Startseite
Icon Pfeil nach unten
Donauwörth
Icon Pfeil nach unten
Niederschönenfeld
Icon Pfeil nach unten

Kirchenorgel Niederschönenfeld erhält neues Leben dank Freundeskreis

Niederschönenfeld

Von Fasching bis Konzert: Wie eine kleine Gemeinde ihre Orgel bewahrte

  • |
  • |
  • |
  • |
    Rudi Schubert, Heinrich Riegler, Kirchenpfleger Karl Braun und Gertraud Höringer-Stapf vor der historischen Orgel
    Rudi Schubert, Heinrich Riegler, Kirchenpfleger Karl Braun und Gertraud Höringer-Stapf vor der historischen Orgel Foto: Beate Schwab

    Sie ist eine einzigartige Schönheit mit ihrem hohen Alter von fast 350 Jahren: Die Orgel in der Wallfahrtskirche Mariae Himmelfahrt in Niederschönenfeld. Wer die wunderschöne Paul-Prescher-Orgel einmal gesehen und ihren warmen, weichen Klang gehört hat, kann sich ihrer Faszination nicht entziehen. Anfang der 2000er Jahre befand sich das barocke Instrument aber noch in einem desolaten Zustand und musste dringend saniert werden. Mit einem großen, gemeinsamen Kraftakt machten es damals viele Mitwirkende, von der Gemeinde bis zum Bund, möglich, dass schließlich im Oktober 2019 die restaurierte Barockorgel wieder feierlich geweiht werden konnte. Unermüdlicher Motor bei dem ehrgeizigen Projekt der Restaurierung war der 2004 gegründete „Freundeskreis der historischen Kirchenorgel Niederschönenfeld“.

    Bei einem Gespräch auf der Orgelempore erinnern sich dessen Vorsitzender Heinrich Riegler und zwei seiner langjährigen Mitstreiter aus dem Vorstandsteam, Gertraud Höringer-Stapf und Rudi Schubert, an die Anfänge ihres gemeinschaftlichen ambitionierten Projektes: „Bei uns im Niederschönenfelder Kirchenchor entstand der Gedanke, mit weiteren Mitgliedern der Gemeinde einen Freundeskreis zu gründen, um die Renovierung des wertvollen, aber altersschwachen Instruments zu unterstützen.“

    Gertraud Höringer-Stapf ist schon mit der Liebe zur Orgel großgeworden. „Mein Vater Max Höringer war 50 Jahre lang Organist in der Wallfahrtskirche und Leiter des Kirchenchors. Musik war sein Leben“, erzählt sie. Rudi Schubert, dessen Vater Josef Schubert nach Max Höringers Tod die Chorleitung übernahm, betont auch die sozialen Aspekte seiner über 50-jährigen Chortätigkeit.

    Karl Braun ist der „Hüter der Orgel“

    Von der historischen Orgel ebenso begeistert ist Karl Braun, seit 2003 Kirchenpfleger in Niederschönenfeld und somit „der Hüter der Orgel“. Als sich nach einer Bestandsaufnahme herausstellte, dass der Pfeifenbestand der Orgel fast noch in Gänze im Original vorhanden war, und vom Amt für Kirchenmusik der Diözese Augsburg und dem Landesamt für Denkmalpflege eine grundlegende Restaurierung empfohlen wurde, überschritten die veranschlagten Kosten von fast einer halben Million Euro die finanzielle Kraft der Kirchengemeinde trotz der hohen Fördermittel des Bundes bei Weitem. „Wir sind eine kleine Pfarrei mit 330 Mitgliedern“, so Braun.

    Doch da war die vielleicht größte Spendenaktion in der Geschichte der Gemeinde schon angelaufen. Der Freundeskreis mit seinem unermüdlichen Organisator Heinrich Riegler hatte sich zahlreiche Aktionen überlegt. Das festliche große Kirchenkonzert im Herbst und der Faschingsball im Bürgerhaus wurden zum festen Bestandteil im Jahreskalender und trugen wesentlich zu den vom Verein gesammelten Geldern in Höhe von fast 65000 Euro bei. „Der Orgelball im Fasching mit dem legendären Buffet, gespendet von vielen fleißigen Gemeindemitgliedern, war für seine kulinarische Genüsse berühmt“, schwärmt Riegler.

    Vorstandsmitglied Florian Luderschmid initiierte das jährliche große Chorkonzert im Herbst und hat dessen Leitung bis heute inne. Luderschmid, inzwischen Regierungspräsident von Oberfranken, ist regelmäßig in seiner alten Heimat als Organist und Chorleiter präsent. „Doch nicht nur die Spenden der Konzertbesucher, auch Spenden von Gemeindemitgliedern anlässlich von Geburtstagen oder Beerdigungen dienten dem Erhalt der Orgel“, freut sich Riegler.

    Es war „eine riesige Arbeit der Kirchenverwaltung“

    Einen wesentlichen Anteil an der Spendenaktion hatte auch Karl Braun, als Kirchenpfleger „ein Glücksfall“ für das große gemeinschaftliche Projekt. Ihm gelang es, durch zahllose Anschreiben Zuschüsse und Fördermittel bei vielen unterschiedlichen Institutionen zu generieren, „eine riesige Arbeit der Kirchenverwaltung“, wie die drei Vereinsmitglieder anerkennen. Die Freude über das gelungene Gemeinschaftswerk ist noch immer bei allen Beteiligten spürbar. Wenn sie begeistert davon erzählen, wie ein Instrument aus dem Jahr 1683 lebendig gehalten werden konnte, dann strahlen alle einmütig. Sogar die in den 60er Jahren eingebauten zusätzlichen Pfeifen konnten bei der Restaurierung erhalten und in einer neuen zweiten Orgel verbaut werden.

    Bei Gottesdiensten wie auch Konzerten ist die historische Orgel nun wieder mit ihrem originalen Klang eingebunden, viele berühmte Organisten haben in der Wallfahrtskirche bereits gastiert. Heinrich Riegler, der organisatorische Leiter des weit über die Grenzen der Gemeinde bekannten Konzertprogramms, erzählt stolz von den vielen Kirchenmusikern aus aller Welt, die ihr Interesse an der Orgel bekunden: „Aktuell sind wir im Gespräch mit dem Organisten der weltberühmten Kathedrale Notre Dame de Paris“. Die Orgelmusik und das Leben in der Kirchengemeinde werden vom Freundeskreis auch weiterhin auf das Schönste bereichert.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren