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Aichach-Friedberg: Was das St.-Afra-Hospiz im Wittelsbacher Land alles leistet

Aichach-Friedberg

Was das St.-Afra-Hospiz im Wittelsbacher Land alles leistet

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    Das hauptamtliche Team des St.-Afra-Hospizes: (von links) Manuela Lang, Claudia Binder, Angelika Meier und Christine Neukäufer.
    Das hauptamtliche Team des St.-Afra-Hospizes: (von links) Manuela Lang, Claudia Binder, Angelika Meier und Christine Neukäufer. Foto: Heike John

    Die Corona-Pandemie hat auch die Hospizarbeit vor große Herausforderungen gestellt. Sie prägt auch das Jubiläum des St.-Afra-Hospizes, das vor 25 Jahren ins Leben gerufen wurde und einen besonderen Geburtstagswusch hat.

    Wenn Einrichtungen wie Seniorenheime oder Krankenhäuser unter Quarantäne stehen oder nur sehr erschwerten Zugang ermöglichen, ist es auch für Hospizmitarbeiter nicht leicht, Schwerstkranken und Sterbenden dort beizustehen. Die Betreuung der Angehörigen gewinnt dadurch noch mehr an Bedeutung, und die Zahl der Beratungen ist gestiegen. "Die Leute trauen sich immer mehr, rechtzeitig Kontakt zu uns zu suchen. Das Sterben ist nicht mehr ein so großes Tabu, und wir werden wesentlich früher auch für Begleitungen angefragt", hat Christine Neukäufer, die leitende Koordinatorin des St.-Afra-Hospizes, festgestellt.

    In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Hospizarbeit verändert. "Wie könnte man die Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden im Landkreis auf den Weg bringen?", lautete 1995 die Ausgangsfrage, die auch durch einen Umbruch in der Gesundheitsreform angestoßen wurde. Es gab ein erstes Treffen von Seelsorgern mit Geschäftsführern der Caritas-Sozialstationen in der Diözese. Unterstützung leistete damals Schwester Anneliese Mader vom stationären St.-Vinzenz-Hospiz in Augsburg.

    Ehrenamtlicher Start in Aichach, Friedberg und Mering

    Zunächst wurden die Einsätze über die drei Sozialstationen im Landkreis ehrenamtlich von Pflegekräften koordiniert. Eine Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland kam mit dem Hospiz- und Palliativgesetz. Es ermöglichte durch Fördergelder und die Finanzierung der Krankenkassen eine Professionalisierung der Arbeit. Bei der Gründung des St.-Afra-Hospizes im Jahr 1997 wurde noch vom Wohnzimmer aus gearbeitet, es gab keinen Computer und kein Dienstauto.

    Das heißt Hospiz

    Der Begriff "Hospiz" bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt Herberge, auch Gastfreundschaft. Er stammt aus den Anfängen des Christentums. Meist waren es kirchliche Ordensgemeinschaften, die solche "Hospize" führten. Sie boten Reisenden und Pilgern Unterkunft an und versorgten Kranke und Geschwächte.

    In dieser Tradition wollen Hospize Orte sein, wo Menschen das vorfinden, was sie für ihre letzte Reise benötigen. Vorreiterin des Hospizgedankens ist die englische Ärztin Cicely Saunders, die 1967 in einem Londoner Vorort eine Klinik für Sterbende gründete. Neben der medizinisch-pflegerischen Versorgung lag ihr Augenmerk auf der psychischen, spirituellen und sozialen Versorgung.

    Heute ist diese Versorgung unter dem Begriff "palliative care" bekannt (Pallium = Schutzmantel). Im Vordergrund steht nicht mehr die Heilung, sondern die Schmerzlinderung.

    Mittlerweile ist daraus ein ambulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst geworden, der landkreisweit über die medizinische Betreuung hinaus Schwerstkranke und Sterbende begleitet, Angehörige berät und auch trauernde Hinterbliebene nicht alleinlässt. Für das St.-Afra-Hospiz sind mittlerweile rund hundert Hospizbegleiter im Einsatz, die in den drei Ortsgruppen Aichach, Friedberg und Mering mit eigenen Büros organisiert sind. "Sie arbeiten ehrenamtlich, aber professionell, denn sie sind gut ausgebildet", betont Christine Neukäufer.

    Am 5. März startet bereits der 19. Qualifizierungskurs für künftige Hospizbegleiter. Das St.-Afra-Hospiz ist ein Erwachsenen-Hospizdienst, der aber auch trauernde Kinder begleitet und mit der 2020 neu gegründeten Trauergruppe Bären-Stark ein speziell auf sie zugeschnittenes Angebot entwickelt hat. Der ambulante Hospizdienst hat jährlich rund 250 Kontakte mit Schwerstkranken und Sterbenden im Landkreis und kann ergänzend mit dem SAPV-Team, das seit zehn Jahren für eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung zuständig ist, jedes Jahr rund 500 Menschen auf ihrem letzten Lebensweg unterstützen. "Das ist etwa die Hälfte aller Sterbenden im Landkreis", erläutert Robert Winzer, Geschäftsführer der Caritas Aichach-Friedberg, unter dessen Dach auch das St.-Afra-Hospiz gehört.

    Riesenaufgabe für Friedberger Hospizgruppe

    Eine Riesenaufgabe, für die derzeit dringend eine weitere Hospizfachkraft für die Ortsgruppe in Friedberg gesucht wird. "Das wäre das schönste Geburtstagsgeschenk für uns, wenn wir in diesem anspruchsvollen Bereich Unterstützung bekommen könnten", betont Christine Neukäufer. "Es gibt immer noch Leute, die nicht wissen, dass es unseren Hospizdienst gibt", wundert sie sich. Das 25-jährige Jubiläum bietet eine gute Möglichkeit, die Öffentlichkeit umfassend zu informieren.

    Geplant sind zahlreiche Aktionen, mit denen das St.-Afra-Hospiz sich vorstellt. "Aufgrund der Corona-Situation können wir nicht groß feiern, aber mit verschiedenen Angeboten übers Jahr verteilt unser 25-jähriges Bestehen gebührend begehen", erklärt Andreas Reimann vom Organisationsteam. Veranstaltungen finden in allen drei Regionen statt, wo der Hospizdienst seine Standorte hat.

    Im Meringer Lippgarten plant das St.-Afra-Hospiz ein Jubiläumskonzert.
    Im Meringer Lippgarten plant das St.-Afra-Hospiz ein Jubiläumskonzert. Foto: Manuela Rieger (Archivbild)

    Zum Auftakt startet Ende Februar ein "Letzte-Hilfe-Kurs" in Aichach. Übers Jahr verteilt wird es Lesungen und Filme rund um das Thema Hospizarbeit geben, um viele Menschen mit dem Thema der Sterbebegleitung und Trauerarbeit in Berührung zu bringen. Dazu wollen die Organisatoren Buchhandlungen, Bibliotheken und Kinos mit ins Boot holen, die auch Büchertische zur Information bereitstellen. Es wird auch offene Angebote speziell für Kinder wie etwa ein japanisches Papiertheater geben. Ein Jubiläumsgenuss ganz anderer Art soll das Konzert im Juli im Meringer Lippgarten mit dem Didgeridoospieler Franz Richter bieten.

    Festgottesdienst im Oktober in Friedberg

    "Vieles ist in Planung, einiges unter Vorbehalt aufgrund der unsicheren Pandemiesituation", erklärt Christine Neukäufer. Davon hängt letztendlich auch ab, wie groß der Festgottesdienst in Friedberg im Oktober anlässlich des Welthospiztags gefeiert werden kann und ob es einen anschließenden Festakt zum 25-jährigen Bestehen des St.-Afra-Hospizes geben wird.

    Kontakt St.-Afra-Hospiz, Telefon 08251/93 465 30.

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