Irgendetwas fehlt. Dafür sticht etwas anderes sofort ins Auge. Wer am Höchstädter Marktplatz vorbeikommt, egal, ob zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto, der schaut sich um. Nicht nur, dass der Zebrastreifen zwischen Marktplatz und altem Rathaus verschwunden ist. Eine Ampelanlage steht nun da - und sie ist auch in Betrieb. Wer jetzt durch Höchstädts Stadtmitte fährt, der muss sich an neue Verkehrsregeln gewöhnen. Zumindest an diesem neuralgischen Punkt. Seit Freitag sind Ampeln in Betrieb, ein sechsmonatiger Testlauf, um die Verkehrssituation an dieser Stelle zu entlasten. Wie funktioniert das?
Bürgermeister Stephan Karg ist skeptisch. Das gibt er offen zu, wie er sagt. Aber: „Ich verwehre mich keinesfalls vor dieser Ampellösung. Es ist ein interessanter Gedanke. Ich bin gespannt.“ Wie berichtet, soll speziell der Verkehr aus Richtung Wertingen besser geregelt werden. Linksabbieger aus der Herzogin-Anna-Straße auf die B16 in Richtung Dillingen stehen vor allem zu Stoßzeiten lange an der Kreuzung. Sehr lange, der Rückstau ist teils enorm. Die Ampel soll Abhilfe schaffen. Karg: „Ich denke auch an den Lkw- und Busverkehr. Ich hoffe sehr, dass die Kinder jetzt auch die Ampel nehmen und nicht über die Straße rennen.“ Denn der Zebrastreifen zwischen altem Rathaus und Marktplatz ist für die sechsmonatige Testphase hinfällig.
Engstelle bei Höhe Hotel Glocke in Höchstädt
Alle vier Straßenäste, das sind die B16 Marktplatz, die Friedrich-von-Teck-Straße, die Staatsstraße 2033 Herzogin-Anna-Straße sowie die Zufahrtsstraße Marktplatz, sind in den letzten Tagen mit provisorischen Ampeln ausgestattet worden. Auch Fußgänger werden durch die Lichtzeichenanlagen über die Straßen geleitet. „Ich sehe Schwierigkeiten vor allem gegenüber dem Hotel Glocke, dort ist eine Engstelle. Ich befürchte, dass wir dort stehenden Verkehr haben werden. Das ist meine Einschätzung“, so Bürgermeister Karg, aber: „Ich möchte nicht etwas im Vorhinein verurteilen. Deshalb gibt es diese Testphase und wir warten ab, was rauskommt.“
Dass es überhaupt zu dieser Ampelsituation in Höchstädts Innenstadt kommt, das ist mitunter dem früheren Seniorenbeirat der Stadt zu verdanken. Vor rund zweieinhalb Jahren haben die damaligen Mitglieder Unterschriften gesammelt - für eine dauerhafte Bedarfsampel. Mit Erfolg. Karg bestätigt: „Im Grunde wurde die Stadt überrascht. Der Seniorenbeirat kam mit einer fertigen Planung auf die WIR-Ausstellung und hat das Thema damit aufgemacht. Es gab schon lange Überlegungen für diese Situation am Marktplatz, aber das ging dann schnell.“ Auch, weil die Seniorinnen und Senioren beim Staatlichen Bauamt Krumbach offene Türen eingerannt haben.
Andreas Reiser, der zuständige Baudirektor, ist diese Woche vor Ort und schaut sich den Aufbau der Ampelanlagen an. Er sagt: „Die Ampellösung hat Potenzial. Es wird eine deutliche Verbesserung geben. Sie muss nur Akzeptanz finden und angenommen werden.“ Weiter erklärt er, dass der Marktplatz ein zentraler und wichtiger Verkehrsknoten im Zuge der Bundesstraße 16 sowie der Herzogin-Anna-Straße ist. Von bis zu 14.000 Fahrzeugen täglich sei hier die Rede. Und: „Bislang konnten Fußgänger nicht sicher die Herzogin-Anna-Straße queren. Auf dem bisherigen Zebrastreifen über die B16 gab es immer wieder gefährliche Situationen“, so Reiser. Bürgermeister Karg fürchtet dagegen, dass die Menschen, die etwa zur Apotheke wollen, nicht extra zur Ampel gehen, um sicher über die Straße zu kommen. „Das ist meine persönliche Meinung, die sage ich auch als Bürgermeister.“
Neue Markierungen für Fußgänger in Höchstädt
Andreas Reiser ist sich dagegen sicher, dass „es für die Fußgänger eine Verbesserung sein wird. Wir können es am Ende aber auch nur anbieten, wenn dann trotzdem kreuz und quer gelaufen wird, wird es schwierig.“ Entsprechende Fußgängerfurten und Haltelinien wurden diese Woche ebenfalls markiert, dafür fanden teils Straßensperrungen statt. Die Ampellösung soll vor allem zwei Probleme lösen: die langen Wartezeiten beim Abbiegen inklusive Rückstau sowie das kritische Queren der B16 mit dem bisherigen Zebrastreifen. „Man kann es lange diskutieren, testen wir es und dann sehen wir“, sagt Reiser. Weil es sich um eine Staatsstraße handelt, ist das Bauamt im Krumbach ausführend. Insgesamt kostet die Maßnahme mit allem Drum und Dran für das halbe Jahr rund 40.000 Euro. Auf die Stadt kommen keine Kosten zu.
Damit der Start der Testphase etwas ruhiger vonstattengeht, habe man sich bewusst für die Pfingstferien entschieden. Vor allem, weil der Schulbusverkehr nicht stattfindet. „Das ist ein guter Zeitpunkt“, sagt er. In einem halben Jahr, wenn die Testphase vorbei ist, wird sich zeigen, ob die Maßnahmen die gewünschten Erfolge erbracht haben. „Ich sehe den Riesenvorteil noch nicht, aber ich hoffe, das kommt“, so Bürgermeister Karg.
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