Aichach-Friedberg: Prozess am Amtsgericht: 19-Jähriger wird unter Alkohol gewalttätig
Aichach-Friedberg
Prozess am Amtsgericht: 19-Jähriger wird unter Alkohol gewalttätig
Ein Jugendlicher aus Aichach-Friedberg schlägt den Mitarbeiter eines Supermarktes und Polizisten. Vor Gericht wird dem jungen Mann noch mehr vorgeworfen.
Von Michael Postl|22.09.20 - aktualisiert:
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Unter Alkoholeinfluss schlug ein 19-Jähriger aus Aichach-Friedberg immer wieder zu. Foto: Arno Burgi, dpa
Es mutet an wie die Geschichte einer ganz normalen Familie. Klar gebe es dort mal Streit, ansonsten verstehen sich die Mitglieder aber gut. Abends spielen sie Brettspiele, wenn es Probleme gibt, setzen sich die Beteiligten zusammen an einen Tisch und räumen sie aus. Eine Strategie, die laut der Jugendgerichtshilfe eine gute ist. In der Vergangenheit wandten sie zwei Mitglieder der besagten Familie jedoch nicht immer an, wie eine Verhandlung vor dem Aichacher Jugendgericht zeigt.
Beispielhaft dafür steht ein Fall aus dem Jahr 2019. Der damals 18-jährige Angeklagte aus dem Landkreis Aichach-Friedberg hatte zu dieser Zeit massive Alkoholprobleme. Diese führten, wie während der Verhandlung klar wurde, zu mehreren Ausfällen und einem zunehmend aggressiven Verhalten.
Junger Mann aus Aichach-Friedberg: Faustschlag ins Gesicht
Der junge Mann ging in einen Supermarkt und fühlte sich – zu Unrecht, wie Jugendrichterin Eva-Maria Grosse festhielt – ungerecht behandelt. Ein Ladenmitarbeiter trat an ihn heran, der Angeklagte fuchtelte wild um sich und versetzte seinem Gegenüber einen gezielten Faustschlag ins Gesicht.
Vater und Sohn attackierten die Polizeibeamten.Foto: Fotostand / K. Schmitt
Doch damit nicht genug. Denn als die Polizei eintraf, weigerte sich der junge Mann, sich abführen zu lassen. Sein Vater, der den Sohn begleitete, bekam die Situation mit und begann, die Polizisten anzubrüllen. Er habe den Konflikt lösen wollen und dabei eben den falschen Weg gewählt.
Junger Mann vor Gericht in Aichach: Vater wird aggressiv
Als ein Polizeibeamter ihn wegdrängen wollte, schlug er diesem gegen den Arm. „Ich wollte meinem Sohn helfen“, sagte der Vater später. Während der Vater sich einmischte, versuchten die Beamten, den 19-Jährigen zu fixieren. Dabei zwickte er eine Polizistin und bespuckte sie.
Beide Angeklagten waren dabei betrunken, hatten jeweils weit über ein Promille Alkohol im Blut. „Ich trank damals schon öfter, diese Zeit ist aber vorbei“, sagt der Sohn. Dem stimmte auch der Vater zu, sein Trinkverhalten sei derzeit ebenfalls normal. Die Richterin glaubt das dem 37-Jährigen, seine Bereitschaft zu Straftaten habe in der jüngeren Vergangenheit nachgelassen.
Prozess in Aichach: Vater hat langes Strafregister
Das war nicht immer so. Denn die Strafregister des ebenfalls angeklagten Vaters lesen sich lang. Ende der 90er-Jahre wurde er insgesamt zwölfmal verurteilt, darunter Delikte wie Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Beleidigung. Seit 2008 gab es dafür „nur“ noch eine Verurteilung, das war 2012. Und eben jetzt.
Der 37-Jährige sei sein Vorbild, sagt der Sohn, er spiele mit ihm oft Fußball und unternehme auch sonst viel mit ihm. Eine ungewöhnliche Fixierung auf den Vater stellte die Jugendgerichtshilfe deshalb fest. Diese befand Richterin Grosse angesichts der Vorstrafen jedoch für bedenklich.
Junger Mann aus Aichach-Friedberg: Schlägerei in Augsburg
Dennoch eifert der Sohn dem Vater in gewisser Weise nach, zumindest war der Vorfall in dem Augsburger Supermarkt nicht der einzige, der ihm zur Last gelegt wird. Erst kurz vor Prozessbeginn wurde klar, dass zwei weitere Verfahren gegen den 19-Jährigen eingeleitet waren. Richterin Grosse beschloss in Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die beiden ausstehenden Fälle ebenfalls in die Verhandlung zu integrieren.
Betrunken war der junge Mann mit dem E-Roller unterwegs. Foto: Alexander Kaya
Auch diese beging der junge Mann unter Alkoholeinfluss, sein Vater war da jedoch nicht zugegen. Der erste Vorfall ereignete sich in der Augsburger Innenstadt. Dort gab der Angeklagte seinem Opfer eine Ohrfeige, sodass dieser zu Boden fiel. Zwei anderen schlug er mit der Faust ins Gesicht und an die Schläfe.
Gericht: Junger Mann war betrunken mit E-Roller unterwegs
Eine dritte Tat ereignete sich ebenfalls in Augsburg. Mit einem E-Roller sei der 19-Jährige trotz seines Alkoholkonsums gefahren. All diese Taten gab der Angeklagte unumwunden zu, was ihm Richterin Grosse auch als positiv auslegte, trotz seiner Vorstrafen. Zudem habe er sich bei den meisten Geschädigten entschuldigt.
Der Vater wurde zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt, er muss zudem 500 Euro Strafe zahlen. Sein Sohn erhielt neben einem einmonatigen Fahrverbot, einer halbjährigen Führerscheinsperre, einem Antiaggressionskurs und vier Jahren Bewährung ein Wochenende Freizeitarrest, „um das Gefängnis kennenzulernen“, wie Richterin Grosse betonte. Denn wenn er so weitermache, könne sie den 19-Jährigen bald nicht mehr anhand des Jugendstrafrechts bestrafen. „Dann sehen wir uns irgendwann vor dem Schöffengericht.“
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