Das Jahr 2002: In Steindorf sucht man einen neuen Bürgermeister, denn Michael Kreuzer kann aus gesundheitlichen Gründen nicht weitermachen. Der damalige zweite Bürgermeister, Gemeinderatsurgestein Max Drexler, schlägt Paul Wecker vor: „Er hat mich motiviert, es zu versuchen“, erzählt der heute 64 Jahre alte Wecker, der seit 1996 im Gemeinderat saß. Er setzte sich mit 58 Prozent der Stimmen durch, die nächsten drei Wahlen trat dann gar niemand mehr gegen ihn an. Nun ist Schluss: Am 30. April endet nach 24 Jahren die vierte und letzte Amtszeit des gelernten Textiltechnikers an der Spitze von Steindorf.
Die Gemeinde Steindorf ist seit über zehn Jahren schuldenfrei
Das Rathausgebäude, in dem er sein Büro bezog, kannte Wecker schon länger: Als er in Steindorf aufwuchs und in die erste Klasse kam, war hier noch die Volksschule untergebracht. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, erinnert sich Wecker, „unten war ein Lehrer für die ersten vier Jahrgangsstufen zuständig, oben einer für die fünfte bis achte Klasse.“ Das Ehrenamt als Bürgermeister übte er die ersten beiden Amtszeiten noch neben einem Job als kaufmännischer Angestellter aus, bis es ihm schließlich möglich war, sich vollständig auf die Kommunalpolitik zu konzentrieren. Und in der gab es drängende Themen: Von Anfang an bis zuletzt kam immer wieder der Hochwasserschutz auf die Tagesordnung. „Beim Pfingsthochwasser 1999 waren wir stark betroffen, bei den Überschwemmungen im Juni 2024 hat sich der errichtete Damm bewährt.“
Noch ist viel zu tun, Wecker möchte seinem Nachfolger geordnete Verhältnisse hinterlassen, in seiner letzten Sitzung soll sogar noch der Haushalt beschlossen werden: „Da sind wir im Vergleich früh dran.“ Seit über zehn Jahren ist die Gemeinde Steindorf schuldenfrei. Das sei vor allem den „fleißigen Betrieben“ zu verdanken: Mit OilQuick hat sich der Marktführer für sogenannte Schnellwechsler an Baggern zuletzt zweimal vergrößert. In Hofhegnenberg hat ein Friseurgeschäft eröffnet, ein privater Investor hat aus dem Schloss Hofhegnenberg wieder ein Schmuckstück gemacht, das sich nun für öffentliche Veranstaltungen öffnet. „Das ist nicht nur für die Gewerbesteuer wichtig, die Betriebe schaffen auch Arbeitsplätze, dann ist das Dorf nicht so verschlafen.“
Besonders stolz ist Wecker auf das neue Feuerwehrhaus
Lange der einzige Arbeitsplatz im Rathaus war das Bürgermeisterbüro, seit einigen Jahren gibt es ein paar Tage in der Woche Unterstützung durch eine Mitarbeiterin: Steindorf ist seit dem Zusammenschluss der zuvor selbstständigen Ortsteile als Gemeinde Mitglied in der Verwaltungsgemeinschaft Mering. In der sei es immer schwieriger geworden, Positionen nachzubesetzen, findet Wecker: „Die Arbeitsmarktlage war lange so gut, dass Kommunen wegen der schlechteren Bezahlung gegen private Arbeitgeber das Nachsehen hatten.“ Die Sicherheit, die ein Job in der Verwaltung gebe, könne aber in Krisenzeiten wieder attraktiver werden. Schwierig sei auch öfter die Personalsituation im Kindergarten gewesen, der gerade erweitert wird: „Als ich anfing, hielt man eine Kinderkrippe in Steindorf noch für ein ostdeutsches Phänomen, inzwischen ist auch hier der Wunsch danach da.“
Der Bedarf an Kinderbetreuung geht auch auf das Wachstum der Gemeinde zurück: „Ich habe damals mit Bebauungsplan Nr. 8 angefangen, inzwischen sind wir bei Nr. 37.“ Hier machte Wecker manchmal die zunehmende Bürokratie zu schaffen: Beim Bau des Gesundhauses musste er sich dazu äußern, dass das Gebäude die Sicht auf die Lourdes-Kapelle verdecke. Besonders stolz ist der scheidende Bürgermeister auf das neue Feuerwehrhaus für die zu einer Gemeindefeuerwehr fusionierten Ortsteilfeuerwehren: „Das war ein Schritt vom Mittelalter in die Zukunft. Viele fragen: Wie habt ihr das geschafft?“ Eine weitere Innovation sei die letztes Jahr eingeführte Gemeindeapp, die rechnerisch jeder zweite Steindorfer auf seinem Handy hat: An Silvester konnte über diese in kürzester Zeit der Besitzer eines Hundes gefunden werden, das Tier war vor Schreck von Eresried nach Steindorf gelaufen.
Wecker wird sich aus der aktiven Politik zurückziehen
Über die Jahre seien zwar die Bürger etwas kritischer geworden, erwarten schnellere Reaktionen: „Aber mit verbalen Anfeindungen habe ich nie kämpfen müssen, es war ein schönes Amt!“ Nicht alles konnte Paul Wecker zu Ende bringen: Das geplante Bürgerzentrum wird auch den Nachfolger Georg Egenhofer noch beschäftigen. Der nun hauptamtliche Bürgermeister soll Wecker zufolge auf jeden Fall einen eigenen Stil suchen: „Er muss nicht alles machen wie ich, Veränderung ist sehr wichtig.“ Er freue sich darauf, ab Mai mehr Zeit für den Garten zu haben, außerdem möchte er verreisen und sein Vereinsengagement wieder aufleben lassen. Aus der Kommunalpolitik wird Wecker sich zurückziehen: „Aber wenn mein Nachfolger Fragen hat, werde ich die natürlich beantworten.“
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