Friedberg: Seit Monaten Baustelle: Umbau der Bahnhofstraße verärgert Anlieger
Friedberg
Seit Monaten Baustelle: Umbau der Bahnhofstraße verärgert Anlieger
An der Bahnhofstraße in Friedberg erlebte Patrick Gruner gefährliche Situationen, weil Gehwege kaum passierbar sind. Die Stadt unternehme nichts, kritisiert er.
16 Monate Bauzeit für 200 Meter Straße - dafür bringt Anlieger Patrick Gruner kein Verständnis auf.Foto: Thomas Goßner
Nicht nur eine Zumutung ist sie, sondern ganz klar auch ein Sicherheitsrisiko - so empfindet Patrick Gruner die Situation in der Friedberger Bahnhofstraße. Gruner betreibt dort eine Feldenkrais-Praxis und beobachtet tagtäglich, wie es dort zu gefährlichen Situationen kommt. Er sei sehr viel auf Reisen und habe schon viele Baustellen in vielen Städten gesehen, aber so etwas habe er noch nicht erlebt. "Es wird ja nicht mal der Versuch unternommen, uns die Situation erträglich zu gestalten", kritisiert er, dass alle Bitten bisher ins Leere gelaufen seien.
In einer E-Mail an die Stadt Friedberg, die auch unserer Redaktion vorliegt, verweist Gruner auf die schlechte Erreichbarkeit der Geschäfte und Büros in der Bahnhofstraße. Der Gehweg besteht nach seinen Worten aus einer abschüssigen Rutschbahn, die an vielen Stellen nicht mal einen Meter begehbare Breite hat, Lichtschächte stünden hervor, der Untergrund wechsle ständig zwischen lockerem Split zu Matsch, Pfützen und sonstigen Resten des alten Belags.
Bahnhofstraße: Mann mit Rollstuhl landet beinahe in der Baugrube
Die Folge: Diese Liste könne er beliebig verlängern.
Auch persönlich sei er von dieser Situation betroffen. "Nach Monaten des Lockdowns dürfen wir endlich wieder als Feldenkrais Practitioner Einzelstunden geben, meine Frau arbeitet überwiegend mit Menschen in sehr fortgeschrittenen Lebensphasen, diese Menschen können zu uns gerade gar nicht mehr kommen", berichtet er: "Eine Kundin sagte uns direkt ins Gesicht, dass sie keine Lust habe, durch ein Kriegsgebiet zu gehen."
Das Regenwetter der vergangenen Wochen hat die Fußwege entlang der Bahnhofstraße schlüpfrig und schlammig werden lassen.Foto: Thomas Goßner
Citymanagerin Bianca Ross räumt ein, dass die Einschränkungen und Unwägbarkeiten durch die Baumaßnahmen nicht von der Hand zu weisen seien. Aufgrund der zugespitzten Situation insbesondere auch durch die niederschlagsreiche Wetterlage habe es am 20. Mai einen kurzfristigen Vor-Ort-Termin von Bürgermeister Eichmann und dem Teilprojektkoordinator Weindl gegeben. "Die bei diesem Termin andiskutierten Möglichkeiten und Maßnahmen zur besseren Begehbarkeit werden aktuell geprüft - eine Umsetzung kann aufgrund von erheblichen Zusatzkosten und mehrfachem Umbauaufwand auch während der weiteren Bauphase nicht übers Knie gebrochen werden", so Ross in einem Antwortschreiben an Gruner.
Auf Nachfrage unserer Redaktion erläuterte die Citymanagerin, es seien zum einen Matten angedacht, die allerdings die Unebenheiten und Gefälle auf den Gehwegen nicht beheben können. Favorisiert werde stattdessen eine Art Bohlenkonstruktion. "Im Laufe der Woche sollte eine Entscheidung fallen und die Umsetzung direkt starten", so Ross.
Stadt Friedberg bittet Anwohner um Geduld
Die Citymanagerin betont, es sei bisher nicht nur auf jeden Verbesserungs- und Erleichterungsvorschlag eingegangen worden, sofern er sachgerecht und realisierbar ist, es würden darüber hinaus auch unzählige Maßnahmen im Rahmen des Baustellenmarketings umgesetzt, um die Gewerbetreibenden zu unterstützen. Ross bittet darum "höflich um Geduld bis die fachlich kompetenten Stellen eine praktikable Lösung identifiziert haben, die den Fortschritt der Baustelle insgesamt nicht unnötig durch Mehraufwand und extreme Kostensteigerung verzögert."
Die Stadtverwaltung unternehme ihr Bestmöglichstes, um die Einschränkungen abzumildern. "Dennoch wird die Baustelle uns alle noch einige Zeit in Atem halten", so Ross. Die Arbeiten an dem gerade 200 Meter langen Straßenstück laufen bereits seit Anfang Februar. Zunächst wurden Kanal und Wasserleitungen erneuert, derzeit sind Straßenrückbau und Erdarbeiten an der Reihe. Im August und September sollen neue Sparten wie Strom, Telefon, Gas etc. verlegt werden, damit im Herbst der Straßenbelag hergestellt werden kann. Nach einer witterungsabhängigen Winterpause ist die Fertigstellung der Straße im Frühjahr 2022 geplant.
Zum Projekt Bahnhofstraße gehört auch die Umgestaltung des Kriegerdenkmals.Foto: Thomas Goßner
Bis heute habe ihm niemand plausibel erklären können, warum der Umbau der Bahnhofstraße mit geplanten 16 Monaten nun mehr als doppelt so lange dauern solle wie damals der Umbau der Ludwigstraße, kritisiert Patrick Gruner. Auch dort seien Gas, Wasser und alle Sparten erneuert worden. "Es mag dafür gute Gründe geben, aber ich kenne sie eben nicht und daher habe ich bisher auch kein Verständnis aufbringen können. Ich hoffe, dass es mehr ist, als nur Baukosten zu sparen, denn diese Kosten tragen wir indirekt nun persönlich."