Die Idee, alle Kunststücke von geschichtlicher Bedeutung aus Stadt und Umgebung in einem Museum in Friedberg zu vereinen und der Öffentlichkeit zur Schau zu stellen, geht auf den Bezirksamtmann Max Aigner zurück. Als Vorbild dienten ihm die Städte Augsburg, Regensburg, Donauwörth, Memmingen, Tölz und Landsberg, die alle bereits ein städtisches Museum besaßen. Um das Vorhaben in die Tat umzusetzen, gab der Bezirksamtmann seinem ihm unterstellten Juristen, dem königlichen Bezirksamtsassessor Eduard von Schlichtegroll, den Dienstauftrag, ein Museum zu gründen. Schlichtegroll, der Exponate, Räume und finanzielle Mittel organisieren musste, tat in dieser schwierigen Situation das einzig richtige: Er wandte sich an die Friedberger Bürger.
Unterstützung fand er insbesondere beim Glasermeister Hans Trinkl, einem eifrigen Sammler von altertümlichen Gegenständen. Wo immer er in Ausübung seines Gewerbes hinkam, stets trug er zusammen, wenn altes Gut ihm angeboten wurde. Trinkl, begeistert von der Idee der Museumsgründung, erklärte sich sofort bereit, einen Großteil seiner eigenen reichhaltigen Sammlung als Leihgabe einzustellen.
Am 10. Mai 1886 gründeten 20 Herren im Gasthaus des Michael Schweyer „Zum hohen Glas“, Ludwigstraße 16, den Musäumsverein, der sich kurze Zeit später Historischer Verein nannte und 1949 in Heimatverein umbenannt wurde. Erster Vorstand wurde Eduard von Schlichtegroll, zum Kustos wurde Hans Trinkl ernannt.
Bereits im August 1886 wurde dem Verein vom königlichen Bauamt das äußere Stübchen, links vom Eingang im Schloss, als Museumslokal überlassen, wo die Sammlung aufgebaut wurde. Den Grundstock des Museums bildete Trinkls umfangreiche Privatsammlung. 1889 wurde das Museum städtisch, die ehrenamtliche Leitung blieb beim Verein.
Aigner gewann den Fabrikbesitzer Georg Kaes als Mitglied und Förderer, der den Verein mit 2000 Mark unterstützte. Kaes gilt als Stammvater der heutigen Georg Josef Kaes GmbH (V-Markt). Nach Schlichtegrolls Erkrankung leitete ab 1890 Aigner den Verein und erreichte die Verlegung des Museums in den Rittersaal. Im Jahr 1905 wurden zwei weitere Räume dem Museum zur Verfügung gestellt.
Die Trnkl-Sammlung bildet den Grundstock des Museums
Große Verdienste erwarb sich Stadtpfarrer Franz Josef Probst dabei, Teile der Trinkl-Sammlung für das Museum zu erwerben. Von 1898 an leitete er 21 Jahre den Verein und das Museum. Mit städtischer Hilfe kaufte er 1901 Teile der Trinkl-Sammlung für das Museum an. Aus Geldmangel scheiterte der Kauf der restlichen Sammlung. Diese gelangte zur Versteigerung. Mithilfe eines Notkredits konnten Probst und Magistrat einzelne Objekte für das Museum ersteigern. Am Ende seines Lebens musste Trinkl gepflegt werden. Bereits einige Zeit vor seinem Tod 1923 blieb die Stelle des Kustos vakant. Weder der Verein noch die Stadt hatten Geld, um ihn zu bezahlen.
Oberlehrer Friedrich Schuck (Vorstand von 1919 bis 1932) war notgedrungen Museumsleiter, Vereinsvorstand und Kustos in einer Person. Das Museum befand sich in einem schlimmen Zustand. Das Problem bildete nach wie vor die in den Mauern sitzende Feuchtigkeit und die fehlende Heizmöglichkeit. Es war ein ständiger Kampf gegen Schimmelbildung. Eisenhaltige Exponate drohten zu rosten, wenn man sie nicht pflegte. Der Stadtrat wurde wiederholt in Kenntnis von den schlimmen Zuständen gesetzt, doch es geschah nichts.
Als Nachfolger setzte Apotheker Carl Muther als bezahlten Kustos Hans Trinkl jun. durch, dem es während des Zweiten Weltkriegs gelang, wertvolle Exponate vor der Einschmelzung zu bewahren.
Nach der Umbenennung des Historischen Vereins in Heimatverein 1949 leitete der Dentist Hanns Oswald Museum und Verein 26 Jahre bis 1975. Ihm zur Seite wurde der von der Stadt bezahlte Kustos Ludwig Fischer gestellt. Eine Perle, die zusammen mit Oswald gegen die Missstände kämpfte. Es gab jetzt elektrisches Licht, aber immer noch keine Heizung.
Unter Helmut Stickroth, Oswalds Nachfolger, plante der Freistaat Bayern 1977 eine großangelegte Schlossrenovierung. Das Heimatmuseum sollte zu einem regionalen Schwerpunktmuseum erhoben werden. Dafür musste die ehrenamtliche Museumsleitung des Heimatvereins nach mehr als 90 Jahren abgegeben werden. Das Museum sollte von einer von der Stadt bezahlten Fachkraft geleitet werden.
Das Friedberger Museum wird erwachsen
Der ehemalige Schriftführer, der Richter Gottlob Felsenstein, hat sich damals dazu wie folgt geäußert: „Man kann die neue Lage mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten. Mit einem lachenden, weil das Kind unseres Vereins, das Museum, nun erwachsen geworden ist, mit einem weinenden, weil man es als Erwachsener in die Selbstständigkeit entlassen muss.“
Es ist das Verdienst von Stickroth, durch Verhandlungen mit der Stadt einen Vertrag ausgehandelt zu haben, der eine Beteiligung des Heimatvereins am Museum sichert. Bis heute betreut der Verein die vor- und frühgeschichtliche Abteilung.
Weiterhin bleibt es die Aufgabe des Heimatvereins, das Museum nach Kräften zu unterstützen. So schenkte er zur 125-Jahr-Feier 2011 dem Museum eine originalgetreue Nachbildung des ein auf drei Meter großen Lechgrenzplans von 1571. Auf diesem wertvollen Aquarell auf Leinwand, das dem Augsburger Stadtarchiv gehört, befindet sich die älteste detaillierte und damit mittelalterliche Darstellung Friedbergs aus dem Jahr 1571. Auch einen mit Zoom-Funktion ausgestatteten Touchscreen mit dem Lechgrenzplan erhielt das Museum als Geschenk. Beides wurde in die Neukonzeption des Museums einbezogen.
Regine Nägele ist Vorsitzende des Heimatvereins Friedberg. Dieser basiert auf ihrem Vortrag anlässlich 140-Jahr-Feier von Museum (und Heimatverein) beim „Friedberger Forum“ im Großen Saal des Schlosses:
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