Neulich war wieder so ein Tag, an dem Lothar Haupt sein Motorrad lieber stehen ließ. Dichter Nebel hatte sich am Morgen über den Landkreis Aichach-Friedberg gelegt. Das Problem, sagt Haupt, ist: Viele Autofahrerinnen und Autofahrer fahren trotz Nebel nur mit Tagfahrlicht. „Sie sind dann nicht zu sehen“, sagt der Meringer, dabei werde immer wieder darauf hingewiesen. Haupt ist auch in der kalten Jahreszeit häufiger mit seinem Motorrad unterwegs. Abgesehen vom Nebel gibt es im Herbst und Winter eine ganze Reihe weiterer Punkte, auf die Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer wie er achten müssen.
Wenn das jemand weiß, dann ist das Haupt. Er fährt Motorrad, seit er 16 ist, heute ist er Präsident des Oldtimer- und Motorrad-Clubs in Mering. Der 57-Jährige fährt selbst eine BMW R 1150 R Rockster.
Warum die Temperatur der Motorradreifen wichtig ist
Ein wichtiger Faktor in der kalten Jahreszeit ist die Temperatur der Reifen, betont Haupt. „Das vergessen viele.“ Nur mit warmen Reifen habe ein Motorrad die entsprechende Haftung in den Kurven und beim Bremsen. „Ein kalter Reifen hat keine so gute Haftung.“ Das sei auch ein Grund, warum im Frühjahr viele Unfälle passieren würden. „Die Luft ist warm, aber der Asphalt ist noch kalt.“ Je kälter es ist, desto langsamer werden die Reifen warm, erklärt Haupt. Es gebe Typen, die schneller warm werden. Tourenreifen würden allerdings ein paar Kilometer brauchen, bis sie Betriebstemperatur haben. Bei warmer Witterung erreichen sie die schon nach einem Kilometer.
Ein weiterer Faktor, der die Griffigkeit der Reifen beeinflusst, sei Laub, Dreck oder Nässe auf der Straße, sagt Bernd Widmann, Präsident des Motorradclubs Rehling. Gerade während der Erntezeit sei die Fahrbahn immer wieder verschmutzt. Das Bremsen sei weniger das Problem, betont der 50-Jährige, die meisten Motorräder haben ein Antiblockiersystem. „Eine dreckige, nasse Fahrbahn ist rutschiger“, erklärt Widmann. Dadurch fehle den Reifen der Grip, was vor allem in der Kurve gefährlich werden kann. „Dann liegt man halt.“ Diese Gefahr drohe vermehrt in Waldgebieten, wo kaum Sonnenlicht hinkommt.
Im Sommer ist die Zahl der Unfälle mit Motorrädern höher
Blickt man auf die Unfallstatistik, stellt man fest, dass Motorräder im Herbst und Winter deutlich seltener in Unfälle verwickelt sind als im Frühling und im Sommer. Wie das Polizeipräsidium Schwaben Nord auf Anfrage mitteilt, gab es zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 im Landkreis Aichach-Friedberg 13 Unfälle mit Motorradbeteiligung. In den zwei Jahren zuvor sieht es ähnlich aus. 2023/24 waren es zehn Unfälle, 2022/23 waren es zwölf. In den wärmeren Monaten ist die Zahl der Unfälle mit Motorradbeteiligung dagegen deutlich höher. Zwischen März und September waren es 2024 49 Unfälle mit Motorradbeteiligung, im Jahr zuvor waren es 61. Für den zurückliegenden Sommer gibt es noch keine Zahlen.
Dass es im Herbst und Winter deutlich weniger Unfälle mit Motorradbeteiligung als im Frühling und Sommer gibt, liegt vermutlich auch daran, dass in der kalten Jahreszeit weniger Menschen überhaupt aufs Motorrad steigen. Wie das Landratsamt Aichach-Friedberg auf Nachfrage mitteilt, liegt die Anzahl der zugelassenen Motorräder im Landkreis bei etwas über 15.000. Rund zwei Drittel davon haben eine Zulassung für das komplette Jahr. Etwas über 5000 Motorräder haben nur eine Zulassung für einen bestimmten Zeitraum im Jahr. Die mit Abstand häufigsten Zeiträume sind April bis Oktober (circa 2100 Motorräder) gefolgt von März bis Oktober (circa 1800).
Die richtige Kleidung ist beim Fahren elementar
Auch Widmann, der Suzuki GSX S1000 fährt, hat ein Saisonkennzeichen von April bis Oktober, er spart sich so Geld bei der Versicherung und der Kfz-Steuer. Haupt hingegen hat eine Zulassung für das gesamte Jahr, er fährt im Herbst und Winter allerdings bei Weitem nicht so viel wie im Sommer. Wenn er auf Motorrad steigt, zieht er sich entsprechend warm an. Der Nachteil: Er ist auf seinem Sitz so weniger beweglich – was vor allem beim Lenken wichtig ist. „Es macht einen Unterschied, ob man weiter rechts oder links, weiter vorne oder hinten sitzt“, erklärt Haupt.
Warm genug angezogen zu sein, sei im Herbst und Winter gerade bei längeren Fahrten dennoch elementar. „Dass man nicht friert oder nicht nass wird, ist das A und O“, betont Haupt und begründet: „Sobald einem kalt wird oder man nass wird, reagiert man langsamer.“ Wer nur noch schnell nach Hause will, fahre außerdem unvorsichtiger.
Grundsätzlich, betont Widmann, gelte für Motorradfahrerinnen und -fahrer: „Man muss immer für andere mitdenken.“ Man müsse überlegen, was andere Verkehrsteilnehmende als Nächstes machen könnten, und immer bremsbereit sein. „Man darf nicht auf sein Recht pochen“, betont Widmann. „Egal, zu welcher Jahreszeit.“
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