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„Ziemlich respektlos“: Das halten Studierende vom Streit um die BAföG-Erhöhung

Augsburg

„Ziemlich respektlos“: Das halten Studierende vom Streit um die BAföG-Erhöhung

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    Studierende der Uni Augsburg sind bei der Debatte um die BAföG-Erhöhung anderer Meinung als Forschungsministerin Dorothee Bär. Von links oben im Uhrzeigersinn: Samuel Isler, Verena Eder, Dion Sadika und Susanna Hamann.
    Studierende der Uni Augsburg sind bei der Debatte um die BAföG-Erhöhung anderer Meinung als Forschungsministerin Dorothee Bär. Von links oben im Uhrzeigersinn: Samuel Isler, Verena Eder, Dion Sadika und Susanna Hamann. Foto: Dominik Thoma

    Die Lebenshaltungskosten steigen. Susanna Hamann fände es da „nur fair und verständlich“, wenn auch das BAföG angehoben wird. „Um es an die Lebensrealität anzupassen“, erklärt die 26-jährige Studentin. „Wohnungen werden teurer, Lebensmittel werden teurer“. Forschungsministerin Dorothee Bär sieht das jedoch anders.

    Die Politikerin rechnet nicht mit der geplanten BAföG-Erhöhung. Stattdessen sollten Studentinnen und Studenten ihr Geld selbst dazuverdienen. „Es ist kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben“, sagte die CSU-Ministerin kürzlich. Doch viele arbeiten bereits neben dem Vollzeitstudium. Und aus verschiedenen Gründen hat der Nebenverdienst seine Grenzen.

    Dass Bär Studierende als „privilegiert“ bezeichnet, findet eine Studentin „ungerecht“

    Bär begründet ihre Absage an die Erhöhung damit, dass der Staat an allen Enden Einschränkungen machen müsse. Das entspricht laut Hamann bislang nicht der Wirklichkeit: „Ich habe das Gefühl, dass es nur die sozial Schwächeren trifft.“ Sie sagt: „Die Debatte finde ich ziemlich respektlos den Studenten gegenüber.“ Dass Bär Studierende als „privilegiert“ bezeichnete, hält Hamann für „schrecklich“ und „ungerecht“.

    Sie erklärt: „Es wird immer davon geredet: Wir haben eine Bildungsgerechtigkeit und jeder kann alles machen. Jetzt soll es plötzlich ein Privileg sein. Das widerspricht sich eigentlich.“ Für Hamann sei Studieren heute im negativen Sinne ein Privileg, weil es sich nicht mehr jeder leisten könne.

    Studierende, die vor Ort eine eigene Wohnung benötigen, stehen vor Herausforderungen

    Auf der Website des Forschungsministeriums wird erklärt: Das BAföG solle es Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermöglichen, „eine ihrer Eignung und Neigung entsprechende Ausbildung zu absolvieren – auch wenn die Eltern diese Ausbildung nicht finanzieren können.“ Für den Student Samuel Isler sei eine Erhöhung sinnvoll, um das zu gewährleisten.

    Sollte darauf nun verzichtet werden, wäre es „nicht gerecht für die Studenten, da viele auch von woanders herkommen, herziehen und sich die ganzen Kosten nicht mehr leisten können“, erklärt Isler. Für viele machen es diese Herausforderungen schwer, sich den Lebensunterhalt finanzieren zu können – „und sich vielleicht auch noch auf das Studium zu konzentrieren, nebenbei“, meint der 24-Jährige.

    Verzicht auf BAföG-Erhöhung sei ein „falscher Anreiz für die Zukunft“

    Dion Sadiku studiert ebenfalls in Augsburg. Er sagt: „Ich finde, dass man da an den falschen Stellen spart, im Endeffekt sind Studierende auch ein Investment in die Zukunft für das Land.“ Durch steigende Kosten würde das Studium privilegierter werden, wenn nur Menschen mit einer besseren finanziellen Situation problemlos studieren können. „Das ist ein falscher Anreiz für die Zukunft.“

    Der 22-Jährige könne Bärs Argument nachvollziehen, dass an allen Enden gespart werden müsse und Studierende entsprechend arbeiten müssten, um sich den Lebensunterhalt finanzieren zu können. Dennoch ist er anderer Meinung: „Letztendlich kommt man darauf zurück, dass Menschen, die aus ärmeren Verhältnissen kommen, mehr dafür tun müssten, um dasselbe zu erlangen wie Leute, die bezüglich sozialer Umstände einfach mehr Glück hatten.“

    Wer BAföG beziehen will, kann nur begrenzt arbeiten

    Nicht jede Studentin oder jeder Student, der von Eltern kaum oder keine finanzielle Unterstützung bekommt, erhält BAföG. Das betrifft Verena Eder. Sie bekommt kein Geld, obwohl sie allein durch das Einkommen ihrer Eltern wohl dafür qualifiziert wäre. „Weil ich während der Schule schon viel gearbeitet habe und mir das für das Studium zur Seite gespart habe“, sagt die 21-Jährige. Dadurch habe sie den Vermögensfreibetrag von 15.000 Euro überschritten, der nicht für das BAföG angerechnet wird.

    „Für mich war es sehr ärgerlich, ich hatte es aus Fleiß getan und hatte letztlich dadurch nur Nachteile“, erklärt Eder. „Wäre ich etwas fauler gewesen, hätte ich vielleicht BAföG bekommen.“ Das sei eine Situation, die jedoch auch die Politik nicht begünstigen solle. Sie findet: Wenn darüber debattiert werde, dass Studierende mehr arbeiten sollen, sollte man auch über höhere Verdienstgrenzen nachdenken.

    Arbeit sollte das Studium nicht negativ beeinflussen

    Eder arbeitet an der Universität Augsburg und in der Gastronomie. „Ich würde mich als sehr sparsame Person beschreiben, dementsprechend komme ich auf jeden Fall hin – allerdings nur durch ein Stipendium, das ich nebenbei bekomme“, erzählt sie.

    Zu viel Arbeit könne die Qualität des Studiums auch beeinträchtigen, findet Hassan Khodsiani. Der 32-Jährige hat sein Studium bereits abgeschlossen und ist nun Doktorand. Nebenbei zu arbeiten sei so lange möglich, bis es Studierende davon abhält, ihrer Hauptaufgabe nachzukommen, sagt Khodsiani. „Sie sollten mehr auf das Studium fokussiert sein, das ist auch der Sinn der Sache.“

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