Josef Kraus’ Enttäuschung ist ihm immer noch anzumerken. Ein solch vernichtendes Urteil über seine Biogasanlage, die, wie er betont, seit 14 Jahren zuverlässig ihren Dienst verrichte, das hätte er nicht erwartet. Und dass er nicht gehört werden sollte, als ein Gutachter aus Augsburg über Kraus’ Anlage in öffentlicher Sitzung referierte. Es ging um recht viel an jenem Abend im Donauwörther Rathaus: um die Frage der Wärmeversorgung des neuen Alfred-Delp-Quartiers. Dass das Viertel nun mit Erdgas aus Russland beliefert werden soll anstatt mit Wärme aus Zirgesheim, das mag indessen auch einigen Stadträten nicht in den Kopf. Manchem kamen allerdings erst im Nachhinein Zweifel.
Josef Kraus ist stolz auf seine Biogasanlage. Das muss er nicht betonen, der Besucher merkt das schnell. Die Anlage und die Landwirtschaft, das alles sei ein Familienbetrieb, den Kraus an seinen Sohn weitergeben möchte, der die Landwirtschaftsschule abgeschlossen hat. Und das alles soll nun alt und überholt sein, wie es ein Gutachten eines Ingenieurbüros jüngst suggerierte?
Es sei über die 14 Jahre alte Anlage gesprochen worden, die nicht zu einer neuen Siedlung passe – und das sei so nun nicht richtig: Das, worauf es ankomme, sei auf dem modernsten Stand der Technik, bekräftigt Kraus: Der eine seiner beiden Motoren, die an jenem Donnerstag Ende September vor sich hin schnurren, um das Ankerzentrum mit Wärme zu beliefern, stamme aus dem Jahr 2018, der andere ist sechs Jahre älter. Sämtliche technische Überprüfungen würden eingehalten, jedes Jahr müsse ein Umweltgutachten erstellt werden – nie sei irgend etwas bemängelt worden. Vor dem Ankerzentrum für Asylbewerber habe man bereits die Bundeswehr mit Wärme beliefert. Beanstandungen habe es nie gegeben, sagt auch Kraus’ Frau Petra.
Vernichtende Analyse schockiert Biogasanlagen-Betreiber
Wie also kam es zu dem Beschluss im städtischen Bauausschuss, welcher für das künftige Stadtquartier auf dem Schellenberg nun Erdgas vorsieht (wir berichteten)? Ein Augsburger Ingenieurbüro sollte im Auftrag der Stadt bewerten, ob entweder Biogas oder eine Hackschnitzelanlage, beziehungsweise Erdgas der sinnvollste Energieträger wäre. In diesem Zusammenhang präsentierte der begutachtende Ingenieur auch Bilder von Kraus’ Anlage. Petra und Josef Kraus erinnern sich: Der Mann habe einen freundlichen Eindruck gemacht, es habe keinerlei Kritik vor Ort gegeben; wieder mal keine Beanstandungen. Umso mehr schockierte sie die vernichtende Analyse im Bauausschuss – und eben der Umstand, dass die Betroffenen selbst keine Gelegenheit gehabt hätten, ihre Sicht der Dinge dem Gremium darzulegen, wie sie sagen.
Stadtrat Gustav Dinger (Ödp) fordert eine Zurücknahme des Beschlusses, der Erdgas favorisiert. Albert Riedelsheimer (Grüne) sieht es ähnlich. Er habe zwar gegen die Biogasanlage gestimmt, meint aber, die Ratsleute seien förmlich überrumpelt worden von der Analyse. Die sei keinesfalls umfangreich und ganzheitlich diskutiert worden. Bei dem Argument der „Versorgungssicherheit“ seien die meisten Ausschussmitglieder schnell pro Erdgas gewesen. Kraus schüttelt den Kopf und zeigt auf seine Motoren: Zwei Motoren auf dem neuesten Stand, wenn einer ausfiele, dann sei binnen Stunden ein Neuer einsatzbereit, kein Problem – nur keiner habe ihn danach gefragt.
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Stadt Donauwörth widerspricht
Die Stadt widerspricht dem: „Es fanden Gespräche mit Herrn Kraus statt, sowohl vor als auch nach der Entscheidung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses“, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung aus dem Rathaus. Im Nachklang habe man ebenfalls wieder mit Biogasanlagen-Betreiber Kraus gesprochen. Der bleibt dabei: Sein Betrieb sei unzutreffend dargestellt worden.
Auch dass die Option „Hackschnitzelanlage“ seitens des Ingenieurs so klar abgelehnt wurde, sei derweil laut Landwirt Kraus kurzsichtig: Im Ausschuss wurde dargelegt, dass für eine solche Anlage sechs Mann Personal eingeplant werden müssten – „woher nimmt er diese Zahl?“ Sie sei seiner Meinung schlicht zu hoch gegriffen. Die Hackschnitzelanlage wäre gerade im Verbund mit Biogas attraktiv gewesen. Und das Argument der Verosrgungssicherheit bei Erdgas, wo ein großer Teil aus Russland eingekauft werde, nein, das könne alles irgendwie nicht wahr sein. Auch ökologisch nachhaltig sei Erdgas kaum; Biogaswärme, so schreibt es die Biogas-Interessenvertretung „Renergie“ aus Kempten im Allgäu, sei hingegen „ein klimaneutrales, regional erzeugtes Produkt mit entsprechend gesicherter Verfügbarkeit“. Bedenken hinsichtlich der Versorgungssicherheit seien „gegenstandslos“, sämtliche Anlagen würden „streng geprüft“: „Die bereits vorhandene Nahwärmeanlage in das neue Wohnquartier verfügt über eine technische Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren.“
Fördermittelverlust von 1,95 Millionen Euro laut Gutachter
Laut Auskunft der zuständigen Stadtwerke Donauwörth handelt es sich bei dem beauftragten Gutachter „um ein Fachplanungsbüro im energetischen Sektor, dessen Beauftragung von der Regierung von Schwaben aufgrund seiner sehr guten fachlichen Qualität befürwortet wurde“. Ausschlaggebend für den Beschluss des Bauausschusses gegen die Einbeziehung der Biogasanlage Kraus waren demnach „maßgeblich die unterschiedlichen KWK-Förderkulissen (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, Anm. d. Red.) bei alternativen Anlagenkonfigurationen für BHKW (Blockheizkraftwerk) und Spitzenkesseln“: Laut Gutachter hätte die Einbeziehung der Biogasanlage Kraus zu einem Fördermittelverlust von 1,95 Millionen Euro geführt. So teilen es die Stadtwerke mit. Oberbürgermeister Armin Neudert sagt nun: „Gefasste Beschlüsse nochmals zu revidieren kann nur dann eine Möglichkeit sein, wenn sich ein ganz neuer Sachverhalt ergibt. Damit hier Klarheit besteht, werde ich die Darstellung des vom beauftragten Ingenieurbüro erläuterten Fördermittelverlustes im nächsten Bau-, Planungs- und Umweltausschuss nochmals aufzeigen lassen, damit nochmals deutlich wird, auf Grundlage welcher Fakten der Beschluss gefasst wurde.“
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