Wenige Tage nach dem ersten genehmigten Wiederherstellungsversuch zeigt sich an der Münchner Eisbachwelle vor allem eines: mehr Schaum als Welle. Das grau-grüne Wasser wirbelt, nur an einer Seite steht es konstant – eine halbe Welle gewissermaßen. Einige amerikanische Touristen blicken unbeeindruckt auf das schaumige Wasser. Einst war die Eisbachwelle eine der größten Touristenattraktionen Münchens. Seit knapp vier Monaten ist sie platt. Die Surfwelle ist zum Streitthema und Politikum geworden. Wie ist der Stand einen Monat vor der Kommunalwahl?
Dieter Reiter über die Eisbachwelle: „Das schaut zum Teil schon gar nicht schlecht aus“
Vergangene Woche hatte die Münchner Surf-Community nach mehr als 100 Tagen, nachdem die Eisbachwelle im Oktober nach Reinigungsarbeiten verschwunden war, erstmals einen offiziellen Versuch zur Wiederherstellung mit Genehmigung der Stadt und unter Aufsicht eines Hydrologen begonnen. Eine brettartige Konstruktion wurde ins Wasser gelassen, auch Surfen war kurzzeitig erlaubt. Das Ergebnis blieb ernüchternd. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zeigte sich in einem Instagram-Video dennoch vorsichtig optimistisch: „Das schaut zum Teil schon gar nicht so schlecht aus.“ Max Malsy-Mink vom Surf-Club München widersprach: „Eher Spielerei und Schaulauf für die Stadt.“ Es sei „noch keine Lösung, aber ein Schritt auf dem Weg dahin“.
Wie es weitergehen soll, darüber wird zwischen Surfern und Stadt seit Monaten diskutiert. Am Freitag gab es eine erneute Gesprächsrunde. Das Gespräch war laut den Sportlern „konstruktiv“, es seien aber noch weitere Vorversuche nötig, bis es zu einem größeren „Hauptversuch“ kommen könne. „Wir werden den Druck auf die Stadt vor der Kommunalwahl am 8. März 2026 weiter aufrechterhalten und auf eine zeitnahe Lösung drängen“, schreibt der Surf Club in einer Pressemitteilung. Oberbürgermeister Dieter Reiter konnte nicht persönlich am Gespräch teilnehmen, „alle wesentlichen Dinge“ habe er aber bereits vor Ort mit den Surfern besprochen, heißt in der gemeinsamen Pressemitteilung von Stadt und Surf-Community.
Aljoscha Lubos will halbe Million investieren: „Ich bin bereit, es nach der Wahl zu machen“
Die Wiederherstellung der Eisbachwelle verzögert sich insbesondere wegen Fragen der Sicherheit und Haftung. Laut Malsy-Mink ist die technische Lösung simpel: Schon seit knapp 40 Jahren werde die Welle immer wieder durch eine Holzrampe stabilisiert, diese sei bisher von der Stadt geduldet worden. Nachdem im Frühjahr 2025 eine Surferin verunglückt war, wurden die Sicherheitsauflagen verschärft und der Einsatz von Hilfsmitteln zur Stabilisierung der Welle verboten. Eine Ende Dezember illegal installierte Holzrampe, die das Surfen kurzzeitig wieder ermöglicht hatte, wurde entfernt. Malsy-Mink betont, dass zum Zeitpunkt des Unfalls keine Rampe im Einsatz gewesen sei. Die Surferin war mutmaßlich mit ihrer Sicherheitsleine am Grund hängen geblieben.
Unmittelbar neben dem Bachufer fällt derzeit etwas anderes ins Auge: ein Wahlplakat. Darauf zu sehen ist Aljoscha Lubos, Geschäftsführer der Münchner Lubos-Kliniken und FDP-Kandidat bei der Kommunalwahl. Lubos hat angekündigt, 500.000 Euro privat in die Wiederherstellung der Eisbachwelle investieren zu wollen. „Ich halte das für einen PR-Gag“, sagt Malsy-Mink. „Dafür habe ich schon viel zu viele Ressourcen investiert“, widerspricht Lubos. München sei früher eine „Weltstadt mit Herz“ gewesen, dieses Flair werde durch steigende Auflagen zunehmend abgeschafft. „München wird immer spießiger und langweiliger“, sagt der 34-Jährige. Er wirft Politik und Verwaltung vor, die Wiederherstellung der Welle mit einer „Salamitaktik“ bis zur Wahl aufzuschieben. „Ich bin bereit, es auch nach der Wahl zu machen“, betont er.
Stadt München verschickt offenbar versehentliche Notiz
Lubos hatte Ende Januar ein schriftliches Angebot bei der Stadt eingereicht und nach eigenen Angaben zunächst „positive Signale“ erhalten. In der Empfangsbestätigung per E-Mail fand sich jedoch eine offenbar versehentlich mitgesendete Notiz. Auf einem gelben Post-it steht handschriftlich „Termin vereinbaren? Ja/Nein“, wobei „Nein“ eingekreist war. Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor. Die Stadt weist die Vorwürfe zurück, wie die Abendzeitung berichtet. Das „Nein“ habe lediglich die vorgeschlagenen Termine betroffen, man befinde sich weiterhin in internen Gesprächen.
Die Surf-Community wünscht sich den Erhalt der Eisbachwelle als freien, urbanen Raum ohne Investor und Regulierung. Bei einer Umfrage des Surf Clubs München sprachen sich 98 Prozent der mehr als 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegen eine Regulierung der Eisbachwelle aus, fast drei Viertel sind mit den aktuellen Entwicklungen unzufrieden. „Wo ein Wille, da eine Welle“, schreibt ein Teilnehmer.
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