Frauen, die unspezifische Beschwerden schildern, noch hellhöriger werden als bei Männern.“ Besonders aufmerksam sollten Menschen mit Diabetes sein: Da die Krankheit die Nerven schädigt, fehlen bei ihnen häufig die infarkttypischen Brustschmerzen. 

    Franz Christofori erlitt drei Herzinfarkte - immer verliefen sie anders

    Ohnehin verläuft jeder Infarkt ein bisschen anders. Das zeigen auch die Erfahrungen von Franz Christofori aus Augsburg, der gleich drei Herzinfarkte erlitten hat – mit drei unterschiedlichen Geschichten. Beim ersten Mal spürte Christofori immer wieder Druck und ein Brennen im Brustkorb. „Im Nachhinein ist mir klar, dass das typische Herzinfarkt-Symptome waren“, berichtet der 76-Jährige. „Damals habe ich mir aber nicht so viel dabei gedacht.“ Erst als sich die Situation zuspitzte, holte er ärztlichen Rat.

    Seit seinem ersten Infarkt hat sich Franz Christofori viel Wissen über Herzmedizin angelesen. Um zu Aufklärung und Prävention von Herzkrankheiten beizutragen, wurde er 2010 Ehrenamtlicher Beauftragter der Deutschen Herzstiftung in Augsburg.
    Seit seinem ersten Infarkt hat sich Franz Christofori viel Wissen über Herzmedizin angelesen. Um zu Aufklärung und Prävention von Herzkrankheiten beizutragen, wurde er 2010 Ehrenamtlicher Beauftragter der Deutschen Herzstiftung in Augsburg. Foto: Franz Christofori

    Kardiologen wie Achenbach kennen solche Berichte. „Etwa 50 Prozent aller Menschen, die zum ersten Mal einen Herzinfarkt erleiden, haben in den Tagen und Wochen davor immer mal wieder Beschwerden.“ Gerade der Druck auf der Brust sei typisch. „Würden sie sofort zum Hausarzt gehen, könnte man einige Herzinfarkte verhindern.“

    Eine Vorsorge-Empfehlung hat der Kardiologe

    Doch auch Christofori, der schon lange an einer Verengung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) leidet, hatte viel Glück. In den vergangenen 25 Jahren hat er eine Bypass-Operation sowie zahlreiche weitere Eingriffe am Herzen gut überstanden. Vor kurzem wurde ihm ein Herzschrittmacher samt Defibrillator eingesetzt, an den er sich gut gewöhnt hat: „Ich bin soweit fit.“ Seit seinem ersten Infarkt hat sich Christofori viel Wissen über Herzmedizin angelesen. Um zu Aufklärung und Prävention von Herzkrankheiten beizutragen, wurde er 2010 Ehrenamtlicher Beauftragter der Deutschen Herzstiftung in Augsburg. Seitdem hat er hier mit großem Engagement Vorträge und Aktionen zum Thema Herzgesundheit organisiert. Dieses Jahr kümmert er sich noch ein letztes Mal um die regionalen Veranstaltungen der „Herzwochen“, dann setzt er sich zur Ruhe – zumindest offiziell. Wie wichtig es für das Herz ist, sich privat weiter auf Trab zu halten, weiß er zur Genüge. Radfahren, Nordic Walking, Ergometer-Training, Spazieren – all das steht bei ihm regelmäßig auf dem Plan. Damit tut er genau das, was sich Ärzte wünschen. Gefragt nach seiner Vorsorge-Empfehlung sagt auch der Kardiologe Achenbach: „Ich habe drei Tipps. Die heißen: Bewegung, Bewegung und Bewegung!“

    Vorträge, Seminare, Aktionen

    Die „Herzwochen“ der Deutschen Herzstiftung stehen dieses Jahr unter dem Motto „Gesunde Gefäße – gesundes Herz. Den Herzinfarkt vermeiden“. Jetzt im November gibt es dazu zahlreiche Veranstaltungen in ganz Bayern. Unter anderem findet am Dienstag, 11. November, von 17 bis 19 Uhr eine Vortragsveranstaltung zum Thema „Verengte Herzgefäße erkennen und behandeln“ am Uniklinikum Augsburg. Weitere Infos und Termine unter https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/herztermine-und-veranstaltungen

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