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Donau-Ries

15.01.2021

Donau-Ries: Wie kommt das Coronavirus in die Heime?

Derzeit gibt es in drei Seniorenheimen im Landkreis Corona-Fälle. Seit gestern ist klar, dass auch in Monheim 30 Personen mit Sars-CoV-2 infiziert sind.
Bild: Alexander Kaya

Plus St. Johannes, Hochaltingen, BRK-Heim am Mangoldfelsen und auch Monheim – Corona fordert vor allem in den Betreuungseinrichtungen Opfer.

Arthur Lettenbauer spricht von einer „bedrückenden Situation“. Der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen-Roten-Kreuzes und damit auch Verantwortlicher für das Seniorenheim am Mangoldfelsen in Donauwörth klingt erschöpft. „Ich bin zwar gesund, aber fragen sie mich lieber nicht, wie es mir geht.“ Man hört es ihm an. Der Corona-Ausbruch in dem Donauwörther Seniorenheim mit 71 Infizierten und damit verbunden aktuell sieben Verstorbenen verlangen Lettenbauer, den Angehörigen und vor allem seinen Mitarbeitern alles ab. Emotional und organisatorisch. Viele Pfleger fallen aus. „Es gebührt großer Dank denjenigen, die jetzt alles geben und durchhalten“, sagt Lettenbauer.

Die Bilanz der letzten Wochen in den Einrichtungen im Landkreis fällt bitter aus. Stiftung Sankt Johannes: 50 Infizierte, zehn Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19. Im Haus Sankt Marien in Hochaltingen: 31 positive Fälle, zwei Verstorbene nach Erkrankung an Sars-Cov-2. Seit Donnerstag ist klar, dass auch im Seniorenheim des gKU in Monheim 21 Bewohner und neun Mitarbeiter infiziert sind.

Kurz vorher wurde in den Heimen geimpft - gibt es einen Zusammenhang?

Vermutlich sind diese Zahlen bereits nicht mehr aktuell, wenn sie gelesen werden. Denn manchmal kann ein stabiler Verlauf einer Covid-19-Erkrankung eines älteren Menschen eine schnelle und dramatische Wendung nehmen. Und das Virus verbreitet sich unbemerkt und rasend schnell.

Es sind vor allem die Ausbrüche in den Einrichtungen, die im Landkreis für die hohen Infektionszahlen verantwortlich sind. 484 Personen sind derzeit positiv getestet. Der Inzidenzwert liegt bei 219 – also nach wie vor über dem Schwellenwert von 200.

Warum verbreitet sich das Virus aktuell so stark in den Heimen? Monatelang war der Schutz nach außen effektiv. Und er wurde nochmals intensiv verstärkt. Ohne negativen Test, Termin und Mundschutz darf kein Besucher rein. Auch gelten weiterhin die allgemeinen Bestimmungen wie Händedesinfektion und Abstand. Mitarbeiter werden mittlerweile zwei Mal die Woche getestet.

Da sorgen die Nachrichten, dass in drei der Heime zuvor eine große Impfaktion stattgefunden hat, für Verunsicherung. In Schloss Hochaltingen wurden am 31. Dezember 75 Personen geimpft, am 7. Januar meldete das Gesundheitsamt den Ausbruch. Im Seniorenzentrum am Mangoldfelsen in Donauwörth wurden am 2. Januar 95 Bewohner geimpft und am 11. Januar der Ausbruch bekannt gegeben. Auch in Monheim war erst am Wochenende das mobile Impfteam im Einsatz und gestern kam die Mitteilung aus dem Landratsamt, dass hier ein Ausbruch stattfindet. Liegt es da nicht nahe, einen Zusammenhang zu sehen?

Ein Fläschchen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer steht in einem Seniorenheim.
Bild: Eric Lalmand/BELGA, dpa

Das Gesundheitsamt Donau-Ries weist diesen Verdacht in einer schriftlichen Stellungnahme auf Nachfrage dieser Redaktion klar zurück. Durch das Vakzin selbst könne keine Infektion verursacht werden. Denn im Unterschied zu den klassischen Impfstoffen enthalten mRNA-Impfstoffe wie es auch der von Biontech/Pfizer ist weder Eiweißmoleküle des Virus noch vermehrungsfähige Krankheitserreger, sondern Nukleinsäuren, die die Basisinformation zur Herstellung der Antigene, wie sie auf dem Virus zu finden sind, enthalten. Diese werden nach der Verabreichung vom Körper selbst in den Zellen hergestellt. „mRNA ist nicht infektiös und kann somit die Erkrankung nicht hervorrufen. Darüber hinaus wird sie nicht in das menschliche Genom integriert und im Körper von natürlich vorkommenden Ribonukleasen abgebaut“, so die Antwort aus medizinisch-fachlicher Sicht. Übersetzt heißt das: Bei der Impfung wird nicht ein Bestandteil des Virus initiiert, sondern das Serum enthält Stoffe, die helfen ein Abwehrsystem in den Zellen zu bilden.

Sollte bei einer geimpften Person eine Infektion festgestellt werden, so sei davon auszugehen, dass sie bereits infiziert war, als sie geimpft wurde – so die Einschätzung des Gesundheitsamtes. Vor einer Impfung wird nicht getestet.

Haben Besucher das Coronavirus in die Einrichtungen gebracht?

Dort hält man es für am wahrscheinlichsten, dass Besucher während der Feiertage das Virus in eine Einrichtung getragen haben. Diese hätten während der Feiertage wieder mehr Kontakte getroffen und Verwandte würden möglicherweise die vorgeschriebenen Abstände nicht immer einhalten, heißt es in der Stellungnahme. Beim BRK Seniorenheim in Donauwörth war das allerdings nicht die Quelle, denn hier war bereits vor den Feiertagen ein Besuchsverbot verhängt worden – wegen eines einzelnen Coronafalls. Das Virus war also bereits in der Einrichtung.

Dass die mobilen Impfteams das Virus beim Impftermin einschleppen, hält das Gesundheitsamt ebenfalls für unwahrscheinlich. Zwar könne es keine hundertprozentige Sicherheit geben, doch handele es sich bei den mobilen Impfteams um geschultes medizinisches Personal, welches zu dem unter Vollschutz arbeite. „Das Risiko einer Ansteckung ist damit bedeutend geringer als beispielsweise während der Besuchsphase über die Feiertage“, so das Gesundheitsamt. Nur bei der Injektion selbst müsse der Abstand zum Patienten unterschritten werden, jedoch sei bis zu diesem Zeitpunkt eine Aufklärung und Beratung mit entsprechenden Hygienemaßnahmen relativ risikoarm durchführbar. Was aber schon geschieht: Bei der Impfung kommen die Bewohner aus dem Haus in kleinen Gruppen zusammen, warten in einem Raum nach der Impfung ob Nebenwirkungen auftreten.

Gesundheitsamt Donau-Ries: Die Infektion lief schon länger in den EInrichtungen ab

„Die Entwicklung der Fallzahlen in den Einrichtungen hängt in erster Linie von den Kontakten innerhalb der Einrichtungen ab“, heißt es. Eine einzelne positive Person könne bei einer entsprechenden Anzahl an Kontakten innerhalb der Einrichtung ausreichen, um die Verbreitung zu ermöglichen. „Da in den rasch organisierten Reihentestungen teilweise größere Ausbruchgeschehen aufgedeckt wurden, muss davon ausgegangen werden, dass das bereits länger in den Einrichtungen ablief.“

Ist das Virus einmal in einer Einrichtung, kann es teilweise eine zeitlang unentdeckt verbreitet werden, vermutet das Gesundheitsamt. Bewohner werden nur getestet, wenn sie Symptome zeigen.

Gerade auch im BRK-Zentrum in Donauwörth ist im Nachhinein klar geworden, dass die Antigen-Tests bei Weitem nicht so sicher sind. Mitarbeiter, die negative Ergebnisse hatten, zeigten beim PCR eine Infektion. So erst ergab sich ein reales Bild der Lage. Dennoch reicht ein negatives Ergebnis eines Antigen-Tests weiterhin, um einen Besuch im Heim zu machen. An Weihnachten kamen viele, denn es gab Wichtiges zu besprechen – zum Beispiel die Impfung.

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