Die bayerische Wirtschaft erhofft sich bei einem Zuschlag für Olympische Spiele in München einen ökonomischen Schub: Olympia sei „auch die einmalige Chance, den Standort international sichtbar zu machen und wirtschaftlich voranzubringen“, hofft Bertram Brossardt von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Spiele in München wären eine starke Werbung für den Wirtschaftsstandort, förderten das Image und erhöhten die Attraktivität der Region für Fachkräfte und Investoren, glaubt Brossardt. Das ‚Ja‘ der Münchner sei deshalb auch „ein klares Bekenntnis zu Fortschritt, Innovation und Stärke“.
Auch Manfred Gößl von der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern hofft auf positive wirtschaftliche Folgen durch einen Imagegewinn: „Mit Olympia in München können wir uns als weltoffene, moderne, wirtschaftlich starke und sportbegeisterte Region präsentieren.“ Dies könne „einen nachhaltigen Schub für unseren Wirtschaftsstandort auslösen“. Bayerns Tourismusministerin Michaela Kaniber (CSU) hofft zudem auf mehr Gäste aus dem In- und Ausland: „Für den Tourismus ist Olympia eine große Chance“, findet sie.
Werden die Wohnungen in München nun teurer?
Wirtschaftswissenschaftler sehen den ökonomischen Vorteil von Olympischen Spielen vor allem in einem Imagegewinn: Studien zeigten für die regionale Wirtschaft „überwiegend kleine, kurzlebige Effekte“ von sportlichen Großereignissen, sagt Klaus Wohlrabe vom Münchner Ifo-Institut. Wirtschaftlich lohne sich eine Olympiaausrichtung für das Gastgeberland im engen Sinn meist nicht, sagt der Experte. „Sie kann aber politisch, gesellschaftlich und symbolisch wertvoll sein.“
Beeinflussen Olympische Spiele den Wohnungsmarkt? Wohlrabe verweist auf Studien, die zeigten, dass Stadien und Infrastruktur die Immobilienpreise beeinflussten. Kurzfristig stiegen Mieten und Preise, weil die Nachfrage anziehe. Zudem würden Wohnungen dem Markt entzogen, wenn die Eigentümer sie lieber auf Plattformen wie Airbnb anböten. „In Städten wie München ist das ein Problem.“
Und gibt es Schub für die Verkehrprojekte?
Und was ist mit den zahlreichen Verkehrsprojekten in der Stadt? Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) erhofft sich für diese von Olympia einen massiven Schub – so es denn kommt: „So lange nicht entschieden ist, ob München tatsächlich bei Spielen 2036, 2040 oder 2044 zum Zug kommt, ist die direkte Auswirkung auf künftige Nahverkehrsprojekte schwer zu prognostizieren.“
Schon jetzt werde viel in den Nahverkehr investiert, so ist seit vergangener Woche mit dem Spatenstich am Ostbahnhof die komplette 2. S-Bahn-Stammstrecke im Bau. Sie soll nach derzeitiger Prognose im Dezember 2036 eröffnet werden. Die Kosten für das Projekt haben sich dramatisch erhöht und nähern sich mittlerweile der Zehn-Milliarden-Euro-Marke. Bernreiter: „Eine erfolgreiche Olympiabewerbung bietet die Garantie, dass die Bundesfördermittel sicher fließen und daher all die Maßnahmen rechtzeitig vor Olympia umgesetzt werden.“ Neben der zweiten Stammstrecke als wichtigstes Projekt gebe es das Programm „Bahnausbau Region München“ mit mehr als 40 Maßnahmen, das voraussichtlich profitieren würde.
Mit im Rennen sind noch Hamburg, Berlin und die Rhein-Ruhr-Region
Die Münchner Olympia-Planer machen jedenfalls Druck für eine schnellere Entscheidung bei der Kandidaten-Kür. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte: „Jetzt fluten wir den DOSB mit unseren Argumenten“. Er sieht „Riesenschwung“. Eigentlich will der Deutsche Olympische Sportbund erst im nächsten Herbst entscheiden. Neben München sind Hamburg, Berlin und die Rhein-Ruhr-Region im Rennen. (mit dpa)
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