Angestellte, die krankgeschrieben sind, bekommen im Normalfall erst einmal normal ihr Gehalt weitergezahlt. So können sich, vereinfacht gesagt, die erkrankten Arbeitnehmer in Ruhe erholen, ohne Angst vor Job- oder Geldproblemen aufgrund der Krankentage haben zu müssen. Doch wenn es nach Rainer Dulger, dem Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), geht, sollte sich das ändern. Er fordert grundlegende Veränderungen, um die Zahl der Fehltage zu senken.
Keine Lohnfortzahlung für Kranke: Was fordern die Arbeitgeber?
Dulger sagte im Gespräch mit der Welt, dass er die Zahl der Fehltage aus Krankheitsgründen für zu hoch hält. Dafür macht er die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verantwortlich. „Internationale Erfahrungen zeigen: Je großzügiger die Lohnfortzahlung, desto höher die Fehlzeiten, vor allem bei leichten Erkrankungen“, sagte der BDA-Präsident der Zeitung. Angesichts der hohen Krankenstände fordert Dulger deshalb eine grundlegende Reform im Hinblick auf Krankheitstage und Gehalt.
Gehalt: Was ist die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?
Die sogenannten Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist ein arbeitsrechtliches Instrument, das die Arbeitnehmer schützen soll. Die Techniker Krankenkasse (TK) erklärt dazu: „Beschäftigte haben gegenüber ihrem Arbeitgeber einen Anspruch auf Fortzahlung des Entgelts im Krankheitsfall für die Dauer von bis zu sechs Wochen.“ Dabei spiele es keine Rolle, ob das Beschäftigungsverhältnis sozialversicherungspflichtig sei oder nicht. Auch bei Maßnahmen der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation sei dies der Fall. Anschließend trete in den meisten Fällen die Krankenkasse mit Krankengeld ein, so die TK.
Übrigens: Sogenannte Anwesenheitsprämien gewinnen in deutschen Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Das Prinzip: Wer nie krank ist, bekommt mehr Gehalt.
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Nur noch einmal pro Jahr?
Die Fortzahlung des Gehalts greift damit in der Regel für die ersten sechs Wochen eines jeden Krankheitsfalls. Wenn ein Arbeitnehmer wieder gesund und arbeitsfähig ist und anschließend erneut erkrankt, greifen meist neue Lohnfortzahlungen für weitere sechs Wochen. Der Anspruch auf die Fortzahlungen besteht also meist mehrfach pro Jahr. An diesem Punkt will Rainer Dulger aber eingreifen: Der Verbandspräsident will die Lohnfortzahlung auf maximal sechs Wochen pro Jahr begrenzen.
Des Weiteren fordert Dulger, Zuschläge für erschwerte Arbeitszeiten, also etwa Nachtdienste oder Sonntagsarbeit, im Krankheitsfall nicht mehr fortzuzahlen. „Wer nicht arbeitet, hat auch keine Mehrbelastung“, so der BDA-Präsident. Auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen solle Dulgers Ansicht nach häufiger und schneller Arbeitsunfähigkeiten überprüfen können. Derzeit seien entsprechende Prüfungen die Ausnahme.
Arbeitgeberverband fordert: Telefonische Krankschreibung abschaffen
Wenn es nach dem BDA-Präsidenten geht, soll außerdem die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden. Wie die Bundesregierung erklärt, ist es bei Erkrankungen wie leichten grippalen Infekten möglich, sich telefonisch für bis zu fünf Tage krankschreiben zu lassen. Voraussetzung ist, dass man in der Praxis bekannt ist. Die Krankschreibung per Telefongespräch war während der Covid-19-Pandemie eingeführt worden, um Arztpraxen zu entlasten und Infektionen zu reduzieren. Anschließend wurde die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung beibehalten.
Rainer Dulger ist die telefonische Krankschreibung allerdings ein Dorn im Auge. „Sie war ein Notinstrument in der Pandemie, ist heute aber ein Einfallstor für Missbrauch.“ Videosprechstunden seien eine zeitgemäßere und bessere Alternative. Auch die CDU fordert eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.
Gehalt für Kranke: Lohnfortzahlung kostet Arbeitgeber Milliarden
Hintergrund für Rainer Dulgers Forderungen sind die hohen Krankenstände in Deutschland. Denn die Fehlzeiten sorgen für Einbußen auf Seiten der Arbeitgeber: Im Jahr 2024 haben diese laut Analysen des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) rund 82 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gezahlt. Laut einer aktuellen Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin vom vergangenen Dezember verursachten Fehltage im Jahr 2024 Produktionsausfälle von insgesamt 134 Milliarden Euro.
Übrigens: Viele Menschen wissen nicht, dass ihr Vorname die Höhe ihres Gehalts beeinflussen kann. Und auch das Aussehen hat Einfluss darauf, wie viel jemand verdient – das versteht man unter dem sogenannten „Pretty Privilege“. Zudem gibt es sechs Faktoren, die dabei helfen, ein sechsstelliges Gehalt zu erzielen. Und das Gehalt entscheidet unter anderem darüber, ob man von Banken als „reich“ eingestuft wird.
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