Startseite
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten
Lauingen
Icon Pfeil nach unten

Atomkraftgegner sehen Gefahr durch Desinteresse am Atommüll-Endlager

Lauingen/Gundremmingen

Sie wollen weiter unbequem sein: Atomkraftgegner prangern Umgang mit Atommüll an

  • |
  • |
  • |
  • |
    Frischer Wind durch die beiden Experten, Verjüngung im Forums-Vorstand: Raimund Kamm, Ko-Vorsitzender (rechts), begrüßte ausgewiesene Fachleute der Windbranche wie Kristina Willkomm und Georg Honold.
    Frischer Wind durch die beiden Experten, Verjüngung im Forums-Vorstand: Raimund Kamm, Ko-Vorsitzender (rechts), begrüßte ausgewiesene Fachleute der Windbranche wie Kristina Willkomm und Georg Honold. Foto: Günter Stauch/Peter Kneffel, dpa (Archiv)

    „Wir müssen weiterhin Flagge zeigen und dürfen die Energiewende nicht stranden lassen“, appellierte Forums-Vorstandsmitglied Raimund Kamm am Ende einer in jeder Hinsicht aufregenden Jahreshauptversammlung im historischen Wirtshaus Becher zu Lauingen. Dafür, dass die rund vier Dutzend Gäste im urgemütlichen Lokal nur wenige Luftlinien-Kilometer entfernt von „Deutschland größten Atommüll-Lager, einer der größten Gefahren im Land“ (Kamm) saßen, konnte die Stimmung bei den engagierten Atomkraftgegnern kaum besser ausfallen.

    Dazu trug wohl auch die launige Bilanz des Co-Vorsitzenden beim „Forum: Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik“ bei, die mit einem zufrieden lächelnden Redner so begonnen hatte: „Alle Atomkraftwerke sind und bleiben für immer abgeschaltet, die erneuerbaren Energien kommen stetig voran.“ Auch hätten zum Beispiel die Photovoltaik-Anlagen im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom als Kohle- oder Gaskraftwerke abgeliefert. Die Versorgungssicherheit, so berichtete der erfahrene Streiter gegen die strahlende Energieform weiter, sei – gemessen an jährlichen Minuten Stromausfall – auf Rekordniveau und viel besser als zum Beispiel in Frankreich und den USA.

    Über die knapp 160 Castoren: „In jedem einzelnen steckt so viel extrem lang andauernde Strahlung wie in Tschernobyl insgesamt freigesetzt wurde“

    Auf Letztere bezog sich der langjährige Politiker mehrmals an diesem Abend, als er von dem dortigen „Wahnsinnigen“ sprach – eine eher untypische Wortwahl von einem Mann aus Nordrhein-Westfalen, sonst eher bekannt für seine ruhige, besonnene Art mit selten aufbrausenden Momenten. Doch beim nachfolgenden Thema hielt es den ehemaligen Landtagsabgeordneten, der immer wieder das Desinteresse seiner Kolleginnen und Kollegen beim Thema Endlager anprangerte, kaum noch auf dem Stuhl. „In Gundremmingen stehen beinahe 160 Castoren und in jedem einzelnen steckt so viel extrem lang andauernde Strahlung wie in Tschernobyl insgesamt freigesetzt wurden“, zürnte Raimund Kamm und bezog sich auf die Transportbehälter benutzter Brennstäbe und die Atomkatastrophe 1986 in einer Region der heutigen Ukraine.

    „Die Endlagerung soll viele Jahrzehnte später erfolgen – unverantwortlich!“ Dem sichtlich verärgerten früheren Grünen-Politiker stand dabei hilf- wie argumentenreich zur Seite die deutschlandweit bekannte Wissenschaftlerin Elisa Akansu. Die junge Frau aus der Region scheint mit ihrer eloquenten Art höchst geeignet für die anstehenden hitzigen Diskussionen über den richtigen Standort, schließlich gehört die frisch Promovierte schon länger einem offiziellen wie bedeutenden Beratungsgremium bei der Endlagersuche an.

    Über die Atomkraft: „Im Gegensatz zu vorangegangenen Generationen interessieren sich nur wenige junge Menschen für dieses Thema“

    Was die anwesenden Mitglieder, die mit Expertise zu einem spannenden Verlauf der Begegnung beitrugen, besonders entsetzte: Akansu ging ihren Erkenntnissen zufolge von einer Standortbenennung für das Lager der verbrauchten, aber noch für Hunderttausende von Jahren radioaktiv strahlenden Elemente ab dem Jahr 2046 aus. Viele Experten schätzen sogar, dass die Entsorgung des als höchst gefährlichen Mülls bis weit ins 22. Jahrhundert dauern wird. Was Akansu ebenfalls sehr besorgte: „Im Gegensatz zu vorangegangenen Generationen interessieren sich nur wenige junge Menschen für dieses Thema – es geht aber um den richtigen Umgang mit einem gefährlichen Erbe auch für künftige Generationen.“

    Als stimmungsaufhellender erwies sich im Gasthaus Becher dann eher der energische Auftritt zweier Fachleute der Windbranche. „Projektierer, die diesen Namen auch wirklich verdient haben“, unterstrich Versammlungsleiter Kamm, der kritisch auf die „bösen Plakate gegen die Anlagen“ im benachbarten Landkreis Augsburg hinwies.

    Auch um das Thema Windkraft ging es in Lauingen

    Einer von ihnen, Georg Honold, hatte mit seiner Firma schon seine Handschrift in unserer Region beim einst größten bayerischen Windpark in Zöschingen hinterlassen. Der als Pionier seines Fachgebiets geltende Mann wunderte sich über den Verlauf vieler „Gegenveranstaltungen“ mit fragwürdigen Zahlen etwa zu den betroffenen Wildvögeln. Auch Planerin Kristina Willkomm aus Landsberg am Lech, eine emsige Verfechterin von „Bürgerwindrädern“, wusste von leidvollen Erfahrungen bei der Umsetzung von Projekten zu berichten und setzte auf die Energieerzeugung auch im vermeintlich windschwachen Südbayern. „Es lohnt sich auch hier, bitte glauben Sie mir.“

    Als sicher konnte an diesem faktenreichen Abend das Herannahen eines Generationswechsels beim Forum gelten. Bei den Vorstandswahlen gesellten sich zur „Seniorenbank“ (Kamm) mit Raimund Kamm und Ulrike Brenner Thomas Lutz als „Generationenbrücke“ und schließlich die „Zukunftssenioren“ Elisa Akansu, Juristin Johanna Kamm sowie Physiker Valentin Kamm. Weitere Funktionen übernehmen Sieglinde Akansu (Schatzmeisterin) und Petra Semet (Protokoll).  

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren