Mit einem Festakt am Welthospiztag feierte das St.-Afra-Hospiz sein 25-jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt standen dabei die über hundert Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter, die mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz Schwerstkranken beistehen. In einer Zeit, in der das Sterben weitgehend aus dem Alltag verdrängt wurde, sei die Unterstützung von Menschen auf ihrem letzten Lebensweg von unschätzbarem Wert, so betonten die zahlreichen Festredner.
Als „eine wunderbar segensreiche Einrichtung“, die er den Menschen in Friedberg und Umgebung ans Herz legen wolle, bezeichnete Friedbergs Stadtpfarrer Pater Steffen Brühl beim Gottesdienst in der Kirche St. Jakob die Einrichtung. Als Festprediger war Domkapitular Andreas Magg geladen, der sich als Vorstand des Diözesan-Caritasverbandes stolz auf die große Leistung des St.-Afra-Hospizes äußerte.
St.-Afra-Hospiz als Vorbild für das ganze Bistum
Es sei ein sehr lebendiger Hospizverein, der sich unter der Gesamtleitung von Christine Neukäufer mit seinem herausragenden Engagement im Bistum hervortue. Seines Wissens sei es auch der einzige Hospizverein, in dem die allgemeine ambulante Palliativversorgung und die spezialisierte ambulante Palliativversorgung Hand in Hand verbunden seien, erklärte er.
„Sie geben der Gesellschaft ein warmes Gesicht“, betonte er und erinnerte an die Anfänge, als sich 1997 wenige Menschen für einen eigenen ambulanten Hospizdienst im Landkreis stark machten. Es wurde klein angefangen und mittlerweile können jährlich über 300 Menschen im Jahr begleitet werden. „Sie waren empathisch und weise genug, dieses Bedürfnis unserer Zeit zu erkennen“, ergänzte auch Gertrud Hitzler als Vorsitzende des Caritasverbandes anerkennend.
Als Mitstreiter der ersten Stunde waren Centa Plöckl, ehemalige langjährige Zweite Vorsitzende des Kreisverbands, und Andreas Reimann anwesend, der bis im Frühjahr vergangenen Jahres als Kreisgeschäftsführer des Caritasverbandes tätig war. Dass ihm dabei die Hospizarbeit immer besonders am Herzen lag, zeigt sich schon allein daran, dass er sich dafür auch in seinem Ruhestand noch weiterhin engagiert. So bereitete Andreas Reimann auch den Festgottesdienst in Friedberg vor, der das Leitmotiv des St.-Afra- Hospizes „Vertrauen“ als Motto hatte. Sich angesichts von Krankheit, Mutlosigkeit und oft auch Angst auf jemanden verlassen zu können, gebe Kraft und Stärke am Lebensende.
Einen Blick auf die moderne Hospizbewegung, die 1967 mit Cicely Saunders in England und zeitgleich Elisabeth Kübler-Ross in Amerika ihren Anfang nahm, gab Christine Neukäufer, Gesamtkoordinatorin des St.-Afra-Hospizes. Mit der zunehmenden Enttabuisierung von Sterben, Tod und Trauer gab es viele Fortschritte bis hin zum Hospiz- und Palliativgesetz, das 2015 im Bundestag verabschiedet wurde. Die Hospizarbeit laufe jedoch Gefahr, aufgrund zunehmender Standardisierung und einem Ausbau der Bürokratie vom Ehrenamt in die Professionalität abzurutschen, warnte Neukäufer. Doch nur im Ehrenamt sei der Dienst am Menschen im Sinne der ursprünglichen Hospizidee möglich, zeigte sie sich überzeugt.
Seit der ersten Stunde beim St.-Afra-Hospiz aktiv
Fünf Hospizbegleiterinnen sind seit 25 Jahren dabei und wurden für ihren langjährigen Einsatz besonders geehrt. Dies sind Anneliese Bakker, Patrizia Steidle, Marlene Nießl, Christa Marquart und Bärbel Kerle. Die Hospizarbeit sei für ihn völliges Neuland gewesen, als er im Frühjahr vergangenen Jahres von Andreas Reimann die Geschäftsführung des Kreisverbandes der Caritas übernommen habe, erklärte Robert Winzer. Durch die unterschiedlichen Veranstaltungen in diesem Jubiläumsjahr habe er die Vielfalt des Angebots, angefangen von den Qualifizierungskursen zur ehrenamtlichen Hospizarbeit über Vorträge und Workshops zu hospizlich-palliativen Themen in Schulen und Vereinen, bis hin zu Erste-Hilfe-Kursen oder der Kindertrauergruppe erst richtig wahrgenommen.
Auch Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann hatte es sich nicht nehmen lassen, zum Festakt nach Friedberg zu kommen. Als langjähriger Amtsinhaber habe er den stetigen Erfolg des Engagements im St.-Afra-Hospiz in den vergangenen Jahren miterleben können, sagte er. Im Stadtrat habe man sich deshalb ohne Zögern bereit erklärt, in Aichach ein Labyrinth als Ort der Trauerbewältigung entstehen zu lassen. Für den Landkreis Aichach-Friedberg sei die Arbeit des ambulanten Dienstes unter dem Dach des Caritasverbandes von größter Bedeutung, betonte Katrin Müllegger-Steiger als Stellvertreterin des Landrats.